Ein Leben im Ganzkörperanzug

Nikola Andreav Mladenov, 10 Jahre, Gundelfingen

Von Nikola Andreav Mladenov, 10 Jahre & Gundelfingen

Mi, 17. Juni 2020

Neues für Kinder

DEINE GESCHICHTE: Bäume mit Desinfektionsspender, Eismaschinen im Wald – eine Corona-Zukunftsvision.

Es waren viele Jahre mit Corona ins Land gegangen und die Leute mussten immer noch aufpassen: Überall im Wald und auf den Spielplätzen gab es Steckdosen, damit man draußen Waffeln backen konnte oder sein Radio einstecken oder eine Eismaschine anwerfen oder eine Schneemaschine anschalten oder eine Bohrmaschine benutzen konnte.

Die Leute waren daran gewöhnt, draußen zu leben, und gingen nur noch nachts zum Schlafen nach Hause. Freunde redeten immer mit zwei Metern Abstand. Überall gab es Spender mit Desinfektionsmitteln: an Bäumen, an Straßenlaternen, auf dem Pausenhof, am Bahnhof und an jeder Haltestelle in der ganzen Stadt. Alle Menschen trugen wasserdichte Ganzkörperanzüge, die wie Imkeranzüge aussahen mit eingebautem Mundschutz.

Jeder hatte natürlich eine Plexiglas-Schutzwand, um mit den anderen reden zu können. Alle machten viel Sport an der frischen Luft. Manche Kinder konnten ihre Mutter fünf Jahre lang nicht sehen, weil die Mütter im Ausland waren und nicht zurück über die Grenze durften. Alle Kinder bekamen kostenlos Babyhaustiere geschenkt und spielten den ganzen Tag damit. Es gab keine Schule mehr und auch kein Videochatten. Alle wurden dumm, sogar sehr dumm. Und aus Langeweile fingen die Kinder an zu lesen. Dadurch wurden sie schlau.

Überall konnte man draußen kochen, weil es öffentliche Kochplatten gab: im Park, im Wald, im Bahnhof und am Fluss. Auch die kleinen Kinder kochten schon Spiegeleier oder Schnitzel mit Zitronen und Minze.

Manchmal gab es einen Stromausfall, deshalb mussten alle Kinder wissen, wie man ein Lagerfeuer mit Stöcken macht, mit einem Steinkreis um das Lagerfeuer herum, damit das Feuer sich nicht ausbreitet.

Nach fünf Jahren hatten die Forscher und Forscherinnen immer noch keinen wirksamen Impfstoff entwickelt. Ein Fehlschlag nach dem anderen. Bis dann im sechsten Corona-Jahr ein junger Wissenschaftler, zehn Jahre alt, den sehr wirksamen neuen Impfstoff entdeckte, der getestet werden konnte. Bei manchen Testpersonen wuchsen leider grüne Haare auf dem Kopf, die wie Gras aussahen. Nur bei den Leuten, die allergisch auf den Impfstoff reagierten, wuchsen grüne Haare. Doch: Lieber grüne Haare haben als Corona, dachten alle Kinder.

Durch den Impfstoff wurde das Leben wieder normal. Aber es blieb die Unsicherheit, ob der Impfstoff wirklich lange schützt.