Ein Sommer-Sonntagstraum

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mo, 13. September 2021

Mountainbike

885 Starter: Caleb Kieninger gewinnt den Schwarzwald-Bike-Marathon über 60 Kilometer.

Der Schwarzwald-Bike-Marathon war auch in der "Light"-Version über nur zwei Strecken ein Erfolg. 1221 Meldungen für beide Tage übertrafen die Erwartungen der Organisatoren. Viele der 885 Starter und Starterinnen am Sonntag strahlten mit der Sonne um die Wette. Schnellster über 60 Kilometer war Caleb Kieninger (RSV St. Georgen). Bei den Frauen wurden Alina Bähr und Julie Koch gemeinsam auf Platz eins gesetzt, obwohl sie nicht zeitgleich waren.

. Caleb Kieninger wurde seiner Favoritenrolle gerecht. Der 27-jährige St. Georgener hatte 2019 beim zuvor letzten Start in Furtwangen auf der Ultrastrecke über 120 Kilometer gewonnen. Diesmal war die Herausforderung halbiert, zumindest was die Distanz angeht. "Es war schon die ganze Zeit hart", verriet der Sieger im Ziel. Wegen der höheren Grundschnelligkeit schmerzten die Beine stärker. Doch Kieningers Plan ging auf. Bei der Katharinenhöhe wollte er allein sein - vorne, versteht sich. Deshalb habe er es "an jedem Anstieg ein bisschen probiert". Er habe "an der Neueck schon klemmen müssen", bestätigte der Breitnauer Matthias Bettinger die starke Form des Führenden. Der baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. In Vöhrenbach lag er bereits drei Minuten vor dem Verfolgertrio Bettinger (Stop & Go Marderabwehr), dem Rottweiler Fabian Ziegler und Simon Kempf aus Mühlheim. Kieninger wusste sich anderweitig zu motivieren: mit der bislang besten Siegerzeit über die 60 Kilometer, die er im Vorfeld eigens recherchiert hatte. "Stiebi fuhr mal 1:56", erzählte er den Kollegen im Ziel. Die Rekordmarke des Mountainbike-Profis Simon Stiebjahn aus Langenordnach verfehlte Kieninger mit seinen 1:57:43,3 Stunden zwar, aber "die zwei Stunden sind verflogen wie nix", berichtete er schmunzelnd.

Für das Verfolgertrio ging's noch um die Plätze auf dem Siegertreppchen. An den langen Anstiegen war's bei ihm diesmal "sehr zäh", bekannte Matthias Bettinger. Deshalb habe er "in jeder Kurve und an jeder Welle" versucht, seine beiden Konkurrenten loszuwerden. Doch erst "bei den Hochhäusern" in Furtwangen habe sich eine Lücke zu Simon Kempf aufgetan. Ins Bregstadion fuhr Bettinger neben Fabian Ziegler ein, den Spurt auf der Zielgeraden gegen den zehn Jahre jüngeren Rottweiler entschied der 37-Jährige nach 2:00:51,1 Stunden um 0,2 Sekunden für sich.

Zwei Siegerinnen im Frauenrennen

"Für mich war das tipptopp heute", bewertete der Hochschwarzwälder Rang zwei hinter "Düsenjet" Caleb Kieninger. Beide bezeichneten das Rennen als gute Vorbereitung auf die deutsche Marathonmeisterschaft im Oktober in Singen. Und beide waren sich einig: "Man muss froh sein, dass überhaupt 'was ist", auch wenn Bettinger "die coole Urach-Runde" schon vermisste. Genossen haben sie auch die vielen Zuschauer an der Strecke.

Ein Kuriosum gab's im Frauenrennen über die 60 Kilometer. Als Alina Bähr (SC Oppenau) nach 2:20:07,6 Stunden als erste Frau ins Ziel rollte, informierte Sprecher Stefan Lubowitzki bereits darüber, dass eine zehn Minuten später im dritten Startblock ins Rennen gegangene Bikerin in Vöhrenbach eine schnellere Zwischenzeit hatte. Und tatsächlich stoppte die Uhr für Julie Koch (Kusterdingen) 44,3 Sekunden früher. Wären beide zusammen gestartet, hätten sie das Rennen wohl gemeinsam gestalten können und womöglich im Zielsprint entschieden. Was tun?

Veranstalter und Rennkommissäre riefen beide Frauen zu sich und hatten einen Vorschlag: "Machen wir zwei erste Plätze." Die 25-jährige Alina Bähr - "ich hab' immer gehört, ich würde führen" - und Julie Koch (22) waren einverstanden. Somit bekamen beide einen Pokal und das selbe Preisgeld. Rennkommissär Siegmund Großmann vom Badischen Radsport-Verband erklärte, "es soll im Sinne des Sportlers entschieden werden" und kündigte an, "die Ausschreibung muss überarbeitet werden". Dass sie im letzten Startblock ins Rennen gegangen war, begründete die Tübinger Lehramtsstudentin Koch mit ihrer geringen Erfahrung: Sie habe erst im vergangenen Jahr begonnen, Rennen zu fahren und wahrlich nicht an eine Siegchance geglaubt. Ihr Ziel: "voll fahren und Spaß haben".

Auf der Kurzstrecke über 42 Kilometer setzte sich Sebastian Braunbehrens (SV Kirchzarten) nach 1:29:50,3 Stunden im Sprint um 0,1 Sekunden gegen Jakob Huschle (SC Hausach) durch. Bei den Frauen siegte Malin Dold (Schonach/ 1:52:36,6) 19 Sekunden vor Eva-Maria Dorer (Kirchzarten). Den Jugend-Cup über 42 Kilometer gewannen überlegen Jakob Keller (Bikecrew Münstertal/ 1:31:29,6) und die Schweizerin Jolanda Böhler (SG Rheinfelden/1:54:21,4).