Eine solche Liste ist immer problematisch

Christine Ableidinger-Günther

Von Christine Ableidinger-Günther (Steinen)

Mo, 11. Januar 2021

Leserbriefe

Herr Frey, Sie beklagen in Ihrem Leserbrief die Ungerechtigkeit der Impfhackordnung: In der zweiten Gruppe befänden sich bereits Obdachlose und Asylbewerber, Menschen zwischen 45 und 70 Jahren kämen später dran. Nun ist so eine Liste auf jeden Fall immer problematisch – und auch Obdachlose gehören zu unseren "eigenen" Bürgern. Was wissen wir schon, auf welchen Wegen diese Menschen in ihrer Situation gelandet sind, wer weiß, wie sie sich vorher um unsere Gesellschaft (nicht nur den Wohlstand) verdient gemacht haben? Und wie können wir über die Nützlichkeit oder Nutzlosigkeit von Asylbewerbern befinden?

Es scheint eben leider zur menschlichen Natur zu gehören, dass Fremde und Geflüchtete erst mal misstrauisch beäugt und als Schmarotzer bezeichnet werden – davon können unsere Eltern und Großeltern ein Lied singen, die nach dem Krieg von Osten nach Westen flüchten mussten. Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass sie aufgrund ihrer Wohnverhältnisse die Abstandsregeln und Hygienevorschriften nicht oder nur schlecht einhalten können. Durch die Impfung wird die Gefahr gebannt, die sie für andere darstellen.

Ich bin 66 Jahre alt und habe kein Problem damit, dass mein Impftermin erst viel später kommen wird, denn ich lebe in komfortablen Wohnverhältnissen und kann selbst entscheiden, mit wem und wie viel Kontakt ich habe.
Christine Ableidinger-Günther, Steinen