Eine Sprache darf nicht trennen, sondern sie sollte die Menschen immer verbinden

Gerhard Edelmann

Von Gerhard Edelmann (Rickenbach)

Sa, 04. Juli 2020

Leserbriefe

Die Verstümmelung unserer Sprache ist ja schon recht weit fortgeschritten. Beigetragen haben vor allem die vielen Anglizismen. Gegen das Englische an sich ist nichts einzuwenden. Aber wenn wir aus dem Englischen Begriffe übernehmen, kann es peinlich werden. Zum Beispiel Airbag, das bedeutet nichts anderes als Luftsack, obwohl mit Gas gefüllt. Nach dem jahrelangen transatlantischen Kauderwelsch werden wir mit einer weiteren Neusprache, diesmal aus dem feministischen und nichtbinären Sprachlabor, konfrontiert: der Gendersprache. Angeblich, um mehr Geschlechterneutralität zu erreichen: Zum Beispiel soll "Vaterland" durch "Heimatland" ersetzt werden.

Im Grunde ist die Gendersprache eine laut dem Journalisten Wolf Schneider "lächerliche Verumständlichung", weil eine gute Kommunikation durch die implantierten linguistischen Stolpersteine kaum möglich ist. Es ist ein Sprachgestrüpp, in dem man sich nicht zurechtfindet: Genderstern da, Genderunterstrich dort – also eine Sprache mit vielen linguistischen Konstrukten, die mit geltenden Rechtschreibregeln unvereinbar sind.

Die geschlechtsneutrale Sprache ist auch im alltäglichen Umgang eine Zumutung. Unterschwellig entsteht der Eindruck, entmündigt zu sein, weil die Gendersprache als verpflichtend empfunden wird. Dies fördert nicht die Geschlechterneutralität, sondern behindert die Gleichberechtigung und führt zur Spaltung. Eine Sprache darf nicht trennen, sondern muss verbinden. Nur so ist mehr Gerechtigkeit, Akzeptanz und Verständnis zu erreichen. Gerhard Edelmann, Rickenbach