GANZ NEBENBEI: Alt & Jung-Ferien

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Sa, 15. Juni 2019

Elzach

Pfingstferien. Halbzeit. Manche Elztäler sind irgendwo in der Ferne in Urlaub – am Meer, auf den Malediven oder im Markgräflerland. Die anderen müssen, soweit sie Eltern sind, gucken, wie sie ihre Kinder bespaßen. Es sei denn, die Kleinen sind schon groß genug, um wichtige Ferienbeschäftigungen wie shoppen und chillen (also einkaufen und sich davon erholen) selbständig zu tätigen. Für kleinere Kinder aber braucht es Ideen für Unternehmungen draußen: Kastelburg, Schwarzwaldzoo, Baumkronen- oder Mühlenwanderweg etc.– auch hier im Tal gibt’s Einiges. Ja, Kinder wollen beschäftigt sein. Genau wie Rentner, die das ganze Jahr – außer an Weihnachten und Fasnet – frohgemut wandernd (und davor/danach mit der Elztalbahn fahrend) durch’s Land streifen. Da liegt doch eines nahe: Die Rentnergruppen könnten in den Schulferien mit den Kinderscharen … zusammen auf Tour gehen? Das hätte viele Vorteile: Jung und alt wären beschäftigt, die Eltern hätten frei, die Kinder würden es danach viel besser zu schätzen wissen, wieder bei ihren Eltern zu sein und die Rentner wären heilfroh, dass ihre eigenen Kinder schon so groß sind, um selber shoppen, chillen und grillen zu können. Eine wahnsinnige Win-win-win-Situation wär’ das. Oder nicht?

Allen guten Flug!

Sechs Tage ist der Kandel für manche Niederländer ihr liebster und höchster Berg – sie tragen dort ihre Dutch-Open-Drachenfliegermeisterschaft aus, vom 16. bis 22. Juni. Spielt das Flugwetter mit, werden also in diesen Tagen immer wieder fliegende Holländer über dem Elztal zu sehen sein. Für so eine Meisterschaft fehlen daheim echte Gipfel: Der höchste Berg der Niederlande heißt – BZ-Leser wissen das – Vaalserberg, in der Provinz Limburg, er misst knapp 323 Meter, da fehlen also noch rund 900 Meter bis zur Kandelhöhe. Rechnet man die Überseeterritorien der Niederlande hinzu, bringt es der Mount Scenery auf der Insel Saba (Kleine Antillen, Karibik) immerhin auf 877 Meter, er kann also in etwa mit dem Kapf in Oberprechtal mithalten.

Arg ring, der Bue

Hier "e bizzili" Mundart, zitiert aus dem Buch "Alemannische Gedichte von Hebel bis heute", erschienen 1989 im damaligen Waldkircher Verlag – ein Gedicht von Desiré Lutz mit dem Titel "D’Altbiri". Wobei man für Nicht-Alemannen fairerweise vorweg zwei Wörter erklären darf: "Meineidig" ist kein hiesiges Dialektwort, es gehört eher ins Hochalemannische/Schweierzische und bedeutet eine Verstärkung: "unglaublich" oder "gewaltig". Und "ring"? Das kommt von "gering" und meint hier "schwächlich". Hier das Gedicht:

D’Altbiri zählt jetz hundert Johr,

isch gsund un zäh wie Eicheholz;

sie kummediert au noh der Hof

un isch do druf meineidig stolz.

Jetz goht sie heim im schwarze Gwand.

Sie hän – drum het sie Truur aglegt –

der Sohn von achtesibzig Johr

im Grab mit Ehr un Kränz zuedeckt.

De Nochbere sait si – s’ fallt’re schwer:

"Er isch als Bue schu gsii so ring,

drum han i au vo jeher gsait,

ass ich en nit dur’s Lebe bring..."