Anrufung und Huldigung

Georg Voß

Von Georg Voß

Di, 12. März 2019

Emmendingen

Meditatives Orgelkonzert in St. Bonifatius zu Beginn der Fastenzeit.

EMMENDINGEN. 50 Besucher kamen am ersten Fastensonntag zum meditativen Orgelkonzert "Vespri d‘Organo in die Sankt Bonifatius-Kirche. Unter dem wegweisenden Titel "Kyrie eleison, Herr erbarme dich" spielte Jürgen Mauri, Organist der Kirche und an der Kathedrale von Saint-Dié-des Vosges, an der großen und kleinen Orgel in St. Bonifatius. Dazu steuert Matthias Berg spirituelle und theologische Texte bei.

Aus der Feder von Andreas Knapp stammen die nachdenklichen Texte von Andreas Knapp "Heller als Licht" und "Biblische Gedichte", die auch fragen, wer Gott sei, angesichts der Kondensstreifen und Wolkenkratzern beim Blick in den Himmel. Das "Trostlied am Abend" des deutschen Theologen Jochen Klepper soll Trost angesichts von Zweifel, Sorgen und Sünden spenden.

Der Huldigungsruf Kyrie Eleison ist Bestandteil der Eröffnung des Gottesdienstes. Die christliche Gemeinde übernahm diese Anrufung an den römischen Kaiser und übertrug sie auf Jesus. Dieser Ruf wird heute noch in der Liturgie verwendet. Daher standen auch Kyrie-Vertonungen von Johann Sebastian Bach (1685-1750) im Mittelpunkt der Orgelvesper. Bachs Kyrie-Vertonung stammt aus "Klavierübung, Dritter Theil" und fußt musikalisch und textlich auf einer reformatorischen Version aus dem 16. Jahrhundert, in der noch die frühere Fassung des lateinischen Kyrie fons bonitatis mit gregorianischer Melodieführung aus dem 10. Jahrhundert erkennbar ist. Bestandteil der Huldigung ist die dreifache, trinitarische Anrufung: je dreimal an Gott den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Auch Johann Sebastian Bachs Kyrie-Vertonung behält diese dreifache Anrufung und den dreifachen Aufbau bei in "Kyrie, Gott Vater in Ewigkeit", "Christe, aller Welt Trost" und dem abschließenden "Kyrie, Gott heiliger Geist" bei. Jürgen Mauri überträgt dieses Werk an der kleinen Orgel elegant und feinfühlig. Matthias Berg liefert zu jedem Teil die Übersetzung des lateinischen Originals.

Eingeleitet wird das meditative Orgelkonzert durch die sehr elegante und ruhig klingende "Fantasie in e" von Nikolaus Bruhns (1665-1697). Nach der Kyrie-Vertonung von Bach, folgt an der großen Orgel das sehr melodiöse und romantisch-schöne "Tema variato D-Dur" aus "12 Mediitationen op. 167" des in Vaduz/Liechtenstein geborenen Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901). Den Abschluss der Orgelvesper bilden "Kyrie eleison" und "Gloria in execelsis" Max Regers (1873-1916) "Orgelstücke op.59". Auch die beiden Werke des deutschen Organisten und Komponisten kommen bei den Besuchern an. Max Regers "Kyrie eleison" unterstreicht die Anrufung Gottes während in "Gloria in excelsis" auch die Trinität, auch formal abgebildet wird, bis es in einem Augenblick der Stille ausklingt.

Info: Orgelvesper mit Johannes Götz, Bezirkskantor und Organist in St. Peter, Sonntag, 24. März um 17 Uhr in Sankt Bonifatius.