Die Faszination der Orgel

Ute Schöler

Von Ute Schöler

Mi, 30. Januar 2019

Endingen

Endinger und Riegeler Grundschulen kooperieren bei Projekt mit dem Musikforum Kaiserstuhl.

ENDINGEN/RIEGEL. Wie funktioniert eine Orgel? Wie kommt ihr Klang zustande? Das lernten Endinger Grundschüler am Freitag in der Stadtkirche Sankt Peter. Bei dem musikpädagogischen Projekt kooperiert das Musikforum Kaiserstuhl mit der Endinger Grundschule im Erle und der Riegeler Michaelschule.

Auf der Empore der Peterskirche umringen 30 Kinder die Orgel und schauen erwartungsvoll zu Michele Savino, der ein Stück anspielt. Plötzlich öffnet sich am Orgelgehäuse eine Türe. Die Kinder lächeln: Lehrerin Melanie Kummer tritt als Maus auf und streckt sich, als hätte sie verschlafen. Die Geschichte ist lustig: In den Pfeifen einer Kirchenorgel hat die Maus Charly ein neues Zuhause gefunden und wurde vom Organisten jäh aus dem Schlaf gerissen. Nachdem sich Charly von ihrem Schreck erholt hat, will sie neugierig alles über die Orgel wissen.

In dem von Karl-Peter Chilla (geboren 1949) konzipierten musikpädagogischen Programm "Die Orgelmaus" lernen die Kinder in einer szenischen Lesung mit Hörbeispielen die "Königin der Instrumente" kennen, wie die Orgel auch genannt wird. Neben Melanie Kummer ist auch der Endinger Lehrerkollege Max Neuhauser als Erzähler dabei.

Schon 240 Jahre alt ist die Instrumentenkönigin in Endingen, 1779 von einem Rastatter Orgelbauer errichtet. Mehr als fünf Meter lang ist die größte Pfeife. Sie brummt so tief, dass man die Tonschwingung sogar im Bauch spürt. Piepsig wie ein Mäuslein klingen indes die kleinsten Pfeifen. Die Kinder sind ganz Ohr.

Doch wer hat dieses riesige Instrument erfunden, in dem man sogar Verstecken spielen könnte? Staunend hören die Kinder, dass die Erfindung schon sehr lange zurückliegt: Der Erfinder Ktesibios aus Alexandria im heutigen Ägypten hat vor fast 2300 Jahren die erste Orgel gebaut.

Viel weicher als die Zinnpfeifen klingen die Holzpfeifen und auch die Bauweise beeinflusst ihren Klang. Während manche Pfeifen wie eine Blockflöte funktionieren, lassen mitschwingende Metallplättchen das Zungenregister ganz frech klingen.

Zwischen den mit viel Humor gespickten Dialogen spielt Michele Savino immer wieder kleine Stücke, so dass die Kinder mit den unterschiedlichen Registern den Orgelklang in seinem ganzen Klangspektrum kennenlernen. Beim Wort "Klang-Speck-Turm" horcht Maus natürlich auf. "Nein, Charly!", korrigiert Savino, "nicht Speckturm, sondern Spektrum." Die Kinder lachen viel bei dem Projekt und lernen nebenher die neue Worte, die sie im Schulunterricht nochmals genauer anschauen werden.

Schließlich dürfen die Kinder selber fragen. "Wie schafft man es, mit Händen und Füßen gleichzeitig zu spielen?", wundert sich ein Mädchen. "Das ist wie Laufen", antwortet Savino. Nach der feierlich klingenden d-Moll Toccata von Johann Sebastian Bach verwandelt sich die große Kirchenorgel mit lustiger Kirmesmusik zum Abschied fast in eine Drehorgel.

"Ich hoffe, dass wir solche Projekte zur Musikförderung mit gewisser Regelmäßigkeit machen können – auch an anderen Schulen", sagt Savino. Am morgigen Donnerstag geht es weiter. Dann erleben die Riegeler Grundschulklassen die Orgel der dortigen Pfarrkirche St. Martin.