Erste Begegnungen gab’s an Kilbifeiern

Dieter Maurer

Von Dieter Maurer

Do, 06. August 2020

Breitnau

Klara und Ernst Ketterer vom Simonshof in Breitnau feiern Diamantene Hochzeit.

. Klara und Ernst Ketterer vom Simonshof in Schanz-Freyel feierten jetzt das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit. "Des isch nix Bsunderes," meinten der bescheidene 88-jährige Jubilar und seine gleichaltrige Gattin. Die Feier fand im Kreis der Familie statt.

Klara Frieda Löffler kam am 3. Oktober 1931 auf die Welt. Mit zwei Brüdern wuchs sie auf dem Hasenhof im Jostal auf. Nach der Schulzeit half sie im elterlichen Hof. Ernst Ketterer, geboren am 30. April 1932, verbrachte sein ganzes Leben auf dem Simonshof, einst auch bekannt als Ketterer-Thomilis-Haus. Namensgeber waren Thomas Ketterer und Simon Wehrle, die das Anwesen nach einem Brand im 18. Jahrhundert erworben hatten. Mit seiner Schwester teilte Ernst Ketterer viele Erlebnisse. Ein Bruder verstarb bereits in jungen Jahren.

Kennengelernt hat sich das diamantene Jubel-Paar bei kirchlichen Festen und traditionellen Kilbifeiern. Die standesamtliche Trauung vollzog der damalige Bürgermeister Bernhard Wangler am 3. August 1960 im Rathaus Breitnau. Die kirchliche Hochzeit folgte einen Tag später in St. Märgen.

Das kleine landwirtschaftliche Anwesen in Schanz-Freyel umfasst 22 Hektar Wald- und Wiesengelände. "Wir hän ä Lebe lang von morgens bis obends gschuftet," erzählt Ernst Ketterer und lächelte leicht. Mit Pferd und Stier als Zugtiere hat er den Hof bewirtschaftet. Die Ehefrau kümmerte sich um die sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter sowie den Haushalt. Da die kleine Landwirtschaft nur wenig abwarf, verdingte sich Ernst Ketterer zudem als Holzfäller, Bodenleger und Dachdecker. Viele Jahre verdiente er im Okalwerk in Hölzlebruck dazu, später beim benachbarten Sägewerk Ketterer. Ein Rückenleiden zwang ihn zum vorzeitigen Renteneintritt mit 62 Jahren.

1993 überschrieb Ernst Ketterer den Hof an seinen damals 22-jährigen Sohn Franz. Er war der 14. Hoferbe in der mehr als 300-jährigen Geschichte des Anwesens. Fünf Jahre nach der Übernahme gab er die wenig rentable Landwirtschaft auf und verpachtete die Felder. Heute erweitern zehn Enkel den Familienkreis.

Die vier Kilometer lange Straße von Breitnau zu dem in 840 Meter Höhe etwas abgeschieden gelegenen Simonshof ist eng und kurvenreich. Sie führt bergauf und bergab. Schneereiche Wintermonate bedeuteten für die Anwohner oft besondere Herausforderungen, war man doch immer wieder abgeschnitten von Breitnau. "Der Ostwind sorgt für hohe Schneeverwehungen," erzählt der Jubilar. Der Schneepflug habe zwar gebahnt, aber schon eine Stunde später war die Straße erneut unpassierbar, gab es kein Durchkommen mehr. Die Ehejubilare sind zufrieden mit ihrem Dasein. Ernst Ketterer bilanziert: "Mal ging es gut, mal nicht so gut, wie das Leben halt so ist."