Zisch-Interview

"Es gibt hier viel zu entdecken"

Jonathan Kleinschmidt, Klasse 4,

Von Jonathan Kleinschmidt, Klasse 4 &

Fr, 24. November 2023

Zisch-Texte

Wie ist das Leben in New York? Das weiß Jonathan Engelken, der Onkel von Zisch-Reporter Jonathan Kleinschmidt. Er forscht als Physiker an der Columbia University. Zur Arbeit fährt er mit dem Einrad.

Zisch: Ist es schwer, in einer so großen und hektischen Stadt wie New York Ruhe zu finden?

Engelken: Ich hatte tatsächlich, als ich nach New York zog, die Befürchtung, dass es hier nicht genug Ruhe für Wissenschaft gibt. Ich bin ja herkommen, um Wissenschaft zu machen, und dafür brauche ich Ruhe. In meinem Institut hier an der Columbia University gibt es zum Glück sehr viel Ruhe, da kann ich gut nachdenken und arbeiten. Ein Phänomen gibt es hier in New York, das heißt "FOMO" (fear of missing out), also Angst etwas zu verpassen. Viele Leute hier in New York haben das. Ich zum Glück nicht. Früher wohnte ich an einer lauten Straße, aber jetzt bin ich zusammen mit meiner Freundin in eine ruhigere Wohnung gezogen. Wir schlafen nach hinten raus, das ist sehr ruhig. Nur unsere Katze miaut manchmal nachts, dann stecke ich mir Ohrstöpsel ins Ohr.

Zisch: Was magst du am meisten an New York?

Engelken: Dass es so vielseitig ist. Oft herrscht, wenn man nur eine Straße weitergeht, schon eine ganz andere Atmosphäre, das fasziniert mich. Es gibt hier außerdem Restaurants aus allen Ländern der Welt, das Essen ist sehr lecker.

Zisch: Was mögen die Kinder in New York am meisten?

Engelken: Schwer zu sagen, ich bin ja kein Kind. Aber wenn ich im Park die Slackline gespannt habe, kommen oft Kinder und probieren es aus. Die Spielplätze hier sehen leider aus wie Gefängnisse, finde ich, weil so hohe Gitter drumherum sind, aber ich weiß nicht, ob die Kinder hier das auch so sehen. Ich werde mal ein Kind hier fragen, das ich kenne.

Zisch: Ist New York sehr anders als andere amerikanische Großstädte?

Engelken: Ja, ich glaube schon. Es gibt nicht so viele Großstädte in den USA, in denen der öffentliche Personennahverkehr so gut ist, dass man kein Auto braucht. Ich mag Städte sehr, in denen man kein Auto braucht und trotzdem gut in alle Gegenden kommt. New York ist außerdem sehr international, weil Menschen aus sehr vielen Ländern hier leben. Es gibt auch sehr viele verschiedene Religionen. Leider gibt es hier einen sehr großen Unterschied zwischen Arm und Reich, das macht mich manchmal traurig.

Zisch: Wie ist der Weg zu deiner Arbeit?

Engelken: Auf dem Weg zur Arbeit benutze ich meistens mein Einrad, das dauert nur etwa zehn Minuten.

Zisch: Was machst du in deiner Freizeit?

Engelken: Ich tanze gerne Tango, übe Slackline, besuche schöne Ausstellungen, zum Beispiel im Whitney Museum. Es gibt hier so unglaublich viel zu entdecken, ich lebe schon ein paar Jahre hier und habe noch nicht einmal die Hälfte aller Museen besucht.

Zisch: Was vermisst Du in Amerika am meisten, was es in Deutschland gibt?

Engelken: Brot, meine Familie und meine Freunde. Zum Glück habe ich inzwischen auch hier gute Freunde, manche davon sind wie eine Ersatzfamilie. An die kann ich mich wenden, wenn ich mal traurig bin oder wenn’s was zu feiern gibt.

Zisch: Vielen Dank für das Interview.

Rainer: Es war mir ein Vergnügen.