Es menschelt im Tierreich

Günter H. Jekubzik

Von Günter H. Jekubzik

Do, 14. Februar 2019

Kino

NATUR-DOKU: "Ailos Reise".

Kann ein niedliches Rentier-Baby tapsigen Kaiser-Pinguinen den Rang ablaufen? Eine neue strahlend weiße Tier-Doku drängt ins Kino, aber sie schlägt beim großen Vermenschlichen für kleine Kinogänger einen anderen Ton an als die unerträglich pathetische "Reise der Pinguine". Von der Geburt an und dem unglaublich schnellen Auf-die-Beine-kommen, folgt die Doku "Ailos Reise" dem ersten Lebensjahr eines Rentieres – Jahreszeiten und "Kreislauf des Lebens", Fressen und Gefressenwerden und sogar die Liebe: Ja, das große Menscheln beherrscht auch dieses Tierreich im Hohen Norden. Selbst wenn dieses kindgerechte konservative Familienbild die Möglichkeit der Trennung von Rentier-Eltern andeutet: Minuten nach der Geburt lässt das Muttertier sogar kurz ihr Kind zurück, um es sich dann doch noch mal zu überlegen.

Das war es dann aber auch mit schwierigen Momenten der kindgerechten Tier-Schau. Selbst erbarmungslose Raubtiere werden wenig bedrohlich präsentiert, witzige Hermeline übernehmen den Part des Säbelzahn-Eichhörnchens Scrat aus "Ice Age", bedrohliche Schnee-Eulen müssen im Gegensatz zu Harry Potter-Exemplaren auch mal essen und die Rolle der Bösewichte spielen Wölfe. Das prädestiniert den Film für die Kleinen, den Älteren bleiben schöne Naturaufnahmen, falls sie das Dauergequassel ausblenden können. Wie man überhaupt bei dem dauernden Krach des Orchesters Tiere in Ruhe beobachten konnte, bleibt ein großes Rätsel nicht nur dieses Naturfilms.

Allerdings wählt der von Anke Engelke ohne Engelke-Kapriolen gesprochene Text ganz eigene Töne: Er vermischt spontane Poesie, große Lebensbetrachtungen und simple Erklärungen. "Ailos Reise" beeindruckt mit seinen Bildern und schadet Kindern sicher nicht. Ein paar weniger Disney-hafte Tiere sollten später im Biologie-Unterricht aber schon noch dazukommen.

"Ailos Reise" (Regie: Guillaume Maidatchevsky) läuft flächendeckend. Ab 0.