Selbstversuch

Escape Games kann man dank Internet auch zuhause spielen

Ronja Vattes

Von Ronja Vattes

So, 13. Dezember 2020 um 09:30 Uhr

Liebe & Familie

Der Sonntag Raus aus dem Lockdown und rein in den rätselhaften Regenwald: Frexit Freiburg geht online mit seinem ersten virtuellen Escape Game "Dschungelfieber". Wir haben es ausprobiert.

Raus aus dem winterlichen Dauermüde-Grau und rein in den rätselhaften Regenwald: Beim Online Escape Game "Dschungelfieber" können bis zu sechs Spieler gemeinsam knobeln, den Alltag vergessen – und das ganz coronakonform, indem sie brav zu Hause sitzen.

Papageien kreischen, exotisches Tiergeschrei dringt durchs Dickicht, die Augen versinken im sattgrünen Blättermeer des tropischen Regenwaldes – während vor uns eine Schale mit leckeren Lebkuchen steht und eine Tasse mit heißem Tee dampft. Was für eine Mischung!

Alternative zum Besuch eines echten Escape Rooms

Es ist ein frostkalter, grauverhangener Sonntagnachmittag während der Corona-Pandemie, den unsere Familie für eine Reise in ein fernes Land, ach was, in eine andere Welt nutzt. Wir haben uns auf der Internetseite von Frexit eingeloggt, um "Dschungelfieber" zu spielen – das erste Online Escape Game des Freiburger Unternehmens als Alternative zum Besuch eines ihrer echten Escape Rooms.

Knobeln, um dem Tod ein Schnippchen zu schlagen

Zu fünft wollen wir uns der virtuellen Herausforderung stellen, ein Serum gegen einen fiesen Schlangenbiss aufzuspüren und damit dem Tod von der Schippe zu springen. Dafür sitzen wir Eltern plus unsere drei Kinder im Alter von 12 bis 16 Jahren an PCs und Laptops verteilt im Haus und müssen uns gemeinsam von Rätsel zu Rätsel knobeln, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Wie bei echten Reisen in ferne Länder heißt es zuerst einmal alles Nötige zusammenzupacken. In diesem speziellen Fall brauchen wir weder Reisefön noch Bikini, dafür aber Zettel und Stift, eine stabile Internetverbindung und einen Gruppenchat, um miteinander kommunizieren zu können. Und ein bisschen Wegzehrung kann auch nicht schaden, deshalb die Lebkuchen. Dann nur noch mit dem Spielcode einchecken – schon kann es losgehen.

Kaum sind wir im Dschungel angekommen, müssen wir uns vor Ort erst einmal zurechtfinden: Wir stehen in einem lichten Raum, einer luftigen Hütte ähnlich, mit Aussicht auf Palmen und den feuchten Dunst einer entfernten Bucht. Wir schauen uns um, suchend, um einen ersten Hinweis zu finden, der uns in diesem Spiel weiterbringt. Mit dem Mauszeiger tasten wir die Wände der Hütte ab, um zu sehen, ob sich etwas dahinter verbirgt.

Sätze wie "Ey, könnt ihr mich hören?", "Mach mal das Mikro an", "Was sollen wir denn jetzt machen?", "Aber nix verraten, ich will selber draufkommen" haben das sonst auf Reisen so typische "Mir ist langweilig", – "Wann sind wir endlich da?" innerhalb kürzester Zeit abgelöst.

Wir rotieren, grübeln, rechnen, rätseln...

Um voranzukommen, müssen wir mit allen Sinnen konzentriert sein: Raschelt da nicht etwas? Ergibt das bunte Wirrwarr dort drüben vielleicht ein Muster, das uns weiterhilft?

Tür um Tür öffnet sich. Wir rotieren, wir grübeln, wir zählen und rechnen, um Schlösser an Schatzkisten zu knacken, um in andere Räume und – verflixt nochmal – ans Ziel zu kommen.

Dafür sollten wir als Reisegruppe zusammenhalten, aber das Dschungelfieber hat uns längst gepackt, der Wettkampfgeist ist entfacht. "Ich glaub’, ich hab’s", überschlägt sich die eine Stimme aus dem Kopfhörer, während eine andere wütend knurrt: "Mann ey, sei still, ich rechne noch."

... und landen in einer Sackgasse

Wie bei echten Touren in unbekannten Ländern, kommen wir immer mal wieder vom Weg ab, verfahren uns oder landen in einer Sackgasse. Wir könnten ja notfalls Einheimische um Hilfe bitten – aber das lässt der Stolz nicht zu. Wir wollen es ohne die Tipps, die wir zu Spielbeginn in einem gesonderten Dokument von Philipp Wirthgen, dem Inhaber von Frexit, ausgehändigt bekamen, schaffen.

Wirthgen hat nicht nur die vier Escape Rooms, die City Challenge und die Kinder-Rätseltour auf dem Mundenhofselbst konzipiert und umgesetzt, sondern inzwischen auch einen Bestseller herausgebracht: ein Escape Spiel im Format eines Adventskalenderbuchs. Das Ding ist so erfolgreich, das es seit geraumer Zeit auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste im Bereich Hobby & Kreativität steht und ausverkauft ist. Das Online Escape Game "Dschungelfieber" ist nun Wirthgens neuster Coup – und passt perfekt in die Corona-Zeit. Das abwechslungsreich gestaltete Spiel kann Freunde und Verwandte auf dieser virtuellen Reise auch über größte Entfernungen hinweg zu Verbündeten machen – ein willkommener Moment der Nähe in Zeiten des Abstand haltens.

So studieren wir also weiterhin intensiv eine Landkarte, blättern durch ein biologisches Nachschlagewerk, bis wir die entscheidenden Hinweise finden, bis das Telefon klingelt – und der Patient gerettet ist. Wenn es im wahren Leben doch auch nur so einfach wäre.
Dschungelfieber, für 1-6 Spieler ab 8 Jahren, 15 Euro;
Wer selbst ein Escape Game gestalten will, kann sich Ideen, Tipps und Tricks beim Online-Workshop holen: Montag, 14. Dez. 2020, 18.30 Uhr, 19 Euro; alle Infos unter http://www.frexit.de