Bezirksliga Schwarzwald

SV Hölzlebruck hat Pfaffenweilers Sturmlauf nichts entgegenzusetzen

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 09. September 2019 um 16:52 Uhr

Bezirksliga Schwarzwald

Hölzlebrucks Fußballer gehen weite Wege und werden von Pfaffenweiler doch überrannt. Grafenhausener Systemumstellung wird mit erstem Sieg belohnt

Der erste Punkt ist auf dem Konto, doch das ist aus Sicht von Bonndorfs Trainer Björn Schlageter kein Grund, zu feiern. Auf dem bundesligawürdigen und schon vom 1. FC Köln getesteten Rasenplatz des Bezirksliga-Aufsteigers SV Aasen führte der TuS mit 2:0 und musste sich am Ende doch mit einem 2:2 begnügen. "Ohne arrogant zu wirken, wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft", sagt der TuS-Coach. Im ersten Durchgang habe sein Team konzentriert gespielt, "da sind uns richtig gute Ballstaffetten gelungen". Im Vergleich mit harmlosen Aasenern, die vor der Pause nur eine zählbare Chance hatten, wirkte die TuS-Elf reifer und gefestigter.

Doch dann schwächten sich die Bonndorfer, die in Durchgang eins für drei Tore gut gewesen wären, selbst. Christian Feger sah fünf Minuten nach Gelb die Ampelkarte. "So darf man nicht in einen Zweikampf", kritisiert Schlageter, dennoch diktierten die Bonndorfer auch in Unterzahl das Spiel und erzielten durch Wassmer das 2:0. Doch mit der souveränen Führung im Rücken ging, wie schon im mit 2:4 gegen Pfaffenweiler verlorenen Heimspiel, plötzlich nichts mehr beim TuS. "In der letzten Viertelstunde waren wir nicht auf uns fokussiert", so Schlageter, seine Spieler hätten sich von den SVA-Fans und diskussionswürdigen Schiedsrichterentscheidungen aus dem Takt bringen lassen. "Da muss man einfach cool bleiben", fordert der TuS-Übungsleiter, "aber das schaffen wir leider noch nicht". So machten die Aasener aus dem 0:2 binnen fünf Minuten ein 2:2, ehe die Bonndorfer aus ihrem merkwürdigen Leistungstief auftauchten und kurz vor Schluss fast noch den Siegtreffer erzielt hätten. "Die Moral stimmt", freut sich Schlageter, "aber Fortuna ist im Moment nicht auf unserer Seite".

Sein Team sei aktuell zu leicht auszurechnen, hatte Nils Boll, Trainer des Bezirksliga-Aufsteigers SV Grafenhausen jüngst im BZ-Interview moniert. Eine Kritik, die sich auch gegen ihn selbst richtete und so reagierte der Realschullehrer vor dem Sauwetter-Heimspiel am Sonntag gegen den Vorjahresaufsteiger FC Bräunlingen. "Wir haben ein anderes System gespielt", so Boll, er habe bewusst auf eine stabile Defensive gebaut "und dann haben wir auf Konter gesetzt". Ein Konzept, das aufging. Mit 3:2-Toren gelang der erste Saisonsieg. Während der lange verletzte Daniel Eichhorn mit Übersicht und robustem Einsteigen die SVG-Hintermannschaft organisierte, hatten die Konter Erfolg. Aselmann (39.) und Gatti (58.) sorgten für die 2:0-Führung.

"Danach hatten wir noch zwei, drei Hundertprozentige", erinnert sich Boll, doch statt mit dem dritten Treffer alles klar zu machen, fing sich der SVG das 1:2 ein. "Und plötzlich begann das Zittern", die Souveränität war wie weggeblasen. In die Zweifel hinein gelang Florian Haselbacher das 3:1. Und wieder begann das Nervenflattern, als der FCB in der ersten Minute der Nachspielzeit das 2:3 markierte und eine Zeigerumdrehung später bei einem Eckball sogar das 3:3 auf dem Fuß hatte. "Am Ende hatten wir Dusel", weiß Trainer Nils Boll nach dem ersten Saisonsieg, "wir haben noch etliche Baustellen."

Was lief da schief beim SV Hölzlebruck, der zum Saisonauftakt den TuS Bonndorf mit 2:0 geschlagen und danach den FC Königsfeld dominiert hatte? "Die Anderen waren ganz einfach besser", gibt HSV-Trainer Tobias Urban nach der 0:3-Niederlage in Pfaffenweiler unumwunden zu. Die Elf des neuen Tabellenführers habe seine Mannschaft phasenweise überrannt, "die FCP-Spieler waren vorne unglaublich schnell und präzise und haben uns richtig abgekocht". An der Einstellung habe es nichts zu mäkeln gegeben, die Digital-App "Trackfix", die auch die Laufwege der Bundesliga-Profis aufzeichnet, zeigte nach den 90 Minuten solide HSV-Werte, "meine Jungs sind sogar weitere Wege gegangen als in Königsfeld". Genützt hat es nichts. Denn lange Wege sind, wenn es um schnelle Tore geht, Pfade, die ins Nirgendwo führen.

Urban versuchte mit Umstellungen zur Halbzeit für mehr Zielstrebigkeit zu sorgen, aber mit der FCP-Offensive kam sein Team dennoch nicht klar: "Wir waren einfach überfordert."