Regionalliga

Für den Bahlinger SC geht es in dieser Saison ums Überleben

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 21. Februar 2021 um 12:22 Uhr

F-Regionalliga

Für die Kicker vom Kaiserstuhl stellt die durch die Auf- und Abstiegsregelungen stark angeschwollene Regionalliga eine große Herausforderung dar. Der BSC aber schlägt sich überraschend stark. Warum?

Seit sieben Monaten läuft die Saison der Fußballer des Bahlinger SC bereits. Trotzdem ist erst die Hälfte der Spiele absolviert.Eigentlich liefert der bisherige Saisonverlauf des Fußball-Regionalligisten genug Stoff für eine Negativgeschichte der besonderen Art. Keine zwei Wochen nach Saisonbeginn wurden im September mehrere Fußballer des Teams positiv auf das Corona-Virus getestet.

Zu dem Zeitpunkt lagen die spätsommerlichen Infektionszahlen noch deutlich niedriger als aktuell. Die Meldung war ein Schock: Quarantäne, fünf Wochen Unterbrechung und dann zurück aufs Feld. Im Hinterkopf die Ungewissheit, wie sich das Team nach der Zwangspause schlagen würde. "Von der mentalen Belastung her ist diese Saison einfach unglaublich schwierig", sagt Axel Siefert am späten Mittwochvormittag. Der Trainer der Kaiserstühler erlebt mit seinem Team eine Spielzeit voller Herausforderungen.

Kurz nach dem Re-Start kam der Lockdown

Denn kaum einen Monat nach dem Re-Start wurden die Bahlinger aufgrund der November-Beschränkungen wieder in die Untätigkeit versetzt. Erneut konnte sich das Team um Kapitän Tobias Klein nur im Homeoffice fithalten. Joggen gegen das Corona-Bäuchlein, Jonglieren, um den Kontakt zum geliebten Spielgerät nicht einrosten zu lassen.

Als die Liga dann im Dezember wieder den Spielbetrieb aufnahm, gehörten die Kaiserstühler zu den sechs Teams, die angesichts der steigenden Infektionszahlen gegen den Re-Start klagten. Die Klage wurde abgewiesen, und seitdem rollt der Ball in Bahlingen wieder.

Durch die vielen Spielausfälle fiel die Winterpause ins Wasser. "Wir haben eigentlich seit September durchtrainiert, aber in dieser Zeit nur wenig gespielt.

Und trotzdem mussten wir immer auf Abruf sein", erklärt Siefert. Aufgrund der Staffelstärke von 22 Teams stehen die Kaiserstühler vor einer Marathon-Saison. Noch immer sind über 20 Spiele zu absolvieren.

All das spräche eigentlich für eine Saison zum Vergessen. Doch sieben Monate nach Saisonstart und 23 Spielen kann Siefert sagen: "Fußballerisch sind wir mit unserer Entwicklung sehr zufrieden." Allen Herausforderungen zum Trotz steht Bahlingen ordentlich im Tabellenmittelfeld. Der neunte Platz und 33 Punkte aus 23 Spielen zeugen von einem erfolgreichen Saisonverlauf.

Der BSC gehört zu den Schießbuden der Liga

Und auch die größte Schwachstelle der ersten Saisonhälfte schien zuletzt eliminiert. Mit 45 Gegentoren gehört der BSC zu den Schießbuden der Liga. Nur Aufsteiger und Tabellenschlusslicht TSV Eintracht Stadtallendorf (49) sowie Aufsteiger und Tabellenzwanzigster TSV Schott Mainz (52) haben mehr Gegentreffer gefangen. "Daran haben wir ganz intensiv gearbeitet", sagt der Cheftrainer: "Es ging vor allem darum, dass wir gemeinsam als ganzes Team verteidigen." Will heißen, wenn ein Stürmer den Gegner anläuft, muss das Mittelfeld nachziehen und als letztes Glied der Kette dann die Verteidigung nachrücken. "Das hat viel mit Timing und Kommunikation zu tun und das gelingt uns nun besser", findet er.

Und in der Tat haben die Bahlinger seit der zweiwöchigen Winterpause fünfmal die Null gehalten. Nur gegen den Tabellenfünften Kickers Offenbach setzte es vor zwei Wochen eine 1:6-Klatsche. Die Wiedergutmachung aber folgte mit einem 4:0-Erfolg über die Bundesliga-Reserve der TSG Hoffenheim vergangenes Wochenende auf den Fuß.

Offensiv indes sorgt ein Quartett für die nötige Durchschlagskraft. Santiago Fischer hat schon 13 Tore geschossen, Amir Falahen (5 Tore), Shqipon Bektasi (5) und Hasan Pepic (5) treffen ebenfalls häufig. Und besonders zufrieden sind sie mit ihrem Winter-Neuzugang Lucas Torres, der 2021 fast jedes Spiel gemacht hat.

Trotzdem klingt Trainer Siefert nur verhalten optimistisch: "Bei allem fußballerischen Erfolg geht es für den Verein als Ganzes diese Saison ums Überleben." Fehlende Zuschauereinnahmen, sinkende Sponsorenzusagen und die Unwägbarkeit der unmittelbaren Pandemie-Zukunft erschweren am Kaiserstuhl die Zukunftsplanung.

"Normalerweise", so Siefert, "steht zu diesem Zeitpunkt das Gerüst fürs kommende Jahr bereits. Doch aktuell befinden wir uns erst am Anfang der Gespräche." Auch ob es mit dem Trainerduo aus Siefert und Kollege Dennis Bührer weitergeht, steht noch nicht fest. Genau wie beim Kader aber stehen die Zeichen auf Kontinuität. Angesichts des aktuellen Erfolgs ist das kaum verwunderlich. In Bahlingen lassen sie sich von den Herausforderungen der Corona-Saison nicht aus der Bahn werfen.