Gesunde Rivalität statt bitterer Konkurrenz

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Fr, 24. Januar 2020

Faustball

In der Halle haben die Griesheimer Faustballer dem FBC Offenburg den Rang abgelaufen / Jetzt feiert der Aufsteiger den Klassenerhalt in Liga zwei.

OFFENBURG. Auf leisen Sohlen hat sich im regionalen Faustball eine kleine Wachablösung vollzogen – zumindest in der Halle. Der FBC Offenburg spielt dort nicht mehr die Hauptrolle, sondern ein anderer Offenburger Verein, der bislang klar in dessen Schatten stand: die FG Griesheim, die sich als Aufsteiger gerade den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga West gesichert hat. Derweil feiert auch der FBC in der Hallenrunde Erfolge, allerdings weiter unten in der Ligen-Hierarchie.

Frenetischer Jubel brandete am Samstag in der Offenburger Geschwister-Scholl-Halle auf: Den Griesheimern gelangen, nach durchaus wechselhaften Leistungen, Siege über den TSV Karlsdorf und die TSG Tiefenthal, womit sie vier Spiele vor Schluss auch rein rechnerisch in ihrem Premierenjahr nicht mehr aus der 2. Bundesliga absteigen können. Abwehrspieler Marco Dobler stellte fest: "Das ist ein großer Erfolg für uns. Damit, dass wir uns so gut schlagen, war nicht zu rechnen."

"Wir haben mit Abstand die meisten Zuschauer der Liga."

Abwehrspieler Marco Dobler
Beide Erfolgserlebnisse erforderten jedoch viel Schweiß, Nerven und Durchhaltevermögen, gelangen sie doch erst jeweils im Entscheidungssatz, beim Stand von 2:2. In der ersten Begegnung gegen die Karlsdorfer sorgten am Ende sichere Abwehraktionen von Marco Dobler und Frank Bross, genaues Aufbauspiel von Timo Ehret und druckvolle Angriffe von Manuel Itt und Michael Haas, ein ehemaliger Spieler des FBC, für den souveränen 11:3-Satzerfolg und somit den ersten Griesheimer Sieg des Tages.

Auch in der Auseinandersetzung mit den Faustballern aus Tiefenthal musste der fünfte Satz die Entscheidung bringen. Nachdem an diesem Spieltag die TSG Tiefenthal mit 3:0 gegen den TSV Karlsdorf gewann, stehen die Griesheimer nun gar auf dem zweiten Tabellenplatz, was selbst die kühnsten Optimisten nicht erwartet hatten.

Denn eigentlich hatten die Faustballer aus dem Offenburger Ortsteil, die sich schon in der vergangenen Feldsaison als Aufsteiger den Klassenerhalt in der zweiten Liga gesichert hatten, auf eine besonders schwere Runde unter dem Hallendach eingerichtet. Was auch an den Bedingungen liegt, wie Dobler erklärt: "Unsere Trainingshalle in Griesheim bietet keine optimalen Bedingungen, weil sie nicht das Normmaß nicht erreicht." Auch ein dünner Kader sorgte dafür, dass die Erwartungen vor der Hallenrunde nicht allzu hoch waren. "Der Klassenerhalt ist deswegen umso höher zu bewerten", findet Dobler.

Einen großen Bonus brachten die Griesheimer dennoch ins Spiel. "Wir haben mit Abstand die meisten Zuschauer in der Liga. Schätzungsweise 70 bis 90", so der Abwehrspieler. "Für Faustball ist das schon einiges. Auswärts spielen wir oft vor fünf bis zehn Zuschauern. Die Mannschaften, die zu uns kommen, genießen das schon und sind beeindruckt."
Nun darf die FGG vollkommen entspannt die zwei Auswärtsfahrten nach Oppau und Wünschmichelbach antreten.

Am nächsten Samstag treffen sie auf den designierten Meister TV Oppau und den sich mitten im Abstiegskampf befindenden TV Rendel. Die Griesheimer wollen versuchen, noch das eine oder andere Team zu ärgern und wenn den zweiten Tabellenplatz bis zum Saisonende zu halten.

Aber auch Platz vier oder fünf würden noch als Erfolg verbucht. Dass sein Team den FBC in der Halle überholt hat, betrachtet Dobler nur als Momentaufnahme. "Da herrscht kein bitterer Konkurrenzkampf, sondern eine gesunde Rivalität." Diese Haltung wird auch dadurch geprägt, dass Dobler und Kollegen mit dem Bewusstsein leben, eine Randsport zu betreiben. Man gönnt sich die Erfolge gegenseitig durchaus, helfen sie doch dem Ballspiel insgesamt.

Der ehemalige Bundesligist FBC Offenburg, im Jahr 2014 aus dem Zusammenschluss von Faustballverein Feuerwehr Offenburg und der Offenburger Faustballgemeinschaft hervorgegangen, hat im September 2019 bekanntgegeben, dass er seine erste Mannschaft zur Hallenrunde aus dem Bundesliga-Spielbetrieb zurückziehe. Als Grund für diesen drastischen Schritt war der Fehlen von Akteuren mit Bundesliga-Niveau genannt worden. Doch in der Freiluftsaison hat der FBC weiterhin die Nase in der Region vorne. Er wird in der 1. Bundesliga antreten, die Griesheimer eine Etage tiefer.

Der FBC holte jetzt mit seinem zweiten Team am finalen Ligaspieltag beim TV Dinglingen die Hallen-Meisterschaft in der Verbandsliga. Der FBC Offenburg I verteidigte dort den dritten Platz in der Endabrechnung.