FRAGEN SIE NUR!: 15 Minuten für die Trödler

Thomas Goebel

Von Thomas Goebel

Sa, 23. Mai 2020

Fragen Sie nur

Warum gibt es ein

"akademisches Viertel"?

Selbst viele der aktuellen Online-Seminare an deutschen Hochschulen

beginnen altehrwürdig "c.t." (cum tempore – mit Zeit), also nicht zur vollen Stunde, sondern erst viertel nach. Die Tradition des "akademische Viertels" stammt aus den Tiefen der Universitätsgeschichte. Er kenne zwei plausible Deutungen, sagt Dieter Speck, Leiter des Archivs der Uni Freiburg: Im späten 18. und 19. Jahrhundert expandierten die Unis, es gab mehr Fächer und Studenten, Institutsviertel ergänzten das alte Universitätsgebäude. "Die Studierenden mussten zu verschiedenen Veranstaltungsorten – das akademische Viertel war quasi die Wegzeit", sagt Speck. Die zweite Deutung führt noch weiter zurück: Die frühneuzeitliche Universität habe "wie ein Klosterbetrieb" funktioniert. Weil Bücher teuer waren, bekamen die wenigen und sehr jungen Studenten die wichtigen Schriften vorgelesen und erläutert. "Zu Beginn der Sitzung wurde wiederholt – der neue Stoff begann erst Viertel nach", sagt Speck. Wer also das "akademische Viertel" als Ausrede fürs Zuspätkommen nutzt, sollte wenigstens beim vorigen Mal gut aufgepasst haben.

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