Elsass

Französische Justiz beschäftigt sich weiter mit Deponie Stocamine

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Mi, 11. Mai 2022 um 14:16 Uhr

Elsass

In der Untertagedeponie Stocamine im Elsass beginnen die Arbeiten für eine erste Betonbarriere. Ermittler prüfen derweil, ob seinerzeit Abfälle angenommen worden sind, für die es keine Genehmigung gab.

In der ehemaligen Untertagedeponie Stocamine bei Mulhouse beginnen die Vorbereitungen für eine erste unterirdische Betonbarriere. Zunächst sollen zwei solche Absperrungen in mehr als 500 Metern Tiefe errichtet werden. Bis Mitte 2023 sind acht Sperren geplant. Das weitere Eindringen von Grundwasser in das ehemalige Kalibergwerk soll damit verhindert werden. "Wir haben diesen Vorgang seit Wochen vorbereitet; etwas Vergleichbares wurde bislang nirgendwo sonst gemacht", erklärt Céline Schumpp, Leiterin der Staatlichen elsässischen Kalibergwerke (MDPA). Sie ist für die Abwicklung der früheren Deponie verantwortlich.

Vorgenommene Veränderungen müssen rückgebaut werden können

Was wie der erste Schritt hin zu einer Endlagerung des Mülls aussieht, darf so nicht genannt werden. Denn der Präfekt des Haut-Rhin hat verfügt, die jetzt vorgenommenen Veränderungen müssten jederzeit rückgebaut werden können. Zuvor hatte ein französisches Gericht die Genehmigung dafür gekippt, dass der Müll unter Tage versiegelt wird. Die MDPA bereiten nun parallel zu den beginnenden Arbeiten ein neues Antragsverfahren vor, um die Versiegelung doch noch zu erreichen. Rückendeckung kommt aus dem Umweltministerium in Paris – der Staat ist Mehrheitseigner der stillgelegten Untertagedeponie. Ministerin Barbara Pompili hat per Dekret geregelt, dass Paris für Risiken bürgt. Dort scheint man demnach die Einschließung der unter der Erde lagernden 42.000 Tonnen Abfälle um jeden Preis durchsetzen zu wollen.

"Wir hatten gehofft, dass sich die Ermittler mit eigenen Augen ein Bild von der Lage machen können, bevor die Arbeiten beginnen." Yann Flory
Dabei geht die französische Justiz inzwischen dem Verdacht nach, in Stocamine könnten seinerzeit Abfälle angenommen worden sein, für die es keine Genehmigung gab. "Wir hatten gehofft, dass sich die Ermittler mit eigenen Augen ein Bild von der Lage machen können, bevor die Arbeiten beginnen", sagt Yann Flory, Sprecher der Bürgerinitiative Destocamine, die sich seit Jahren für die Rückholung des Giftmülls einsetzt. Ihre Befürchtung: Chemische Substanzen könnten – wenn nicht sofort, so doch künftig – das Grundwasser vergiften.

Ende der 1990er-Jahre wurde Stocamine als erste und einzige Untertagedeponie für Abfälle wie Asche aus Müllverbrennungsanlagen oder asbesthaltigen Schutt in Frankreich eröffnet und nach einem Brand im September 2002 nach nur drei Jahren Betrieb geschlossen. Bereits in der Planungsphase hatten etwa Bergleute gewarnt, das Kalibergwerk sei nicht geeignet, um Giftmüll auf Dauer trocken und damit sicher zu lagern.