Umschlagplatz Dietenbach

Jens Kitzler

Von Jens Kitzler

So, 05. Mai 2019

Dietenbach

Der Sonntag Ein Zwischenlager soll Erde für den Stadtteil bunkern, die Baubranche ist interessiert.

Beim Bürgerentscheid zum neuen Freiburger Stadtteil Dietenbach war die geplante Aufschüttung des Areals ein Politikum. Jetzt gibt es erste Details zu einem mächtigen Zwischenlager für 300 000 Kubikmeter Erdaushub – Südbadens Bauwirtschaft und der Umwelt soll das einigen LKW-Verkehr ersparen.

Für den Bau des Stadtteils Dietenbach muss ein Teil des Gebiets wegen des anstehenden Grundwassers um bis zu drei Meter aufgeschüttet werden, und das geriet während des Bürgerentscheids zum Politikum. Die dafür notwendigen riesigen Mengen an Erdaushub würden die Ökobilanz des Projekts tief ins Minus schleudern, argumentierten die Kritiker – und zeichneten immer wieder das Horrorszenario Tausender LKW, die aus allen Himmelsrichtungen die Stadt und gar die Tuniberggemeinden durchqueren würden.

Die Stadt hielt dagegen: Im Idealfall würde nicht mehr Erde transportiert als ohnehin schon auf der Straße sei – denn das Material könne aus südbadischen Baustellen angefahren werden, von wo die Baufirmen den Aushub derzeit wegen knapper Deponieplätze teilweise in viel weiter entfernt liegende Gefilde transportieren müssten. Das verbessere die Co2-Bilanz gar, anstatt sie zu verschlechtern.

Also beginnt die Stadt jetzt mit der Planung für ein großes Erdaushub-Zwischenlager, das zwischen Autobahnzubringer und dem namensgebenden Dietenbach liegen soll. Wie das Rathaus gegenüber dem Sonntag erklärt, befindet sich die künftige Abladestelle auf dem Gelände des wohl ganz zuletzt zu realisierenden Bauabschnitts. "Nach derzeitigem Stand gehen wir davon aus, dass das Lager bis maximal zum Jahr 2040 bestehen kann", heißt es bei der Stadt.

Nach aktuellen Planungen dehnt sich das Zwischenlager über eine Fläche von zwölf Hektar aus und hat ein maximales Fassungsvermögen von 300 000 Kubikmetern. Die Zufahrt soll von der B 31a, also dem Autobahnzubringer aus, über eine Behelfszufahrt erfolgen, die auch Zufahrt für die gesamte Baustelle sein wird.

Mit potenziellen Zulieferern befinde man sich bereits im Gespräch, heißt es im Rathaus. "Wir haben unterschiedliche Anfragen", sagt Stefanie Werntgen vom Amt für Projektentwicklung und Stadterneuerung. "Nicht nur die Bauwirtschaft, sondern auch Tuelbauprojekte, Straßenbauprojekte und die Rheintalbahn wollen, dass wir Erdmassen abnehmen." Detaillierter könnte man das erst darstellen, wenn klar sei, welche Mengen in welcher Qualität für Dietenbach benötigt würden, im Herbst wisse man dazu näheres. Genau wie zu der Frage, mit wie viel Einnahmen aus ihrem Zwischenlager die Stadt kalkuliere – schließlich zahlen die Baufirmen für die Endlagerung ihres Schutts ja Gebühren.

Tatsächlich klagt die südbadische Bauwirtschaft schon länger über mangelnde Deponieflächen und lange Fahrwege. Denn die Baukonjunktur brummt, während gleichzeitig immer mehr Deponieflächen, wie beispielsweise der Kahlenberg im Kreis Emmendingen, voll sind oder zumindest ihrem Ende entgegensehen. Gleichzeitig kostet die Neuausweisung von Deponien viel Mühe – eine Erddeponie in der Nähe seiner Gemeinde will niemand haben, strenge Umweltschutzauflagen tun ein Übriges. Baufirmen aus Südbaden fahren ihren Aushub bis in die Ortenau und teilweise auch in andere Bundesländer. "In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Transportwege in Baden-Württemberg fast verdoppelt, mit entsprechender Belastung für Straßen und Umwelt", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes Bauwirtschaft Baden-Württemberg.