Gelassenheit mit und ohne Maske

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 11. November 2020

Skilanglauf

Der Lenzkircher Weltcup-Langläufer Janosch Brugger von der WSG Schluchsee bereitet sich bei Traumschnee in Davos auf den Winter und die WM in Oberstdorf vor.

Dachstein, kurz daheim, Davos, kurz daheim, Finnland: Die Saisonvorbereitung im Herbst ist für die deutschen Skilangläufer wie für andere Profi-Wintersportler zwangsläufig mit Reisen verbunden. Über Wochen hinweg ist das anstrengend, die Corona-Pandemie bringt zusätzliche Erschwernisse mit sich. Über die aktuelle Situation sprach die BZ mit Janosch Brugger von der WSG Schluchsee. Wichtigste Erkenntnis: Der 23-jährige Lenzkircher hat sich trotz der "Kacksituation" seine Gelassenheit bewahrt.

. Janosch Brugger war guter Dinge beim Telefonat mit der BZ in Davos (Schweiz). "Anfangs hatten wir top Naturschnee", berichtete er begeistert aus dem Trainingslager der besten deutschen Langläufer und -läuferinnen in Graubünden. Nach einem Wärmeeinbruch war der Schnee tief, doch morgens um acht fanden sie noch ordentliche Bedingungen vor. Die Regeln waren streng, auch in der Schweiz stiegen die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen wieder rapide an. "An der Strecke müssen wir uns über eine Handy-App ein- und ausloggen", erzählte Brugger. Die Maskenpflicht ende erst, wenn die Ski angeschnallt sind. Die Polizei komme täglich vorbei, um zu kontrollieren, ob die Leistungssportler die Vorschriften befolgen.

Auf diese und weitere Verhaltensregeln wurden sie vom Trainerteam in "gefühlt 100 Sitzungen" hingewiesen. Das "ewige Thema" dabei: sich möglichst wenig von der Gruppe entfernen und Kontakte außerhalb der "Blase" meiden. Die Gruppe des Deutschen Skiverbands (DSV) sei diesmal besonders groß gewesen. Bei den Männern waren alle sieben Mitglieder der Lehrgangsgruppe 1a dabei, dazu die Frauen der LG 1a, zu der auch Bruggers Freundin Pia Fink gehört sowie die Männer der U 23, zusammen mit sechs Trainern fast 30 Personen. Untergebracht waren die DSV-Langläufer in Ferienwohnungen. Auf einen Koch wurde verzichtet, die Mahlzeiten bereitete jede Kleingruppe für sich zu. Der Hochschwarzwälder, jüngster Athlet der LG 1a, bildete in Davos eine Wohngemeinschaft mit dem schwäbischen Nordschwarzwälder Andreas Katz (SV Baiersbronn), mit 32 der Oldie der DSV-Langläufer, und dem Bayern Lukas Bögl.

Im Langlauftraining, häufig in der Skihalle in Oberhof, "läuft alles top", sagt der Lenzkircher zufrieden. Man sei im Plan und auch gesundheitlich "passt alles". Auf dem Dachstein habe in der vorangegangenen Trainingswoche so viel Schnee gelegen wie seit Jahren nicht mehr. Weil auch die Steiermark Risikogebiet war, mussten die Langläufer bei ihrer Rückreise einen Corona-Test machen, um eine Quarantäne zu vermeiden. Bei der Rückkehr aus der Schweiz wiederholte sich diese Prozedur. Nach ein paar Tagen in der Heimat fliegen die sieben DSV-Männer Ende der Woche zum Vorbereitungslehrgang im finnischen Muonio. Beim Training in Lappland entscheidet sich dann, wer am letzten November-Wochenende beim Weltcup-Auftakt im finnischen Ruka in welchen Rennen starten wird. Brugger und seine Kollegen hoffen, dass alle bevorstehenden Wettkämpfe planmäßig ausgetragen werden können – schließlich zählen die Weltcups wie üblich als Qualifikation für die Heim-Weltmeisterschaft Ende Februar in Oberstdorf.

Falls es wegen der Pandemie zu Ausfällen kommen sollte, "wird’s sehr eng für die geforderten guten Ergebnisse", so Bruggers Befürchtung. Doch der Lenzkricher geht davon aus, dass die Deutschen als WM-Gastgeber in jedem Fall ihr Starterkontingent ausschöpfen werden. Dass der ersehnte Saisonhöhepunkt im schlimmsten Fall komplett Corona zum Opfer fallen könnte, kann und möchte er sich nicht vorstellen: "Es findet bei der WM auf alle Fälle was statt", ist Janosch Brugger überzeugt, "da hängt so viel dran". Und natürlich hofft der Wahl-Allgäuer, der unweit von Oberstdorf in Fischen wohnt, dass bei der WM Zuschauer dabei sein können. "Wir müssen mal die Kirche im Dorf lassen", wünscht sich der 23-Jährige mit Blick auf die Pandemie.

Bei der nordischen Skiweltmeisterschaft gehe es schließlich um Freiluftsport und an den Strecken ließen sich Korridore für die Zuschauer einrichten. "Es muss einfach möglich sein", sagt er aus heutiger Sicht. Sehr vieles sei noch in der Schwebe, "das ist für uns alle eine Kacksituation". Mit der ihm eigenen Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und reifer Abgeklärtheit wird Janosch Brugger, Corona hin oder her, auch damit klarkommen.