Kreuzfahrt

Griechenland will einige Inselhäfen für Touristen öffnen

Gerd Höhler

Von Gerd Höhler

So, 07. März 2021 um 19:57 Uhr

Panorama

Im Mai will Griechenland einige Inselhäfen für Kreuzfahrttouristen öffnen – wenn sie geimpft sind. Bisher dürfen Kreuzfahrtschiffe in Hellas wegen der Pandemie nicht anlegen.

Das Schiff ist brandneu. Erst Ende Februar verließ die Odyssey of the Seas die Meyer-Werft in Papenburg und wurde über die Ems in die Nordsee überführt. Jetzt liegt der 347 Meter lange Riese in Bremerhaven, wo letzte Arbeiten vorgenommen werden, bevor das Schiff in der Nordsee auf Probefahrt geht. Ab Mai soll die Odyssey, eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt, im östlichen Mittelmeer auf Tour gehen. Nicht nur die Reederei Royal Caribbean International setzt große Erwartungen in ihre neueste, fast eine Milliarde Dollar teure Errungenschaft. Auch in Griechenland ruhen viele Hoffnungen auf dem Schiff, dessen Name an die Irrfahrten des antiken Sagenhelden Odysseus erinnert.

Ausgangshafen der Kreuzfahrten ist Haifa. Royal Caribbean wählte den israelischen Hafen, weil Israel bei den Covid-Impfungen Weltmeister ist. Von den über 85-Jährigen sind bereits 85 Prozent zum zweiten Mal geimpft. Mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung hat mindestens eine Impfung absolviert. Wer geimpft oder nach einer überstandenen Infektion immun ist, bekommt einen elektronischen "Grünen Pass" auf sein Handy. Dieses Zertifikat öffnet die Tür zu Theatern, Fitnesszentren, Schwimmbädern – und die Gangway der Odyssey. Auch für die rund 1500 Besatzungsmitglieder des Schiffes gilt eine Corona-Impfpflicht.

Die drei- und siebentägigen Kreuzfahrten, die ab 9. März buchbar sein sollen, führen von Haifa zu griechischen Zielen wie Rhodos, Santorin, Mykonos und nach Piräus bei Athen. Auch Limassol auf Zypern steht auf dem Programm. Damit nutzt Royal Caribbean als erste Kreuzfahrt-Reederei den Reise-Korridor zwischen Israel und Griechenland, auf den sich der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis Anfang Februar bei einem Besuch in Jerusalem mit seinem israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu verständigte. Er sieht die beiderseitige Anerkennung von Impfzertifikaten vor. Mit diesen Impfpässen werden Reisen zwischen beiden Ländern erleichtert. Geimpfte Besucher sind von der Test- und Quarantänepflicht befreit. Auch Zypern macht mit: Die Inselrepublik will ab 1. April geimpfte Besucher aus Israel ohne Tests und Quarantäne einreisen lassen.

In Limassol, auf den griechischen Ägäisinseln und in Piräus wird der Kreuzfahrtriese, der fast 4200 Passagiere beherbergen kann, sehnlichst erwartet. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Kreuzfahrtgäste in Griechenland um 94 Prozent von 5,5 Millionen auf 267 000 zurück. Die Erwartungen für dieses Jahr sind bescheiden. In Branchenkreisen hofft man auf 1,5 Millionen Kreuzfahrtpassagiere. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn die Fahrten bald wieder anlaufen. Neben Royal Caribbean planen auch andere große Reedereien wie TUI Cruises, Costa, Norwegian Cruise Line und MSC ab dem Frühsommer wieder Fahrten zu den griechischen Inseln.

Aber alle angekündigten Fahrpläne stehen unter Vorbehalt. Noch ist in Griechenland an eine Öffnung des Tourismus nicht zu denken. Trotz des Lockdowns steigen die Infektionszahlen derzeit wieder stark an. Am Dienstag erreichten die gemeldeten Neuinfektionen den höchsten Wert seit Beginn der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die noch Ende Januar bei 30 lag, beträgt aktuell 125. Wegen der steigenden Zahlen hat die Bundesregierung ab Sonntag erstmals ganz Griechenland als Corona-Risikogebiet eingestuft. Rhodos und Athen, zwei Ziele der Odyssey, sind derzeit noch im harten Lockdown. Ob das Schiff dort im Mai anlegen kann, ist ungewiss.

Der Tourismus ist die wichtigste Säule der griechischen Wirtschaft. Die Regierung macht deshalb auch Tempo beim Impfen. Bisher sind 650 000 der 10,7 Millionen Einwohner mindestens einmal geimpft. Dazu kommen 350 000 Zweitimpfungen. Bis Ende Mai sollen alle über 60-Jährigen geimpft sein. Pro Tag werden derzeit etwa 33 000 Impfungen vorgenommen. Es könnten wesentlich mehr sein, wenn es bei den Vakzinen genug Nachschub gäbe.