Farbtechnologie

Grohe investiert fünf Millionen und schafft 27 neue Arbeitsplätze in Lahr

Mark Alexander

Von Mark Alexander

Di, 15. Oktober 2019 um 20:28 Uhr

Wirtschaft (regional)

Gute Nachrichten für das Lahrer Grohe-Werk: Der Armaturenhersteller investiert in eine neue Farbtechnologie und schafft weitere Arbeitsplätze. 15 Millionen waren zuletzt bereits nach Lahr geflossen.

Vier Greifarme bewegen sich hin und her. Ein Teil nach dem anderen wird erfasst. Alles geschieht maschinell. Es sind die Greifarme eines sogenannten kollaborativen Roboters. Einer Maschine, die den menschlichen Mitarbeiter im Produktionsprozess unterstützt. Auf dem Roboter sind zwei Fähnchen montiert: die deutsche und die japanische. Sie stehen symbolisch für den Prozess, der bei Grohe 2013 begonnen hat. Seitdem gehört der Armaturenhersteller zum japanischen Lixil-Konzern. Seitdem sind die Zeiten von Heuschreckendebatten und Jobabbau beendet und es geht stetig bergauf.

"Wir verchromen 82 Fußballfelder im Jahr"

Als der Lahrer Werksleiter Hans-Martin Souchon und Thomas Fuhr, seit Juli neuer Grohe-Chef, durch den Betrieb führen, wird die Veränderung sichtbar. "Diese Halle war vor drei Jahren noch komplett leer", sagt Souchon, als der Blick auf die neue Galvanikanlage fällt. "Jetzt stehen hier sechs Maschinen, eine kommt noch hinzu." 40 neue Arbeitsplätze sind entstanden, mit 750 Mitarbeitern ist Lahr jetzt das größte Grohe-Werk in Deutschland. Die Produktion wurde durch die neue Anlage merklich angekurbelt: "Statt 56 Fußballfeldern können wir jetzt 82 im Jahr verchromen", zieht er einen bildlichen Vergleich.

Im Bad ist Farbe gefragt

Dieser Trend wird fortgesetzt. Denn im Bad ist Farbe gefragt. Fuhr sieht farbige Handbrausen und Duschsysteme für individuelle Designs im Badezimmer als einen "weltweiten Verbrauchertrend und ein Wachstumssegment." Deswegen wird das Lahrer Werk zum Jahresende mit PVD-Technologie ausgestattet, einem speziellen Behandlungsverfahren, das ursprünglich aus der Raumfahrttechnik stammt. Fünf weitere Millionen Euro fließen in den Standort, 27 neue Arbeitsplätze entstehen in den nächsten Monaten. "Mit der Investition erhöhen wir die Fertigungstiefe am Standort und sind in der Lage, Handbrausen und Duschsysteme in den Grohe-Farben schneller in den Markt zu bringen", sagt Fuhr.

Der Grohe-Chef spricht von einer "guten Message für das Werk und die Stadt". Der Lahrer Standort ist das globale Kompetenzzentrum für Handbrausen und Duschsysteme des Sanitärherstellers aus Düsseldorf, es gibt 1300 Produktvarianten. Mehr als 20 000 Brausen entstehen hier täglich, werden in alle Welt geliefert. 15 Millionen Euro sind in den vergangenen drei Jahren nach Lahr geflossen, die Zahl der Mitarbeiter um 20 Prozent gestiegen. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der automatisierten Prozesse. "Bei hundert habe ich aufgehört zu zählen", sagt Souchon beim Rundgang.

Grohe will klimaneutral produzieren

Wenn Fuhr und Souchon über die Produktion sprechen, dann sprechen sie auch über Nachhaltigkeit. Fuhr spricht von mehr als 60 Projekten in fünf Jahren für mehr Energieeffizienz im Lahrer Werk. Er blickt dabei auf das Blockheizkraftwerk, die LED-Beleuchtung oder die Belüftung. Diesen Weg will Grohe weitergehen: Bis 2020 soll an fünf Standorten weltweit klimaneutral produziert werden. Alle Werke werden über Ökostrom versorgt, unvermeidbare Emissionen sollen durch Projekte an anderer Stelle ausgeglichen werden. "Wir arbeiten auch an einem Konzept, um plastikfrei zu werden", sagt Souchon mit Blick auf ein verpacktes Duschsystem.

"Wenn Sie im März wiederkommen, dann ist eine weitere Halle gefüllt", blickt Fuhr in die Zukunft. Mit Lixil könne Grohe langfristig planen, den Umsatz weiter erhöhen. Ein gutes Signal für den Standort Lahr, wo zu besten Zeiten mehr als 1000 Menschen arbeiteten. "An Fläche mangelt es uns in Lahr nicht", sagt Souchon. "Hier ist weiteres Wachsen möglich."