Gutes Ende einer Achterbahn-Saison

Annemarie Zwick

Von Annemarie Zwick

Mi, 31. März 2021

Skilanglauf

Weltklasse-Skilangläufer Janosch Brugger aus Lenzkirch zeigt bei der Schweizer Meisterschaft, dass er auch über die 50-Kilometer-Strecke bestehen kann.

. "Ultragroß" war die Motivation nach der anstrengenden Saison mit der Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf und dem Weltcup-Finale im Engadin nicht mehr, verrät Janosch Brugger (WSG Schluchsee). Andererseits reizte es den 23-jährigen Lenzkircher und seine deutschen Langlaufkollegen, sich ohne großen Druck nochmals untereinander und auch mit den besten Schweizern zu messen. Und so nutzten sie die Gelegenheit, am Wochenende bei der Schweizer Meisterschaft die letzten Rennen dieses Winters zu laufen.

In Sedrun im Kanton Graubünden stand am ersten Tag der Klassik-Sprint an. Im Prolog über 1,5 Kilometer lief Brugger hinter Erwan Käser (3:13,12 Minuten) und Jovian Hediger (3:13,35) die drittschnellste Zeit (3:15,48) der 107 Starter aus der Schweiz, Liechtenstein und Deutschland. "Richtig gut" fand der Hochschwarzwälder seinen Auftakt in der eisigen Loipe. Bis zum Viertelfinale änderten sich die Verhältnisse bei starker Sonneneinstrahlung und steigenden Temperaturen, so dass umgewachst werden musste. Einmal mehr in diesem Winter ging das für Janosch Brugger schief: In den Abfahrten liefen seine Ski so langsam, dass er keine Chance hatte, sich in seinem Lauf fürs Halbfinale zu qualifizieren. So blieb ihm am Ende Rang 16.

Tags darauf das Kontrastprogramm: Massenstart über 50 Kilometer, ebenfalls in seiner bevorzugten klassischen Technik. Weil er den Marathon bei der WM und danach vor zwei Wochen im Engadin "nicht in guter Erinnerung" hatte, überlegte der 23-Jährige lange, ob er sich diese Distanz erneut zumuten wollte. Schließlich habe es ihn doch gepackt und "ich hab’ gedacht alles oder nichts". Eine Entscheidung, zu der er sich später beglückwünschen konnte.

Denn Janosch Brugger hielt in der Spitzengruppe mit, leistete sogar zwischenzeitlich Führungsarbeit. Als der 35-jährige Dario Cologna das Tempo anzog und sich absetzte, habe er das auf der geschlängelten Strecke zunächst nicht mitbekommen, erzählt der Lenzkircher. Bis Kilometer 47 war er im Kampf um Platz zwei voll dabei. Bis an einem der letzten Anstiege einer seiner Stöcke brach, als ein Konkurrent ihn touchierte. Derart gehandicapt verlor er bergab den Anschluss an die Gruppe. Nachdem ihm ein Schweizer Betreuer einen Stock – glücklicherweise in der passenden Länge – gereicht hatte, machte Brugger auf seiner Aufholjagd bis ins Ziel noch zwei, drei Plätze gut. Ohne dieses Missgeschick wäre Rang zwei drin gewesen, sagt er überzeugt, denn sein Ski war diesmal "bombig" und er selbst "nie am Anschlag". So reichte es im 50-köpfigen Feld nach 2:10:44,3 Stunden zum sechsten Platz. Rund eine Minute hinter dem "extremst sympathischen" Sieger Cologna (2:09:43,4) spurteten der Zweit- bis Neuntplatzierte innerhalb von 6,4 Sekunden ins Ziel. Jetzt habe er gezeigt, dass er auch 50 Kilometer auf hohem Niveau laufen kann, sagt Brugger zufrieden. Hinter dem 2,5 Sekunden schnelleren Jonas Dobler (SC Traunstein), der Dritter wurde, war er zweitbester der 18 deutschen Männer.

Am dritten Wettkampftag in Folge schieden der 20-jährige Friedrich Moch (WSV Isny) und der Schwarzwälder im abschließenden Skating-Teamsprint als Neunte ihres Halbfinallaufs aus. Das Tempo sei etwas zu hoch gewesen und er jetzt "ganz schön leer", bekannte Janosch Brugger.

"Bei der WM

funktionierte

ungefähr gar nichts."

Skilangläufer Janosch Brugger
Dennoch wird er mit Freundin Pia Fink (SV Bremelau) die Möglichkeit nutzen, in "Schneelöchern" ihrer Wahlheimat Allgäu wie in Balderschwang und im Rohrmoos noch weiter zu trainieren. Erst danach geht’s mal in "Heimaturlaub" nach Lenzkirch. Die Saisonbilanz des 23-jährigen Profis fällt zweigeteilt aus. Seine WM war geprägt von Enttäuschungen, da "funktionierte ungefähr gar nichts", sagt er ironisch angesichts von Pleiten, Pech und Pannen. Im Weltcup sei es trotz krankheitsbedingter Ausfälle besonders zum Auftakt "einen fetten Step nach vorne gegangen", vor allem bei der Tour de Ski. Das sei "sehr positiv" und stärkt den jungen Spitzenathleten für künftige Herausforderungen. Die Motivation dürfte bald wieder "ultragroß" bei Janosch Brugger sein.