Fridays for Future

Haben diese Schüler eine Ahnung von den Kindern, die auf Müllkippen leben?

Hans-Joachim Bumann

Von Hans-Joachim Bumann (Freiburg)

Mo, 09. Dezember 2019

Leserbriefe Freiburg

Zum Bericht"Wollen noch mehr bewegen" über einen "Fridays for Future"-Aktionstag (BZ vom 30. November).

Es ist ein Bild freundlicher lustiger Jungs, die da auf der FFF-Demo mitmachten. "Ihr habt uns die Zukunft genommen" will da so gar nicht in das Bild passen. Es wäre wünschenswert, wenn die FFF-Demo-Jugendlichen ihre allgemein vorgetragenen Umweltforderungen ergänzen würden und konkrete Lösungsansätze für wirklich benachteiligte und perspektivlose Kinder und Jugendliche diskutierten, anstatt nur die aktuelle Umweltpolitik zu kritisieren. Wissen diese Jugendlichen, dass ihre Kleider unter menschenunwürdigen Bedingungen in Bangladesch hergestellt und mit von Schweröl angetriebenen Tankern mit höchster Stickoxidbelastung über die Meere zu uns in die Klamottenläden gebracht werden? Wissen sie, dass ihre Handys und Smartphones mit Batterien funktionieren, deren Grundstoff Lithium in trockenen Gegenden wie Chile oder Bolivien durch Grundwasserverwendung gewonnen wird und dort den Hochlandbauern die Existenz genommen wird und das Austrocknen der Landschaft zur Folge hat? Haben denn diese Schüler eine Ahnung von den Kindern, die auf Müllkippen leben und verzweifelt nach etwas suchen, das sie verkaufen können? Haben sie eine Ahnung von den abgerichteten Kindersoldaten im Kongo, die ihresgleichen die Hände abhacken, wenn sie sich weigern, ein Gewehr in die Hand zu nehmen? Haben sie eine Ahnung vom Überlebenskampf der Kinder auf den Straßen der Metropolen zum Beispiel in Südamerika, oder haben sie eine Ahnung von den Kindern, die sich zu Tode kiffen mit Giftstoffen, weil sie den Alltag sonst nicht aushalten können? Das sind die Kinder, denen die Zukunft genommen wurde, deren Bilder aber nicht präsent sind. Und wie setzen die deutschen FFF-Demonstranten sich eigentlich mit Gretas Bekenntnis zur Kernenergie als saubere Energie auseinander? Mir scheint da noch viel Unterrichtsstoff in Politik oder Gemeinschaftskunde notwendig, um die Ursachen der Not und des Elends dieser Kinder zu besprechen, die in Armutsgebieten ohne Zukunftsperspektiven leben und es sich nicht leisten können, mit einem Skipper über den Atlantik zu schippern. Dies den Schülern zu vermitteln, die dankbar sein können über ein gutes Schulsystem, das ihnen den Unterricht sicherstellt, ist sicherlich eine lohnenswerte Aufgabe, die den Blick öffnet für Kinder in Not und Elend auf dieser Welt. Haben wir doch gerade aus Kamerun gehört, dass dort Schulen von Banden abgefackelt werden. Auch das ist Realität auf diesem Globus, wo Kindern wirklich die Zukunft genommen wird.

Hans-Joachim Bumann, Freiburg