Gemeinderat

In Steinen werden weitere Häuser für rund 100 Geflüchtete gebaut

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mi, 29. Juli 2020 um 17:50 Uhr

Steinen

Neben die bestehende Unterkunft für Geflüchtete und Obdachlose in der Köchlinstraße kommen Häuser für 100 weitere Bewohner. Dies fand im Gemeinderat eine Mehrheit, fünf Räte stimmten dagegen.

Bei fünf Nein-Stimmen und drei Enthaltungen aus den Reihen der CDU hat der Gemeinderat mit Mehrheit beschlossen, Gebäude für die Anschlussunterbringung von rund 100 Geflüchteten in der Köchlinstraße neben der bestehenden Flüchtlings- und Obdachlosen-Unterkunft zu erstellen.

Man habe drei denkbare Standorte untersucht, berichtete Bürgermeister Gunther Braun. Neben der Köchlinstraße war dies auch ein Areal beim Freibad sowie der Platz im Gewerbegebiet bei der Firma H2O, wo bereits die Gemeinschaftsunterkunft für die Erstaufnahme stand. Bei der Bewertung mehrerer Kriterien sei eine klare Präferenz für die Köchlinstraße herausgekommen.

Menschen müssen möglichst rasch aufgenommen werden

Ein großer Nachteil der beiden anderen Standorte ist, dass dort zuerst ein Bebauungsplan erstellt werden müsste, was bei der Köchlinstraße nicht der Fall ist. Die Gemeinde Steinen ist aber verpflichtet, möglichst rasch 100 Geflüchtete aufzunehmen. Als vorteilhaft für die Integration sieht die Verwaltung auch den zentralen Standort der Köchlinstraße. Im hinteren Bereich soll dort später einmal eine Umgehungsstraße verlaufen. Angrenzend an diese Trasse schlägt Architekt Harald Klemm einen Riegel mit zwei Gebäuden vor, außerdem einen weiteren Bau neben dem kommunalen Gebäude.

Die Häuser sollen, weil es schneller geht, in Modulbauweise aus Holz errichtet werden, dreistöckig und mit Flachdach. 16 Quadratmeter große Zimmer plus Gemeinschaftsräume hat Klemm eingeplant, die Gebäude werden auf einen Innenhof hin ausgerichtet. Die Innenwände wären variabel, es könnten auch größere Einheiten für Familien geschaffen werden. Wie Braun sagte, soll die Wohnanlage auf lange Sicht auch für andere Sozialfälle zur Verfügung stehen.Im Hinblick auf die knapp 50 schon jetzt dort untergebrachten Menschen sagte Marc Sutterer (CDU): "Wir ballen dort auf engstem Raum 150 Menschen, und das in direkter Nachbarschaft zur Kita und zu einer möglichen Ostumfahrung. Wir haben große Mühe mit der Lage und der Dichte." Klemm und Braun entgegneten, dass bei der Verteilung auf zwei Standorte die Kosten viel höher lägen, dass man für die anderen erst einen Bebauungsplan braucht und dass auch die Sozialbetreuung viel aufwendiger und damit teurer wäre.

Elf stimmten dafür, fünf waren dagegen

Rainer Eiche (SPD) meinte, die Ballung sei nicht von der Hand zu weisen, aber es gab eine klare Priorisierung für diesen Standort. Gegen den Standort bei Schwimmbad spreche auch, dass dort schöne alte Bäume gefällt werden müssten. Ulrike Mölbert (Lebenswertes Dorf) wies auf die bessere Möglichkeit der Integration in der Köchlinstraße hin und auf die Unterkunft in Haagen, wo es vorab auch Bedenken gegeben habe. Doch seit der Eröffnung habe man überhaupt nichts gehört, weil alles gut laufe.

Darauf erwiderte Sabine Glaser (CDU), in Haagen seien viele Familien untergebracht, hier sollen vor allem Einzelpersonen kommen. "Ich habe das Gefühl, wir schaffen uns da einen Problembereich", sagte sie. Dietmar Ernst (CDU) wies auf die Grünfläche hin. Sie diene der Naherholung oder als Erweiterungsfläche für Kita oder Schulzentrum, das solle man nicht so leicht aufgeben. Im Hinblick auf die schwierige finanzielle Lage der Gemeinde fragte Rainer Eiche, was der Landkreis machen würde, wenn die Gemeinde nicht das Geld hätte, die Unterkunft zu erstellen. Man würde die Gemeinde zwingen, Kredite aufzunehmen, antwortete Braun. Schließlich stimmten elf Gemeinderäte für die Unterkunft in der Köchlinstraße, davon einer von der CDU. Fünf waren dagegen, drei enthielten sich.