Herrlich muss gehen, Weinzierl kommt

dpa

Von dpa

Di, 27. April 2021

1. Bundesliga

Die Abstiegsangst führt beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg zum Trainerwechsel.

Der Ärger von einst ist längst vergessen. Fast fünf Jahre nach seinem Abschied mit Störgeräuschen soll Markus Weinzierl (46) den FC Augsburg vor dem Absturz aus der Bundesliga retten. Aus Angst vor dem ersten Abstieg nach inzwischen einem Jahrzehnt in der deutschen Eliteklasse trennte sich der FCA am Montag von dem aus Waldkich-Kollnau stammenden Trainer Heiko Herrlich (49) und holte den früheren Erfolgscoach aus der Joblosigkeit zurück.

"Ich habe dem Verein viel zu verdanken und möchte den FCA wieder in die Erfolgsspur führen", erklärte Weinzierl und unterschrieb im dunklen Sakko einen Vertrag bis zum 30. Juni 2022. Überzeugt sei er zudem, dass man den Klassenerhalt "gemeinsam erreichen" werde.

Weinzierl und die Fuggerstädter verbindet eine besondere Beziehung. Als Nachfolger von Jos Luhukay hatte der Straubinger den Verein zur Saison 2012/13 übernommen. Trotz einer katastrophalen Hinrunde mit nur neun Punkten hielt die Führungsspitze um den damals frisch geholten Reuter an ihm fest – es zahlte sich aus. Nach 24 Zählern in einer furiosen Rückserie hielten die Augsburger die Klasse.

Der frühere Amateurspieler des FC Bayern führte den Club dann 2014/15 sogar sensationell auf die internationale Bühne. Unter dem selbstironischen Motto "In Europa kennt uns keine Sau" tourte der FCA durch die Europa League, erst in der Zwischenrunde erwies sich Jürgen Klopps FC Liverpool als zu stark.

Weinzierl war längst ein Trainer-Shootingstar und wollte höher hinaus. Erst nach wochenlangem Vertragspoker und der Zahlung der damaligen Rekordsumme von angeblich drei Millionen Euro Ablöse ließ der FC Augsburg seinen Coach im Sommer 2016 zum FC Schalke 04 ziehen. Als "enttäuschend und unglücklich" hatte Reuter damals den Abgang bezeichnet. Eine nachgeholte Verabschiedung oder Blumen für Weinzierl gab es nicht. Der kleine Frust legte sich aber schnell wieder. "Ich freue mich riesig, wieder mit Stefan Reuter und der Mannschaft zusammenzuarbeiten und an die erfolgreichen gemeinsamen Jahre anknüpfen zu können", befand Weinzierl, dem Ex-"Löwen"-Coach Reiner Maurer assistiert.

Für Heiko Herrlich endet indes ein etwas bizarres Kapitel. Als Nachfolger von Martin Schmidt im März 2020 musste der frühere Nationalstürmer schon wegen der Corona-Pandemie auf sein Debüt warten – und dann noch etwas länger. So plauderte er freimütig über einen Einkaufsausflug für Zahnpasta sowie Hautcreme während der Quarantäne-Woche und handelte sich damit eine Zwangspause ein. Mit einer Videokeller-Schelte sorgte Herrlich wenige Wochen später wieder für Zoff. Den FCA hielt er zwar in der Bundesliga, von einer spielerischen Entwicklung war beim Verein diese Saison aber kaum etwas zu sehen. Nach vier sieglosen Partien inklusive einer am vergangenen Freitagabend in der ersten Hälfte gegen den 1. FC Köln (2:3) "erschreckenden" Leistung, wie Reuter es ausdrückte, berieten die Bosse und beurlaubten schließlich Herrlich und auch seinen Co-Trainer Iraklis Metaxas (ehemals SC Freiburg II).