Historische Belege ausgewertet

dpa

Von dpa

Sa, 21. März 2020

Panorama

In Hamburg gab es vor über 200 Jahren fleischfressende Pflanzen.

MÜNCHEN (dpa). Einem Botaniker aus München ist es gelungen, einen verschollenen Originalbeleg einer fleischfressenden Pflanze nach 220 Jahren wiederzufinden. Bei seiner Suche hat Andreas Fleischmann zahlreiche Sammlungen in Deutschland besucht.

Am Ende fand er den Pflanzenbeleg völlig überraschend ausgerechnet in München, wo er bei den Botanischen Staatssammlungen München arbeitet. "Kaum zu glauben, das Original lag die ganze Zeit direkt vor meiner Nase", sagte der Entdecker am Freitag. Der "Mittlere Sonnentau" wurde demnach im Jahr 1798 erstmals in Hamburg durch den Botaniker Friedrich Gottlob Hayne wissenschaftlich beschrieben und gezeichnet. Jedoch war das zugehörige getrocknete Belegexemplar der Pflanze nie gefunden worden.

Auf der Suche nach dem Verbleib des Belegs hat sich Fleischmann gemeinsam mit seinem brasilianischen Kollegen Paulo Gonella auf eine fast detektivische Zeitreise begeben. An München dachten sie zunächst nicht. Denn Hayne, der Entdecker der Pflanze, war damals nie zu Forschungszwecken in München gewesen. Er schickte seinen Beleg des Sonnentaus aber an seinen Kollegen, den Botaniker Albrecht Wilhelm Roth. Roth gilt als einer der Ersten, die im 18. Jahrhundert von der Existenz fleischfressender Pflanzen überzeugt waren.

Hayne hatte den "Mittleren Sonnentau" 1798 in Hamburg gefunden. Mit diesem Originalbeleg wollte er den Kollegen Roth in dessen These bestärken. Roth wiederum schickte die getrocknete Pflanze an einen seiner Kritiker, den Botaniker Johann Christian Daniel Schreber, um ihn von der Existenz der fleischfressenden Pflanzen zu überzeugen. Schreber behielt den Beleg. Seine Sammlung wurde 1813 nach München verkauft. Von da an verließ der Beleg München Fleischmann zufolge bis heute nicht mehr.

Mit dem Fund dieses Exemplars sei bewiesen, dass die fleischfressende Pflanze vor 220 Jahren in Hamburg existiert hat. Heute ist sie dort ausgestorben. Seit 1935 müssen solche Originalbelege immer zusammen mit den Beschreibungen und Zeichnungen der Botaniker in sogenannten Herbarien aufbewahrt werden.