Hitlergrüße und Affenlaute

dpa

Von dpa

Mi, 16. Oktober 2019

Fußball-EM

Rassismusskandal beim Spiel Bulgarien gegen England.

SOFIA (dpa). Affenlaute und Hitlergrüße auf der Tribüne: Der Rassismusskandal beim EM-Qualifikationsspiel der englischen Fußball-Nationalmannschaft in Bulgarien hat für Entsetzen gesorgt und wird zu drastischen Strafen führen. Die Uefa hat Anklage gegen den bulgarischen Verband erhoben. Das entschied die Europäische Fußball-Union am Dienstag.

Wie die Uefa bekannt gab, wird den Bulgaren rassistisches Verhalten vorgeworfen, zudem das Werfen von Gegenständen und das Stören der Nationalhymne. Das Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkommission der Uefa wird den Fall untersuchen. Der Termin für die Zusammenkunft muss noch mitgeteilt werden. Nun droht den Bulgaren laut Uefa-Disziplinarreglement ein Geisterspiel ohne Zuschauer und eine Geldstrafe von 50 000 Euro. Die Strafe könnte aber noch höher ausfallen, weil bereits im EM-Qualifikationsspiel am 10. Juni in Prag bulgarische Fans für rassistische Zwischenfälle gesorgt hatten.

Schon in der ersten Halbzeit zeigten am Montag bulgarische Zuschauer den Hitler-Gruß und brüllten Affenlaute in Richtung der Spieler, sodass der Schiedsrichter die Partie zweimal unterbrach. Greg Clarke, der Vorsitzende des englischen Verbandes (FA), nannte das Geschehen "eine der schrecklichsten Nächte, die ich je im Fußball gesehen habe."

Die Beleidigungen waren "ziemlich klar auf dem Platz zu hören, aber wir zeigten eine großartige Reaktion und ein großes Miteinander, und letztendlich haben wir den Fußball sprechen lassen", sagte der englische Nationalspieler Tyrone Mings. Ziel der Attacken war vor allem Teamkollege Raheem Sterling. Die Engländer hatten vor dem Spiel angekündigt, dass sie das Feld bei rassistischen Beleidigungen verlassen würden. Sie machten das nicht und wurden von Trainer Gareth Southgate in Schutz genommen. "Es war für uns unmöglich, alle zufrieden zu stellen", sagte er. "Leider sind wir durch Erfahrungen in unserem Land abgehärtet gegen Rassismus."

Der bulgarische Verbandschef Borisslaw Michailow trat auf Druck von außen zurück. "Es ist unzulässig, dass Bulgarien, das einer der tolerantesten Staaten der Welt ist, wo Menschen unterschiedlicher Ethnien und Religionen in Frieden leben, mit Rassismus verbunden wird", schrieb Regierungschef Boiko Borissow auf Facebook. Er hatte Michailows Rücktritt gefordert. Indes deutete Bulgariens Nationaltrainer Krassimir Balakow an, die Engländer hätten überreagiert. Der Ex-Profi des VfB Stuttgart hatte schon vor Anpfiff gemeint, die Engländer hätten ein größeres Rassismus-Problem als die Bulgaren.