Höllsteiner Nahwärme kostet zuviel

Robert Bergmann

Von Robert Bergmann

Do, 23. Mai 2019

Steinen

Beratungsfirma rät der Gemeinde ab, sich als Betreiber zu engagieren / Ein Einstieg Maulburgs würde einiges verändern.

STEINEN-HÖLLSTEIN. Verdüstert haben sich die Aussichten auf den baldigen Aufbau eines Nahwärmenetzes in Höllstein. Zwar ist das Interesse im größten Steinener Teilort groß, die potenziellen Anschlussnehmer verteilen sich aber über ganz Höllstein. Und weil es an größeren Wärmeabnehmern fehlt, fehle die wirtschaftliche Perspektive, hieß es am Dienstag im Gemeinderat. Diskutiert wurde, ob die Nachbargemeinde Maulburg mit dem Gewerbegebiet West ins Boot geholt werden kann.

Weit verstreute Interessenten: Für die beim Höllsteiner Nahwärmekonzept federführende Beratungsfirma Endura hatte Sabine Barden die Zahlen aufbereitet. Es habe einen erfreulichen Rücklauf bei den Fragebögen gegeben. 133 Höllsteiner hätten ein grundsätzliches Interesse bekundet, künftig Nahwärme zentral zu beziehen, statt einen eigenen Heizkessel vorzuhalten. Das Problem: Die Interessenten sind über ganz Höllstein verteilt, was die Kosten des Leitungsbaus in die Höhe treibt. Barden erläuterte, dass rund 4,3 Kilometer Leitungen von einer in der Wiesentalhalle eingerichteten Wärmezentrale gebaut werden müssten, um 113 Haushalte zu erreichen.

Kosten/Wirtschaftlichkeit: Endura-Vertreterin Barden rechnete vor, dass für den Aufbau des Höllsteiner Nahwärmenetzes insgesamt rund 3,3 Millionen Euro investiert werden müssten. Der Großteil der Projektentwicklung lasse sich über eine KfW-Förderung abdecken. Gleichwohl werde auf Seiten der Betreiber ein Eigenkapital von rund 500 000 Euro benötigt. Die laufenden Kosten beliefen sich pro Jahr auf etwa 45 000 Euro. Bei einem zu erzielenden Wärmepreis von 8,9 Cent je Kilowattstunde Wärme (hinzu kommt ein Leistungspreis von 53,55 Euro je Kilowattstunde als Anschlussleistung) sei mittelfristig eine Wirtschaftlichkeit nicht gegeben. Der Betreiber müsse nach etwa neun Jahren damit rechnen, in Liquiditätsprobleme zu kommen. Bardens klare Aussage: "Es würde sich nicht rechnen."

Die Konsequenzen: Mit den aktuellen Daten musste Sabine Barden der Gemeinde Steinen abraten, als Betreiber einer künftigen Nahwärmegesellschaft aufzutreten. Mit Blick auf die drohende finanzielle Schieflage würde die Gemeinde wohl auch Probleme bei der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht bekommen. Auch für eine Bürgergenossenschaft, ähnlich wie in Hägelberg, sei das Betreiben eines Nahwärmenetzes in Höllstein derzeit wenig attraktiv. Vorstellbar sei noch, dass sich die EWS, die ja bereits im Kernort ein Nahwärmenetz betreibt, für einen Ausbau in Richtung Höllstein interessieren könnte. Auch andere professionelle Betreiber könnten aus strategischen Gründen ein Interesse daran haben, in Höllstein aktiv zu werden.



Die Maulburger Karte: Auf Nachfrage aus dem Gemeinderat stellte die Endura-Vertreterin klar, dass sich die Frage einer Wirtschaftlichkeit des Höllsteiner Nahwärmenetzes neu stellen würde, wenn es gelänge, die Nachbargemeinde Maulburg davon zu überzeugen, in das Projekt einzusteigen. Dort sind bekanntlich die Planungen zur Erweiterung des direkt an der Gemarkungsgrenze liegenden Gewerbegebiets West bereits ziemlich vorangeschritten. Sabine Barden verwies darauf, dass sich unter den neu anzusiedelnden Gewerbebetrieben sicherlich zahlreiche Großabnehmer von Energie finden ließen, wodurch die Wirtschaftlichkeitsberechnung für das Höllsteiner Quartier eine völlig neue Grundlage erhielte.

Die Diskussion: "Das Ergebnis ist wenig überraschend", fand Stephan Mohr (Gemeinschaft). Es sei von vorneherein klar gewesen, dass sich das Nahwärmenetz Höllstein nur unter Einbeziehung von Maulburg rechnen würde. Mohr wollte vom Bürgermeister wissen, ob mit den Nachbarn gesprochen werde. "Wir sind in engem Gespräch", versicherte Gunther Braun. Allerdings sei die Maulburger Diskussion noch nicht soweit vorangeschritten, dass für das Gewerbegebiet West bereits ein Energiekonzept vorliege. Für die SPD mahnte Rudolf Steck ebenfalls, Maulburg nicht aus dem Blick zu verlieren. Schließlich strebe man eine gemeinsame Energiegesellschaft an. CDU-Sprecher Marc Sutterer wollte wissen, welche Ersparnisse sich beim Wärmeleitungsbau ergäben, wenn dieser koordiniert mit der Glasfaserverlegung durch den Zweckverband erfolgt. Dies erspare dem Betreiber rund ein Drittel der ansonsten üblichen Verlegungskosten, so Endura-Vertreterin Barden.

Wie es weiter geht: Sabine Barden riet der Gemeinde, grundsätzlich weiter an einer Steinener Lösung zu arbeiten, da man ansonsten Gefahr liefe, die vielen Höllsteiner zu verprellen, die bislang Interesse an eine Nahwärmeversorgung gezeigt haben. Über das Ansprechen professioneller Betreiber solle ausgelotet werden, ob es unter den Energieversorgern ein strategisches Interesse gebe, als Betreiber eines Nahwärmenetzes aufzutreten. Bürgermeister Braun schlug vor, zweigleisig zu fahren, sich um potenzielle Investoren zu bemühen und zugleich weiter daran zu arbeiten, Maulburg ins Boot zu holen. Braun: "Höllstein und Maulburg liegen so nahe beieinander, dass es förmlich nach einer gemeinsamen Lösung schreit."