Hoffnung auf den Pfingstgottesdienst

teli

Von teli

Sa, 23. Mai 2020

Ortenaukreis

BLICK INS ELSASS: Auch in Straßburg sind demnächst wieder Gottesdienste möglich.

(teli). Es ist nur ein Katzensprung von der Ortenau ins Elsass und in die quirlige Europastadt Straßburg. Was sich jenseits des Rheins tut, beleuchtet unser "Blick ins Elsass".

Gottesdienste erlaubt

Aufatmen und Freude bei den Vertretern der Religionen in Straßburg: Gottesdienste und Gebetsveranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen sind wieder erlaubt. Der Straßburger Erzbischof Luc Ravel ist erleichtert und hofft, dass im Münster am 31. Mai ein Pfingstgottesdienst stattfinden kann. Vor allem nach der Aufhebung der Ausgangssperre am 11. Mai fühlten sich die Kirchen diskriminiert: Läden, Frisöre und Bibliotheken durften wieder öffnen, bis zu zehn Personen können sich versammeln, aber Gottesdienste sollten verboten bleiben?

Das empfand der Erzbischof laut einem Bericht des Fernsehsenders France 3 als ungerecht, es sehe so aus, als traue man den Kirchen kein verantwortungsvolles Handeln zu. Seit Wochen arbeitet die Diözese bereits an einem Hygienekonzept: Pro Gläubigem werden vier Quadratmeter Fläche vorgesehen, am Eingang zu den Kirchen wird Desinfektionsmittel für die Hände bereitgestellt. Mehr als 150 Personen sollen bei einem Gottesdienst nicht zusammenkommen, selbst im Münster nicht. Auch die Protestanten begrüßen die Entscheidung, dennoch sollen nicht gleich wieder Messen in Kirchen gefeiert werden. Man habe sich angepasst: Messfeiern werden übers Internet übertragen oder auch per Telefonkonferenz gemeinsam begangen. Die protestantischen Gemeinden gehen eher davon aus, die Gottesdienste um den 2. Juni wieder aufzunehmen, wenn womöglich weitere Lockerungen erfolgen.

Hygienekonzept

Der Straßburger Oberrabbiner Harold Weil äußerte sich gegenüber dem Fernsehen ähnlich wie der Erzbischof: Die Religionsgemeinschaften hätten mit dem Versammlungsverbot für die evangelische Veranstaltung im Februar bei Mulhouse bezahlt, die wohl ursächlich für die hohe Zahl von Covid-19-Kranken im Oberelsass war. Die jüdische Gemeinde arbeitet an einem Hygienekonzept, um die Synagoge, die 1000 Besucher fassen kann, wieder öffnen zu können. Ob dies bereits am Pfingstwochenende – dem jüdischen Schawuot – geschehen kann, darauf will er sich noch nicht festlegen. Fest steht, dass das Zuckerfest, mit dem das Ende des Ramadans gefeiert wird, nicht in der großen Straßburger Moschee stattfinden wird. Diese bleibt vorerst geschlossen.

Zum einen erscheint es schwierig, 2000 Quadratmeter Fläche nach jedem der fünf täglichen Gebete zu desinfizieren, zum anderen kommen zum Freitagsgebet in normalen Zeiten 1500 Menschen. Nach den geltenden Abstandsregeln dürfe er aber nur 375 in die Moschee hineinlassen, erläuterte Said Aalla, der Präsident der großen Moschee, France 3. Und wie erkläre er nun dem 376. und 377. Gläubigen, dass er wieder gehen müsse? Das scheint der muslimischen Gemeinde (noch) zu kompliziert.

Marshall-Plan

200 Millionen Euro will der unterelsässische Departementalrat zur Unterstützung der Wirtschaft zur Verfügung stellen, hat Präsident Frédéric Bierry am Montag angekündigt. Der Gebietskörperschaft komme jetzt zugute, dass sie ihre Schulden in den vergangenen Jahren abgebaut habe, obwohl die Einnahmen gesunken seien. Weil die Mittel dennoch endlich sind, machte er gleichzeitig deutlich, dass einige Projekte, die für dieses Jahr vorgesehen waren, zurückgestellt werden müssten. Auch wenn noch kein Zeitplan für die Ausschüttung der Gelder benannt wurde, sollen vor allem kleine und mittlere Betriebe dabei unterstützt werden, ihre Aktivitäten wieder aufnehmen zu können. Der Rettungsplan soll dem Departement auch zu einer gewissen wirtschaftlichen Unabhängigkeit verhelfen, daher ist vorgesehen, lebenswichtige Bereiche, wie die Lebensmittelherstellung, den Bausektor, das Transportgewerbe und die Gesundheitsbranche, zu stärken. Wenn die beiden elsässischen Departements am 1. Januar 2021 zu einer europäischen Gebietskörperschaft verschmelzen, dann wünscht sich Bierry, dass dieser dann auch Kompetenzen im Gesundheitswesen übertragen werden.

Wahlen und Corona

Haben Wähler in Zeiten von Corona den Kopf frei für Wahlkampf und Kommunalwahlen? Am 21. oder 28. Juni sollen überall dort, wo der denkwürdige erste Wahlgang mit seiner historisch niedrigen Wahlbeteiligung am 15. März keine Entscheidung gebracht hat, die Wähler erneut zu den Urnen gerufen werden – vorausgesetzt, die Virologen schätzen die Corona-Lage so ein, dass vom zweiten Wahlgang keine erhöhte Infektionsgefahr ausgeht. Für die grüne Straßburger Spitzenkandidatin Jeanne Barseghian, die den ersten Wahlgang mit einem Vorsprung von acht Prozentpunkten klar für sich entschieden – und sich wohl im Wahlkampf – mit dem Coronavirus infiziert hat, ist es am Wichtigsten, dass alles getan wird, eine zweite Welle zu verhindern. Der Wahlkampf werde, sagte sie gegenüber France 3, kurz werden und ohne großen Materialeinsatz stattfinden und das unabhängig vom Datum für den zweiten Wahlgang. Der Republikaner Jean-Philippe Vetter, im ersten Wahlgang mit 18,3 Prozent auf Platz vier, kann sich einen zweiten Wahlgang im Juni ebenso wenig vorstellen wie derzeit einen Wahlkampf. Für Straßburgs Ersten Beigeordneten Alain Fontanel, der mit seiner La-République-en-Marche-Liste im ersten Wahlgang mit hauchdünnem Vorsprung vor den Sozialisten auf Platz zwei kam, ist klar, dass die Wähler derzeit andere Sorgen haben und für einen Wahlkampf nicht aufnahmefähig seien.

Wie seine sozialistische Kontrahentin Catherine Trautmann hat er den Vorteil, der Straßburger Stadtregierung anzugehören und sich damit als Krisenmanager beweisen zu können. An Aktivität wird er von der ältesten Anführerin der Listen, die in den zweiten Wahlgang einziehen, allerdings noch übertroffen: Sie setzt sich in der Corona-Krise vor allem für die Straßburger Wirtschaft ein, kämpft aber an allen Fronten, zum Beispiel auch für Corona-Tests.

Maskenpflicht

In Straßburg gilt die Maskenpflicht jetzt auch an der frischen Luft: OB Ries hat am Mittwoch einen Erlass unterzeichnet, wonach ein Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Raum getragen werden muss. Dies gilt damit seit Donnerstag für die von der Ill umschlossene Innenstadtinsel, auf allen Achsen, die zur Insel führen, und am Quai des Bateliers. Seine Entscheidung gehe auf den Austausch mit Wissenschaftlern und mit dem Corona-Rat zurück, der sich einstimmig für eine solche Maskenpflicht ausgesprochen habe, schreibt er. Das Leben ohne Ausgangssperre könne nur dann erfolgreich sein, wenn die Abstandsregeln eingehalten würden. Im Stadtzentrum habe er jedoch mit Unbehagen beobachtet, wie sich Gruppen von Menschen bildeten, die keine Masken trügen.

Schiffe fahren wieder

Die Batorama-Ausflugsboote dürfen ihren Verkehr auf der Ill wieder aufnehmen – das hat die Präfektur am Mittwoch entschieden. Das Gleiche gilt für die gesamte Freizeitschifffahrt auf den schiffbaren Wasserwegen im Département Unterelsass. Vom 29. Mai an sind touristische Bootsfahrten wieder gestattet, Batorama will ab dem 2. Juni wieder ablegen. Die 37 Festangestellten sind erleichtert.

Zwei Touren werden angeboten: "Straßburg – 20 Jahrhunderte Geschichte" und die "Innenstadt-Insel-Tour". Jeder zweite Sitz in den Ausflugsbooten muss freibleiben. Nur Kinder unter elf Jahren dürfen direkt neben ihren Eltern sitzen. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist Pflicht.