Mode

H&M in der Kritik wegen sexy Shorts für kleine Mädchen

André Anwar, Patrik Müller und Karl Heidegger

Von André Anwar, Patrik Müller & Karl Heidegger

Mo, 14. August 2017 um 18:30 Uhr

Panorama

Schwedische Mütter sind empört über sexualisierende Kinderkleider beim Modekonzern H&M. Für Mädchen gibt es nur sehr kurze Shorts. Eine Debatte ist entbrannt: Müssen Kinder schon sexy sein?

Was haben sich die Kindermodedesigner beim schwedischen Kleiderkonzern H&M bloß dabei gedacht? Schwedische Mütter sind empört darüber, dass die angebotene Kinderkleidung Mädchen bewusst sexualisiert. Die Debatte – bis hin zu Boykottaufrufen – gibt es in anderen Ländern.

Die 36-jährige Åsa Enquist wollte für ihre neunjährige Tochter kurze Hosen bei H&M kaufen. Das stellte sich als schwierig dar. Zwar gab es rund 30 unterschiedliche Shorts für Mädchen auf der Internetseite des Unternehmens. Aber die waren alle pokurz und extrem eng geschnitten. "Nicht ein einziges der Paare ging zumindest bis zur Hälfte der Oberschenkel. Dann schaute ich in die Jungsabteilung, und da waren fast alle Shorts richtig lang", beschwerte sie sich auf Facebook. "Wenn meine Tochter sich in den Shorts für Mädchen nach vorne beugt, sieht man ihren halben Po. Und wenn sie ihr Bein hebt, kommt die halbe Pobacke zum Vorschein", kritisiert sie. Daraufhin gaben ihr zahlreiche Eltern Recht.

Auch die 37-jährige Lina Svensson wollte bei H&M etwas für ihre achtjährige Tochter kaufen – Jeans nämlich. Doch in der Mädchenabteilung gab es nur zwei Passformen: "slimfit" (schlanke Passform) und "skinnyfit" (magere Passform). "Warum gibt es bei Kinderkleidern überhaupt einen Begriff wie skinnyfit?", fragt die Mutter in der Zeitung Expressen. Es sei es doch unnötig, dass H&M den Gedanken an magersüchtige Mode-Ideale schon bei Kindern festige, sagt sie und fügt an: "Ich merke schon jetzt, dass meine Achtjährige anfängt, sich über ihr Gewicht Gedanken zu machen." Das sei schlimm. "Auch wenn einige Kinder sehr dünn sind, muss es doch Kleidung für alle Arten von Kindern geben."

Britische Mutter ärgert sich über Angebote für Fünfjährige

Auch in Großbritannien wird über das Thema diskutiert. So preschte die 37-jährige Delea Shand vor und rief auf der britischen Facebookseite von H&M zum Boykott auf, weil sie für ihre fünfjährige Tochter nur knappe Shorts finden konnte. Die auflagenstarken Zeitungen Daily Mail und Sun berichteten darüber und heizten die Debatte damit weiter an. Selbst in dieser Altersgruppe, so Shands Beobachtung, gebe es bereits geschlechtsspezifische Unterschiede: Kurze Hosen für Mädchen seien durchweg knapper geschnitten als solche für Jungs. Das sei unangemessen.

In Deutschland ist die Debatte ebenfalls angekommen, wird aber mit weniger Heftigkeit geführt. "Wir achten darauf, bei unserer Kindermode sowohl für Mädchen als auch für Jungs eine breite Vielfalt an Größen und Schnitten anzubieten, die sich den Bedürfnissen von Kindern im Alltag anpassen", erklärt die Hamburger H&M-Pressestelle gegenüber der Badischen Zeitung. H&M sei wichtig, keine Kinderkleidung anzubieten, die als provokativ wahrgenommen werde. "Daher nehmen wir dieses Kundenfeedback ernst und werden es bei unseren zukünftigen Designs von Kindermode mit einfließen lassen", so der Konzern.
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