Zischup-Interview

"Ich bin ja keine Spaßbremse, sondern Muslima"

Samrin Liakat, Turnseeschule, Klasse 8b

Von Samrin Liakat, Turnseeschule & Klasse 8b

Di, 27. März 2012 um 08:48 Uhr

Schülertexte

Zischup-Reporterin Samrin Liakat hat für dieses Interview eine Freundin befragt – Sakina C. Friedrich. Sakina wohnt seit 2006 in Freiburg und kommt ursprünglich von der Ostseeküste – und sie ist zum Islam übergetreten.

Zischup: Wie kam es eigentlich, dass du zum Islam konvertiert bist?
Sakina C. Friedrich: Das frage ich mich manchmal selbst. Es bedurfte einer langen Vorbereitung – meine Liebe zu anderen Kulturen, mein Interesse für Bücher und mein Wissensdurst. Der "Auslöser" waren Mittelalterromane. Darin ist immer wieder von Gott die Rede. Und dann fragte ich mich, Religion ja, aber welche? Ich war Christin, nur keine praktizierende. Doch eines Tages fing ich an zu suchen. Ich besuchte nach Jahren wieder christliche Gottesdienste. Nur fand ich den Weihrauch furchtbar. Was ich aber schön fand, war das Händeschütteln am Schluss, ein "Zeichen des Friedens".
Ich war bereits mit einer ehemaligen Kollegin befreundet. Sie ist Muslima und ihre Familie auch. Ich wurde so was wie ein Familienmitglied. Und dann fing ich an, Fragen zu stellen. Und ich habe gesehen, wie nett alle sind. Da reifte in mir der Entschluss. Ich sah in Muslimen mehr als nur notorische Choleriker, die sich beim kleinsten Pieps in die Luft sprengen und noch "Allahu Akbar" hinterher schreien. Auf meinem Weg begleiten mich viele Schwestern. Ich frage, besuche Vorträge und einmal habe ich sogar selbst einen gehalten. Ich denke, ich habe den richtigen Weg eingeschlagen. Denn ich sehe, was für liebe Menschen der Islam hervorbringt.

Zischup: Wie reagierte deine Familie darauf?
Friedrich: Den Kommentar meiner Mutter vergesse ich nie. Ich fragte sie erst vorsichtig, was sie vom Islam hält. Sie sagte: "Da halte ich überhaupt nichts von!" Aber mittlerweile findet sie es gut. Sie weiß, wer ich bin und so weiß sie, dass ich keine schlechten Dinge tue. Sie mag auch meinen grünen Hijab mit den Glitzersteinen. Was ich allerdings nie tun würde – vor meiner Mutter oder Familie den Gesichtsschleier, Niqab, zu tragen. Oder sehr lange Hijabs, genannt Khimar. Das würde sie wohl eher verschrecken. Mein Vater hat die Konversion mit Politik verglichen. Er meinte, er könne nicht einfach in eine andere Partei eintreten. Das meint er aber nicht böse. Meine beiden Brüder machen ab und an ihre Scherze darüber. Und ich muss gestehen, ich kann darüber lachen. Ich bin ja keine Spaßbremse, sondern Muslima.

Zischup: Was wolltest du als Kind werden?
Friedrich: Da wollte ich alles mögliche werden: Schauspielerin, Sängerin, Pianistin und sogar Archäologin. Eigentlich wollte ich immer das werden, was ich in Serien und Trickfilmen gesehen habe.

Zischup: Dein Lieblingsplatz in Freiburg
Friedrich: Ich mag den Rathausplatz sehr gerne, da kann man schön entspannt Kaffee trinken. Und in den Parks bin ich gerne, aber nur wenn die Sonne scheint.

Zischup: Dein Lieblingsfach in der Schule
Friedrich: Geschichte, Deutsch und Musik. Musik aber nur, wenn gesungen wurde.

Zischup: Worüber kannst du herzhaft lachen?
Friedrich: Über Szenen aus meinem Lieblingsfilm "Die Verurteilten". Zum Beispiel als ein Mann in dem Film "Alexander Dumas" nicht richtig betont.

Zischup: Was machst du gerne in deiner Freizeit?
Friedrich: Ich gehe sehr gerne spazieren. Ansonsten bastele und zeichne ich, manchmal lese ich und ich unterrichte meine Geschwister.

Zischup: Wann warst du zuletzt in der Kirche?
Friedrich: Mhm, das ist eine Weile her. Da ich Muslima bin, gehe ich nicht oft dahin. Aber ich glaube, es war noch im ersten Quartal.

Zischup: Wann warst du zuletzt im Kino?
Friedrich: Oje, da muss ich überlegen. Ich gehe eigentlich nur in Buchverfilmungen rein oder wenn ein Sherlock-Holmes-Film läuft. Ich glaube, das letzte Mal war ich im Sherlock-Holmes-Film mit Jude Law im Kino.

Zischup: Welche Musik hörst du gerne?
Friedrich: Ich höre gerne Nasheeds, islamische Lieder. Ich mag aber auch gute Filmmusik, von der Serie Tudors, die Musik von Nightwish und Lieder aus Bollywood-Filmen.

Zischup: Deine Lieblingsinternetseiten.
Friedrich: Wikipedia, Freewar und Facebook.

Zischup: Wovor hast du Angst?
Friedrich: Ich habe große Angst vor dem Alleinsein und davor, mich zu übergeben.

Zischup: Was magst du an dir selbst?
Friedrich: Meine Haare, besonders wenn sie gerade gewaschen sind. Wenn ich sie dann flechte, sind meine Haare so schön wellig.

Zischup: Wo machst du gerne Urlaub?
Friedrich: Am liebsten bei meinen Eltern an der Ostsee.

Zischup: Mit wem würdest du gerne tauschen?
Friedrich: Mit niemanden. Es ist im Islam nämlich verboten, jemand anderen zu imitieren. Ich bin zufrieden mit mir.

Zischup: Deine Traumschlagzeile?
Friedrich: "Assad gestürzt – Syrien ist frei"