"Ich will mich in nächster Zeit mal belohnen"

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 18. Januar 2021

Biathlon

Biathlet Benedikt Doll im Zwiespalt: Beim Skaten läuft es besser, aber im Massenstart von Oberhof schwächelt er beim Schießen.

. Benedikt Doll verlässt Oberhof mit gemischten Gefühlen. Nach den jüngsten Weltcuprennen im Thüringer Wald beschäftigt den Biathleten der Ski-Zunft Breitnau ein Zwiespalt: "Läuferisch habe ich mich im Massenstartrennen gut gefühlt." Das belegen nach dem Wettkampf über 15 Kilometer auch die Zahlen: Siebtbeste Laufzeit im 30er-Feld und zweitbeste Zeit auf der Schlussrunde, auf der er fünf Plätze gutmacht und sich noch von Rang 22 auf 17 verbessert. Einerseits.

Andererseits ärgert sich der 30-Jährige über seine Schießleistungen im Duell der 30 Weltbesten: "Es ist wirklich schade, dass das Rennen gleich mit zwei Fehlern beim ersten Liegendschießen losging. Ich hatte wohl eine Verlagerung, warum das so war, weiß ich nicht." Nach den beiden Strafrunden – zusammen 300 Extrameter – läuft der Schwarzwälder als 29. der Musik ganz vorne mit einem Rückstand von 45 Sekunden hinterher. "Ich hätte dann schon noch die Möglichkeit gehabt, weit nach vorne zu kommen, aber die nächsten beiden Schießeinlagen waren mit jeweils einem Fehler nicht gut genug." Erst bei der letzten Fünferserie im stehenden Anschlag schafft er die Null und läuft eine Benni-like-Schlussrunde, am Ende springt Rang 17 heraus. "Wieder so eine durchwachsene Leistung, nicht schlecht, mein Anspruch ist aber ein anderer", sagt der Ex-Weltmeister, "es passt schon, ich bin motiviert und freue mich auf nächste Woche. Ich will mich in nächster Zeit aber auch mal belohnen".

Der Biathlon-Weltcup wird von Donnerstag an in Antholz (Italien) fortgesetzt. Zunächst bestreiten die Frauen auf 1600 Metern ein Einzelrennen, tags darauf sind die Männer dran. Mit der Höhe und dem tückischen Schießstand in Südtirol hatten die deutschen Biathleten bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Winter allerdings so ihre Probleme.

Die deutschen Trainer hatten beim Staffelrennen der Männer in Oberhof mit einer neuen Aufstellung überrascht: Erik Lesser (Eintracht Frankenhain) war wie gewohnt Startläufer, er ist cool und dafür prädestiniert. Benedikt Doll jedoch, der zuvor zumeist auf Position drei oder vier zum Einsatz kam, ging als zweiter Deutscher ins Rennen. Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld) lief auf der Drei und Schlussläufer war erstmals der 26-jährige Philipp Horn (Eintracht Frankenhain). Doll absolvierte seinen Part zuverlässig: Er musste beim Liegend- und Stehendschießen nur einmal nachladen und machte auf der Schlussrunde auf den führenden Italiener Lukas Hofer, der ein exzellenter Skater ist, sogar ein paar Sekunden gut. "Ich hatte gute Ski, ich konnte Lücken zulaufen. So macht es Spaß." An zweiter Stelle liegend übergab der Schwarzwälder an Peiffer. Der wiederum schickte Horn als Führenden los, dann nahm das Schicksal seinen Lauf: fünf Schüsse liegend, fünf Fahrkarten. Mit der ersten Nachladepatrone verfehlt "Hörnchen", wie sie ihn nennen, das Ziel ebenfalls. Mit den Nachladepatronen zwei und drei trifft der Deutsche, drei Extrarunden gleichen in der Staffel dennoch einer Maximalbestrafung. Das deutsche Quartett fällt zurück und belegt nach 4x7,5-Kilometern den fünften Platz beim Weltcup in Thüringen.

Janina Hettich (SC Schönwald) ist dabei, sich in der Weltspitze der Biathletinnen zu etablieren. Im liegenden Anschlag war sie vor dem Massenstartrennen von Oberhof über 12,5 Kilometer die treffsicherste Schützin im Weltcupfeld, im Duell Frau gegen Frau leistet sie sich jedoch beim Liegendschießen die Fehler Nummer zwei und drei in dieser Saison. Sie findet sich auf Rang 26 wieder, die Fünferserien im stehenden Anschlag meistert sie jedoch ohne Fehl und Tadel. Als 18. des Massenstarts erreicht sie das Ziel, in der Weltcup-Gesamtwertung liegt sie nach 13 von 26 Rennen auf dem 20. Platz.

Hettich hatte tags zuvor zu den vier deutschen Biathletinnen gehört, die das Weltcup-Staffelrennen in Oberhof für sich entschieden. An Position zwei eingesetzt zeigte die 24-Jährige eine solide Leistung. Sie ging als Dritte ins Rennen, leistete sich beim Liegendschießen keinen Patzer und verbesserte sich auf den zweiten Platz. Beim Stehendschießen brauchte sie die drei in der Staffel zur Verfügung stehenden Nachladepatronen, um die fünf Scheiben abzuräumen. Als Fünfte erreichte sie mit 34,3 Sekunden Rückstand die Wechselzone, die beiden folgenden deutschen Starterinnen liefen auf ihrem Teilstück Bestzeit und machten den Staffelerfolg perfekt.