Jahr der Herausforderung

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 04. Oktober 2020

USC Eisvögel

Freiburgs Erstliga-Basketballerinnen starten mit wenig Geld, aber viel Idealismus.

Die Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg stehen vor einer herausfordernden Saison. Trotz eines unerfahrenen Kaders und nur drei Profispielerinnen, die alle neu sind, wollen die Eisvögel auch im Corona-Jahr bestehen.

Hanna Ballhaus ist nicht dafür bekannt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Oder Dinge irgendwie schön zu reden. Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel ihres Basketball-Erstligisten am Sonntag (16 Uhr/Sepp-Glaser-Sporthalle) im Pokal gegen Nördlingen sagt die 38-jährige Trainerin des USC Freiburg: "Es wird verdammt taff werden."

Aufgrund der Unwägbarkeiten der Pandemie sind die Freiburger Basketballerinnen mit einem offenen Sponsoring-Loch im sechsstelligen Bereich in die Vorbereitung gestartet. Durch eine Crowdfunding-Aktion haben sie inzwischen immerhin fast 11 500 Euro eingenommen. Von einer Goldgräberstimmung sind sie aber weit entfernt. Anstatt vier haben sie dieses Jahr nur drei ausländische Profispielerinnen verpflichtet. Das Team kommt stark verjüngt daher. Jugend forsch wider die ökonomischen Unsicherheiten im Corona-Jahr.

"Unsere deutschen Nachwuchsspielerinnen müssen kommendes Jahr eine neue Rolle einnehmen und gewissermaßen zwei Schritte nach vorne machen", sagt Ballhaus und rechnet vor: Die verbliebenen deutschen Athletinnen im Kader kamen vergangene Saison im Schnitt pro Spiel auf sieben Punkte. Zusammen. "Das ist die Herausforderung: Hier nach vorne zu kommen", betont die Trainerin, die sich Führungsposten mit ihrer spanischen Partnerin Isabel Fernandez teilt. "Die Arbeit des Sommers trägt Früchte", hat das Trainerinnenduo festgestellt. Seit es die gesundheitsamtlichen Kontaktbeschränkungen wieder zulassen, haben die beiden Coaches mit ihren im Schnitt 18 Jahre alten deutschen Basketballerinnen an Technik und Taktikverständnis gefeilt, die Athletik geschult und Spielsituationen durchgesprochen. Ballhaus findet deshalb: "Das Potential ist da, jetzt müssen wir von der Mentalität den Sprung machen, zu sagen, wir nehmen unsere neuen Rollen an."

Dabei helfen sollen drei Neuzugänge. Ein Mix aus Spielerinnen auf den Außen- und Innenpositionen: eine Regisseurin, eine physische Abräumerin unterm Korb und eine zielgenaue Werferin. Als Centerin stößt die 22-jährige Cassidy Boensch aus der amerikanischen NCAA-College-Liga zu den Breisgauerinnen. Auf den Außenpositionen ergänzt die Kanadierin Daneesha Provo (zuletzt University of Utah) die Eisvögel.

Auf der Aufbauposition indes soll die Spanierin Paloma Gonzalez Vazquez Regie führen. Die langjährige Jugendnationalspielerin ihres Heimatlandes arbeitete bereits vor drei Jahren in Spanien mit Eisvögel-Headcoach Fernandez zusammen. Die 21-Jährige kommt vom Zweitligisten CB Pozuelo.

"Spielerinnen wie Paloma gibt es in der Bundesliga kaum", schwärmt Trainerin Ballhaus und betont: "Sie spielt, als ob sie mit dem Basketball auf die Welt gekommen wäre." Technisch und taktisch gilt die quirlige Point-Guard-Spielerin als herausragend, ihre Passqualitäten dürften dem Team gut tun. Vazquez’ Basketball-IQ verbessere das Spiel ihrer Teamkolleginnen, findet Ballhaus. "Die Frage wird sein, wie schnell sie und die anderen Profis sich akklimatisieren." Seit knapp drei Wochen weilen die drei Neuzugänge im Breisgau. Sechs Testspiele haben sie gemeinsam absolviert. Gegen Zweit- und Erstligisten und gegen Schweizer Teams. Immerhin vier Siege sprangen dabei heraus. Vazquez gesteht, dass der deutsche Basketball für sie eine neue Welt ist: "Er ist hier körperlicher. Die Trainer wollen viel Kontrolle über das Spiel behalten." Von ihrem neuen Team hat sie einen guten Eindruck: "Wir sind ein junges Team, aber ich habe großes Vertrauen in unser Projekt hier. Was uns an Erfahrung fehlt, werden wir durch Teamarbeit wettmachen."

Nächsten Sonntag Saisonstart im Pokal

Kommenden Sonntag startet für die Eisvögel nach über einem halben Jahr Pause die neue Saison. "Das Pokalspiel wird wichtig, um herauszufinden, wo wir stehen", sagt Trainerin Ballhaus. 14 Tage später schließlich steht dann der Bundesliga-Auftakt mit einem Heimspiel gegen Meisterschaftsmitfavorit Wasserburg auf dem Programm. Neben den Bayern gelten zudem Keltern und Herne als Anwärterinnen auf den Titel.

Die Freiburgerinnen werden sich irgendwo dahinter im Mittelfeld einordnen. Das zumindest hoffen sie. Dass das aber ausgesprochen schwierig wird, das betont Hanna Ballhaus momentan geradezu mantraartig.