Jede Gruppe hat ein gemütliches Wohnzimmer

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 24. November 2021

Stegen

Gemeinderat Stegen billigt Pflege- und Betreuungskonzept für selbstverwaltete Pflegewohngruppe für ältere Menschen.

. Auf Antrag der Gruppe "Grünsoziale" im Stegener Rat beschäftigte sich das Gremium erneut mit dem vom Verein "Miteinander Stegen" entwickelten Pflege- und Betreuungskonzept für die im künftigen Begegnungshaus vorgesehene selbstorganisierte Pflegewohngruppe für ältere Menschen. Vorausgegangen waren insbesondere von Gemeinderat Pit Müller geäußerte Bedenken, ob durch die aufgrund eines gerichtlichen Vergleichs notwendig gewordenen Veränderungen am ursprünglichen Etagengrundriss die inhaltliche Realisierung des Konzepts überhaupt noch möglich sei.

Peter Krimmel von Miteinander Stegen referierte ausführlich über die verschiedenen Entwicklungsstadien des Konzepts "Lebensräume" seit einem ersten Brainstorming im Verein im Jahr 2010. Basis hierfür war eine wegen des demographischen Wandels hin zu einer alternden Gesellschaft vorgenommene Bedarfsanalyse der Gemeinde. Diese ergab einen deutlichen Mangel an Betreuungsmöglichkeiten für ältere und speziell für pflegebedürftige Menschen im Ort. Die darauffolgende Projektentwicklung für eine selbstverwaltete Pflegewohngruppe durch den Verein unter juristischer Beratung durch den Freiburger Rechtswissenschaftler und Sozialexperten Thomas Klie erfolgte in verschiedenen Arbeitsgruppen mit Beteiligung von Bürgern und Räten und in permanentem Informationsaustausch mit Verwaltung und Gemeinderat. Das Konzept "Lebensräume" wurde schließlich 2015 von der Heimaufsicht des Landratsamts genehmigt und seine Konformität mit dem Wohn-Teilhabe-und-Pflegegesetz (WTPG) bescheinigt.

Der angestrengte Bürgerentscheid über das Begegnungshaus und der von Anwohnern veranlasste Rechtseinspruch verordnete eine konzeptionelle Zwangspause. Der Rechtsstreit mit der Gemeinde endete mit einem Vergleich, der Einbußen in der Etagengrundfläche mit sich brachte. Die ursprüngliche Planung von zwei Wohngemeinschaften mit jeweils acht Bewohnern musste auf eine Wohngemeinschaft mit zwölf Bewohnern reduziert werden. Dadurch wäre laut Krimmel eine überschaubare, gemütliche Größe verloren gegangen, die für das angestrebte familiäre Wohnen "wie zu Hause" absolut unverzichtbar sei. Das Konzept und die Aufteilung der Räume wurden deshalb modifiziert. Es sind jetzt zwei Untergruppen mit acht und vier Bewohnern mit je einem gemütlichen Wohnzimmer vorgesehen. Nach wie vor gelten konzeptionell die Kriterien der Heimaufsicht für eine Wohngemeinschaft nach dem WTPG: Bewohner und deren Angehörige sind für die Vollversorgung selbst verantwortlich. Dies umfasst die Auswahl des Pflegedienstes, die Auswahl der externen Betreuungsleistungen (Stichwort Alltagsbegleiter), die Gestaltung des Alltags und die Haushaltsführung. Krimmel unterstrich, dass laut Heimaufsicht das Raumvolumen mehr als ausreichend sei. Die erneute Genehmigung verlief reibungslos, was nicht verwundert, weil das Konzept weitestgehend dem seit Anfang 2020 mit Erfolg praktizierten Konzept der Pflegewohngruppe im Ursulinenhof in Oberried entspricht.

Pit Müller erinnerte in der Diskussion an den Ausgangspunkt der Kontroverse, als der geplante Gemeinschaftsraum als zu klein erschien. "Heute hört sich das alles ganz anders an". Eine ganze Reihe von Räten äußerten sich gruppierungsübergreifend ausschließlich positiv. Da keine formale Abstimmung zu treffen war, votierte der Rat unisono mit einer zustimmenden Kenntnisnahme für das Konzept.