"Jeder soll sich an Vorschriften halten"

Martin Wunderle

Von Martin Wunderle

Di, 03. November 2020

Löffingen

BZ-INTERVIEW mit Musiklehrer Gottfried Hummel über den Umgang mit der Pandemie im Beruf und persönlich.

. Gottfried Hummel ist Musiklehrer mit eigener Musikschule in Göschweiler, Komponist und Dirigent mehrerer Musikkapellen. Martin Wunderle hat mit ihm darüber gesprochen, wie er bisher in seinem Beruf mit der Pandemie umgegangen ist, welche Abstriche er machen musste und was sie für ihn persönlich bedeutet.

BZ: Haben Sie bisher durch die Corona-Krise Einnahmeeinbußen zu verzeichnen?
Hummel: Am Anfang, als das Coronavirus uns auch in Deutschland ergriffen hatte, hatten wir in der künstlerischen Szene sicher große Bedenken und Sorgen vor dem, was kommen wird. Diese Gedanken waren eher wirtschaftlicher und finanzieller Natur als gesundheitlicher. Musik lebt vom Kontakt und der Verbindung mit dem Publikum und Menschen und natürlich auch von Öffentlichkeit und öffentlicher Wahrnehmung. Allerdings hat Musik auch alle Krisen überstanden.

BZ: Unterrichten Sie vornehmlich Kinder und Jugendliche oder auch Erwachsene?
Hummel: Musikpädagogischer Unterricht umfasst alle Generationen. In unserer Musikschule sind vom sechsjährigen Kindergartenkind bis zum 70-jährigen Senior alle Generation vertreten. Es gibt auch viele Berufstätige im mittleren Alter, die Musikunterricht nehmen und so ihre Freizeit gestalten. Eines verbindet alle gemeinsam: nämlich der Spaß am Musizieren, die Lust am Lernen und Neues zu entdecken. Musik war schon immer frei von Generationsdenken.

BZ: Sie geben in Ihrer Musikschule nicht nur Einzel-, sondern auch Gruppenunterricht. Mussten Sie den absagen?
Hummel: Als am 13. März bekannt wurde, dass für uns Musikschulen und Vereine ein absoluter Lockdown gilt, war die erste Aufgabe, zunächst einmal das aktuelle Geschehen zu analysieren. Ich habe dies so gemacht, dass ich die ersten drei Wochen meine Musikschule geschlossen habe und den Unterricht auf die Pfingstferien und die Sommerferien verlegt habe. Ich empfand es als lösbare Aufgabe, da es nicht dramatisch ist, zu den Schülern sicheren Abstand zu halten und beim Betreten des Raumes die Hände zu desinfizieren. Eine große Herausforderung in der Phase, in der Präsenzunterricht nicht stattfinden konnte, war es, die Zeit, die der Schüler zu Hause verbringt, mit Inhalt zu füllen. Ich habe die neuen Medien genutzt und die Zahl der Aufrufe hat gezeigt, dass es die Schüler auch taten. Was auffällig war, dass jeder Mensch anders mit der Situation umgegangen ist. Hier ist die Schere weit auseinandergegangen – egal bei welcher Generation.

BZ:
Sind Schüler aus Angst vor einer Infektion abgesprungen?
Hummel: Da Musikunterricht für mich weit mehr ist als das Weitergeben von Wissen und musikalischen Informationen, hat sich zu vielen Schülern auch ein sehr persönlicher Bezug aufgebaut. Ich denke, dies beinhaltet auch, dass man sich gemeinsam gegen solche Krisen stellt und sie auch zusammen bewältigt – dies betrifft jeden und natürlich auch die musikalische Zusammenarbeit. Es hat niemand den Unterricht aufgrund von Corona beendet – im Gegenteil: Es gab in dieser Zeit sogar Neuanmeldungen.

BZ:
Und Sie selbst haben beim Unterrichten keine Angst vor einer Infektion?
Hummel: Da ich realistischer Optimist bin, ich mich einem sehr guten Gesundheitszustand befinde und ich davon überzeugt bin, dass unser deutsches Gesundheitssystem hervorragend ist, hatte ich keine Angst – eher ein Bewusstsein der Lage. Angst ist dabei denke ich eh das falsche Wort – es wäre eher richtig, es mit vorsichtig zu beschreiben, denn es galt und gilt heute mehr denn je, die Mitmenschen und auch sich selber zu schützen.

BZ:
Sie sind ja nicht nur Musiklehrer, sondern auch Dirigent mehrerer Musikformationen. Konnten dort Proben stattfinden?
Hummel: Außer Frage hatten auch die Vereine ein ganz neues Kapitel in ihrer Vereinsgeschichte zu bewältigen. Sehr früh haben sich die Vorstände immer wieder ausgetauscht, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Meine Aufgabe als Dirigent war es, Impulse und Anregungen zu setzen und Vorschläge im musikalischen Sinne zu machen. Natürlich ist auch hier der entscheidende Faktor die Selbstdisziplin. Die einen haben sehr viel geübt, während andere ihr Instrument in einen sehr langen Dornröschenschlaf versetzt haben. In den Vereinen wurde ebenfalls eine Challenge gestartet. Schade ist, dass die Konzerte nicht stattfinden können.

BZ: Das hat doch sicherlich auch zu finanziellen Einbußen geführt?
Hummel: Da ich schon immer mehrgleisig gefahren bin, das heißt, in meiner Tätigkeit als Musiklehrer, Dirigent, Komponist und so weiter, war es für mich einfacher als für andere, die Zeit auch finanziell zu überstehen. Was natürlich zu bedenken war, ist, dass die Vereine keine Einnahmen hatten und alle Feste abgesagt werden mussten. Ich habe die sogenannte so Corona-Soforthilfe beantragt, und bekam diese auch ausbezahlt. Deshalb war es möglich, die Honorare meiner Vereine über einen längeren Zeitraum anzugleichen, so dass diese weniger zahlen mussten. Die anderen Bereiche meiner musikalischen Tätigkeit waren davon weniger betroffen. Ohne diese finanziellen Unterstützungen wäre allerdings eine stärkere Schieflage die Folge gewesen.

BZ: Auf was achten Sie persönlich bei ansteigenden Infektionszahlen besonders?
Hummel: Da ich vor kurzem selber, wie etliche Schüler der Schulen und Bildungszentren, zwei Wochen in Quarantäne war, habe ich hautnah mitbekommen wie schnell und vor allem wie nah das Virus und die Situation an mich persönlich und jeden herankommen kann. Obwohl das Testergebnis negativ war, fand nochmal ein verstärktes Nachdenken statt. Denn es gilt, die Mitmenschen zu schützen, und das gelingt nur, wenn man sich auch selber schützt. Ich bin sicher, dass, wenn sich jeder persönlich zurücknimmt und die Vorschriften einhält, wir in naher Zukunft wieder gemeinsam musizieren und Geselligkeit pflegen können.