Großbritannien

Johnny Depp gegen Amber Heard: Rosenkrieg mit zwei Verlierern

Silvia Kusidlo

Von Silvia Kusidlo (dpa)

Mi, 29. Juli 2020 um 15:35 Uhr

Panorama

Johnny Depp klagt gegen einen britischen Verlag – doch im Prozess stellen er und seine Ex-Frau Amber Heard sich gegenseitig bloß.

Selten hat Großbritannien eine solche Schlammschlacht von Prominenten in einem Prozess erlebt wie im Fall der US-Schauspieler Johnny Depp und Amber Heard. Drogen, Alkoholmissbrauch, eine abgetrennte Fingerkuppe, Fäkalien im Bett und immer wieder Gewaltvorwürfe: Wochenlang zeichneten Depp (57) und seine 23 Jahre jüngere Ex-Ehefrau das Bild einer zutiefst zerstörerischen Beziehung.

Zum letzten Prozesstag waren viele Fans vor dem High Court in London versammelt. Sie hatten Blumen dabei und riefen Depp, der im grauen Anzug und schwarzen Hemd kam, Aufmunterndes zu: "Wir lieben dich!" oder "Gerechtigkeit für Johnny!" Heard kam am Dienstag im schwarzen Kleid und händchenhaltend mit ihrer Partnerin Bianca Butti zum Gericht. Seit 7. Juli hatten sich beide Seiten dort mit Vorwürfen überzogen. Depps Anwalt nannten Heard zum Abschluss sogar eine "zwanghafte Lügnerin".

Depp klagt eigentlich gegen den Verlag der britischen Boulevardzeitung The Sun wegen eines Artikels, in dem behauptet wurde, er sei ein "wife beater", also ein "Frauenschläger". Die Schauspielerin sagte vor Gericht aus, sie habe Todesangst vor ihrem Ex-Mann gehabt: "Er hat mir viele Male explizit damit gedroht, mich zu töten." Heard präsentierte Fotos, die angeblich von Depp verursachte Flecken zeigen. Er habe sie oft angeschrien, getreten, sogar gewürgt. Sie warf ihrem Ex-Mann auch vor, "sehr gut im Manipulieren von Leuten" zu sein.

Doch Depp drehte im Prozess den Spieß um: Er beschuldigte seine Ex-Ehefrau, selbst gewalttätig gewesen zu sein. So habe sie zum Beispiel in einem der vielen Streits eine Flasche auf ihn geworfen und damit einen Teil seines Fingers abgetrennt. Die Beziehung zu Heard sei "kompliziert" gewesen, niemals habe er ihr aber Gewalt angetan.

Unterstützung bekam Depp in schriftlichen Aussagen von prominenten Ex-Partnerinnen. US-Schauspielerin Winona Ryder (48) sagte, sie habe Depp während ihrer vierjährigen Beziehung nur als "wirklich guten Mann" kennengelernt. Niemals sei er gewalttätig gewesen. Auch die französische Sängerin Vanessa Paradis (47), mit der Depp 14 Jahre lang zusammen war und zwei erwachsene Kinder hat, äußerte sich positiv: Sie habe ihn als "freundlich, aufmerksam, großzügig und nicht gewalttätig" erlebt. Depp zählt zu den bestbezahlten Schauspielern Hollywoods. Er und Heard hatten sich bei den Dreharbeiten zum Film "The Rum Diary" kennengelernt, 2015 geheiratet, trennten sich aber 2016 nach nur 15 Monaten Ehe wieder.

Völlig unstrittig war im Prozess: Depp litt immer wieder unter seiner Drogen- und Alkoholsucht. Auch er selbst räumte das ein. Richter Andrew Nicol in London muss nun alle Aussagen genau abwägen und ein Urteil treffen: Das werde aber wohl erst in einigen Wochen, vermutlich im September sein, sagte eine Gerichtssprecherin. Es ist nicht die einzige gerichtliches Auseinandersetzung des Paares: Auch in den USA hat Depp wegen der Gewaltvorwürfe eine Verleumdungsklage eingereicht. Er klagt dort direkt gegen seine Ex-Frau. Sie hatte in der Washington Post über ihre Gewalterfahrungen berichtet – ohne Depp jedoch beim Namen zu nennen. Egal, wie der Prozess in London ausgeht: Kommentatoren meinen, dass beide schon jetzt die Verlierer seien. Als zu heftig werden die gegenseitigen Vorwürfe und Einblicke ins Privatleben gewertet.