Reger-Orgelwerke

CD: KLASSIK: Reflektierte Interpretation

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Di, 10. Dezember 2019

Klassik

Ob Monumentalwerk oder Miniatur: Gerhard Weinberger zeigt, dass er mit der Orgelmusik Max Regers bestens vertraut ist. Hoher Reflexionsgrad und enorme Erfahrung sprechen aus diesen Interpretationen. Weinberger kann’s – beweisen aber muss sich der Franz Lehrndorfers Münchner Reger-Schule entstammende langjährige Detmolder Professor nicht mehr. Adäquate grundstimmige Farben, keine Extreme, dafür Klarheit: So klingt der gewaltige e-Moll-Halbstünder, das 1913 für die Breslauer Jahrhunderthalle komponierte Triptychon op. 127, mit Einleitung, Passacaglia und Doppelfuge an der 1911 erbauten Steinmeyer-Orgel der Mannheimer Christuskirche. Man hört viel Mystik – Beispiel: Takt 14 der Introduktion, Vortragsanweisung dolcissimo. Dass die Fuge auch Scherzo-Potenzial hat: keine Frage. Mit Ausdruck und Empathie widmet sich Weinberger an einer Bittner-Orgel von 1913 den späten 30 Choralvorspielen op. 135a. Preziosen, bei denen sich der große Orgelkomponist Reger ganz klein macht. Zwei wunderbare Scheiben.

Max Reger: Organ Works, Vol. 6. Gerhard Weinberger, Orgel. Zwei SACDs (cpo).