Ivo Pogorelich (Klavier)

KLASSIK: Seltsames Zerfallen

Alfred Rogoll

Von Alfred Rogoll

Fr, 03. Januar 2020

Klassik

Vor gut vier Jahrzehnten sprengte sein Klavierspiel die Jury des Warschauer Chopin-Wettbewerbs: Martha Argerich ging unter Protest, sah in ihm den wahren Sieger. Ivo Pogorelich öffnete dann als blendender Virtuose ein Terrain für allerlei außergewöhnliche, exzentrische Darbietungen. Nach dem Verlust seiner Frau Aliza Kezeradze, ebenfalls Pianistin, verstummte seine Arbeit an Tonkonserven. Nach mehr als 20 Jahren nun aber folgt ein neues Album. Sperrige Kost mit Beethoven und Sergei Rachmaninow wird wie früher tempomanieriert, eigenartig und hochversiert – aber leider ohne die früher so blendende Brillanz serviert. Das lässt den ersten Satz aus Beethovens Fis-Dur-Sonate Nr. 24 kaum leuchten. Und auch Rachmaninows Allegro Agitato der Sonate Nr. 2 gewinnt in zweifellos außergewöhnlichem Auseinanderdriften, in seltsamem Zerfallen, wenig Faszination.

Ivo Pogorelich: Beethoven, Sonaten 22 & 24; Rachmaninow, Sonate 2 (Sony).