Kleine Schritte, große Pläne

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 15. Dezember 2019

Lörrach

Der Sonntag 2020 geht die IBA Basel zu Ende – städteplanerisch soll das aber erst der Auftakt sein.

Das Dreiland – urbaner gesprochen, die Metropolitanregion Basel – soll zusammenwachsen, vor allem aber zusammen wachsen. Diesen Prozess begleitet die Internationale Bauausstellung (IBA) Basel seit nunmehr zehn Jahren.

Für viele, die nicht unmittelbar eingebunden sind, ist die IBA Basel mitunter wenig greifbar. Was machen die da? Für was ist das gut? Eine Antwort auf diese Frage findet sich mit dem Fahrplanwechsel diesen Monat an 14 Bahnhöfen zwischen Bad Bellingen und Bad Säckingen. Dort können sich Pendler und Touristen fortan an einheitlich gestalteten Infotafeln in zwei Sprachen orientieren. Vier weitere Bahnhöfe zwischen Liestal und Mulhouse sollen bald folgen. Ziel sei es, so IBA-Geschäftsführerin Monica Linder-Guarnaccia, das Informations- und Orientierungssystem auf alle Bahnhöfe im Projektgebiet auszuweiten.

Bereits seit 2015 ist die IBA-Projektgruppe "Aktive Bahnhöfe" damit betraut, Reisenden im Dreiland einen Überblick zu verschaffen. Und so bieten die neuen Infotafeln im Streckenverbund der Regio S-Bahn neben den jeweiligen Stadt- und Ortsplänen auch Informationen zum öffentlichen Nahverkehrsnetz und den dazugehörigen Tarifen sowie Hinweise zu fußläufigen Angeboten im Bahnhofsumfeld. Die Projektgruppe, in der Raumplaner aus dem gesamten IBA-Gebiet mitwirken, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bahnhöfe in der Grenzregion langfristig zu "attraktiven Mobilitätsdrehscheiben" mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln.

Die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung dieser Direktive jedoch obliegt den Kommunen, die IBA selbst versteht sich als Ideengeber, der Handlungsweisungen formuliert und Impulse gibt für "die nachhaltige Raumentwicklung und Mobilität in der Agglomeration Basel", wie es in der Projektbeschreibung formuliert ist. Dass dies in einer Region, die drei Länder vereint, eine mitunter herausfordernde Aufgabe ist, zeigt sich an den Zeiträumen, die verstreichen, bis Ideen in tatsächlich Vorzeigbares münden. "Man lebt in dieser Region über Landesgrenzen hinweg, als wäre es eine Selbstverständlichkeit", sagt IBA-Geschäftsführerin Linder-Guarnaccia. In der Realität jedoch sei das Selbstverständliche oft das Ergebnis von langwierigen Prozessen, wie das Beispiel der einheitlichen "Signaletik" an den Bahnhöfen zeige, für die es unter anderem Absprachen mit drei Bahngesellschaften bedurfte.

Verhandlungsgeschick brauchte es auch, um einen grenzüberschreitenden Fahrradverleih an den Bahnhöfen Bad Säckingen und Stein am Rhein im Aargau anzuschieben. Dort sollen Zugreisende ab dem Sommer 2020 die Möglichkeit haben, per App ein Velo zu mieten und mit diesem auch die Grenze zu passieren. Perspektivisch soll diese Praxis auf die weiteren Bahnhöfe übertragen werden. "Es war nicht ganz einfach, einen Versicherer zu finden, der bereit ist, den Grenzübertritt in Kauf zu nehmen", erläutert Linder-Guarnaccia den beschwerlichen Weg zum Etappenziel. Die langen Verfahren kosten Zeit. Und Geld. Insgesamt hat alleine das IBA-Teilprojekt "Aktive Bahnhöfe" 150 000 Franken verschlungen.

Die IBA Basel alleine an ihren unmittelbaren Ergebnissen zu messen, wäre wohl etwas kurz gefasst. Wenn die Internationale Bauausstellung im Sommer 2020 nach zehn Jahren mit einer Abschlusspräsentation zu Ende geht, können Kommunen und Planer auf der bereits geleisteten Vorarbeit aufbauen. Zudem ist über die Projektlaufzeit ein reger Austausch der Gemeinden entstanden. Über die diversen Arbeitsgruppen sind Städteplaner aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz miteinander vernetzt, der Blick für’s Ganze ist gewachsen. "Im besten Fall ist es uns gelungen, dass nicht mehr jede Gemeinde für sich schaut, sondern dass ein Bewusstsein dafür entstanden ist, die vorhandenen Energien und Synergien in der Region zu nutzen", sagt die IBA-Geschäftsführerin. Auch nach Projektabschluss wird die IBA-Geschäftsstelle noch ein weiteres Jahr bestehen, um die angeschobenen Projekte und Prozesse weiter zu begleiten. Zudem wird es eine Agenda 2040 geben, in der Empfehlungen und Prioritäten für die städtebauliche Entwicklung der Region verankert sind.

Zu den bereits umgesetzten Projekten der IBA zählt der Rehbergerweg, der die Fondation Beyeler in Riehen mit dem Vitra-Design-Museum als Spazierroute über den Tüllinger Berg verbindet, ein Urban-Gardening- Projekt in einer Hochhaussiedlung in St. Louis, das bislang ungenutzte Freiflächen belebt. In der Kiesgrube in Rheinfelden ist ein Pumptrack entstanden. Im Sommer 2020 soll es ein weiteres Quartiersprojekt an der Grenze zwischen Lörrach und Riehen geben, das in Zusammenarbeit mit er Bevölkerung erarbeitet wird.