Kleiner Verein, großer Zusammenhalt

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Fr, 25. September 2020

Mountainbike

Allen Widrigkeiten zum Trotz werden an der Hochfirstschanze Nachwuchs-Mountainbikerennen und der Trail Hype ausgetragen.

. Am Sonntag war Simon Stiebjahn (Team Bulls) als Mountainbike-Profi unterwegs. Bei der deutschen Marathonmeisterschaft über 75 Kilometer im Odenwald belegte er den zehnten Platz. "Über die Platzierung bin ich enttäuscht, ich habe aber alles gegeben", sagt der Langenordnacher, "mir hat etwas das Selbstbewusstsein gefehlt nach den letzten Wochen. Mitte der letzten Runde konnte ich das Tempo nicht mehr halten und musste reißen lassen".

Zwei Tage später, am Dienstag, war Stiebjahn als Mountainbike-Profi und Veranstalter rund um den Hochfirst unterwegs. Es ist im Training die 33-Kilometer-Runde abgefahren, die am Sonntag beim Trail Hype ein- oder zweimal zu absolvieren ist. Zudem gibt es eine Kurzstrecke mit 20 Kilometern. "Die Leute haben eine super Arbeit gemacht", sagt der 30-Jährige nach der Streckenbesichtigung. Neben den 18 Leuten des Organisationsteams sind 147 Helfer des RSV Hochschwarzwald im Einsatz, Stiebjahn ist der Vereinsvorsitzende. Neben den drei Langstrecken am Sonntag bietet der örtliche Radsportverein am Samstag auch dem Nachwuchs eine Wettkampfplattform, über den Tag verteilt starten die Altersklassen von der U 9 bis zur U 19.

Geplant war eigentlich alles ganz anders. Zum sechsten Mal sollte an der Hochfirstschanze ein internationales Cross-Country-Bundesligarennen ausgetragen werden plus MTB-Nachwuchscup und Trail Hype. Dann kam Corona und lange Zeit war nichts mehr, wie es zuvor war. "Das Einfachste wäre gewesen, die Veranstaltung abzusagen, aber der Verein lässt sich nicht so einfach kleinkriegen", sagt Stiebjahn. Da sich die Planbarkeit eines internationalen Bundesligarennens schwierig gestaltet hätte, entschieden sich Stiebjahn, Markus Bauer und Tobi Daubner (Agentur SMT Sports&Events) "wegen der Regionalität und weil Jugendarbeit eine der Hauptsäulen unseres Verein ist", für die Nachwuchsrennen und die Trail-Hype-Veranstaltung, da 2022 in Titisee-Neustadt die deutschen Marathonmeister ermittelt werden sollen. Das Bundesligarennen wurde ersatzlos gestrichen. "Wir sind nur ein kleiner Verein, aber die Gemeinschaft und der Zusammenhalt sind groß. Wir haben die Herausforderung trotz vieler Auflagen angenommen", sagt Stiebjahn.

Die Umsetzung der Hygiene-Maßnahmen bedeutet für den Verein einen erheblichen organisatorischen Mehraufwand. Zuschauer sind nicht zu der Veranstaltung zugelassen. Alle Sportler, Betreuer und Trainer müssen sich registrieren. Auf dem gesamten Wettkampfgelände besteht Maskenpflicht, die Sportler dürfen ihren Mund-Nasen-Schutz erst eine Minute vor dem Start abnehmen. Statt eines Festzelts gibt es mehrere kleine Essensstände, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Der Wettkampf-Zeitplan am Samstag wurde massiv gestreckt, damit sich nicht zeitgleich zu viele Menschen auf dem Areal befinden. Team-Areas und eine Expo gibt es nicht. Der Eingangsbereich befindet sich bei der Bundesstraße-Unterführung, Parkmöglichkeiten gibt es nur auf der Wiese in Verlängerung des Kapfwegs.

Für die MTB-Cuprennen am Samstag haben sich 295 Nachwuchs-Mountainbiker angemeldet, für die drei Distanzrennen am Sonntag sind 314 Unerschrockene eingeschrieben. Interessierte können sich online gegen eine zusätzliche Gebühr nachmelden, auch am Wettkampftag sind Nachmeldungen noch möglich. Die Wetterprognosen für das Wochenende sind allerdings bescheiden: Regen, einstellige Temperaturen und in den Höhenlagen vielleicht sogar Schnee. Schmuddelwetter, das Stiebjahn als Mountainbiker liebt. "Als Sportler freue ich mich über solches Wetter, als Veranstalter wünsche ich mir, dass es anders kommt." Der Schwarzwälder Mountainbike-Profi wird auf der 66-Kilometer-Strecke an den Start gehen. Er kennt die Strecke aus dem Effeff. Der Sieg geht nur über ihn.