Körperlich und geistig eine Grenzerfahrung in mehr als 30 Rennen

Jürgen Ruoff

Von Jürgen Ruoff

Mo, 22. März 2021

Biathlon

Janina Hettich, Benedikt Doll und Roman Rees, alle aus dem Schwarzwald, haben die Biathlon-Weltcupsaison beendet und bewerten ihre Leistungen .

. "Läuferisch kaputt" hat sich Janina Hettich nach dem letzten Weltcup-Sprint beim Biathlon-Saisonfinale in Östersund (Schweden) gefühlt. "Der Körper ist insgesamt müde und fühlt sich vor den Rennen schlapp an", klagt Roman Rees beim letzten Aufeinandertreffen der Biathlon-Weltelite in diesem Winter. Benedikt Doll fiel die Fokussierung am Schießstand nach einer langen Saison sichtlich schwer: Im Sprint leistete er sich drei Fehlschüsse (31. Platz) und im Verfolgungsrennen waren es sechs (36.). Im abschließenden Massenstartrennen nahm er noch einmal all seine Kraft und Konzentration zusammen, leistete sich nur vier Schießfehler und beendete den letzten Wettkampf der Saison als Fünfter.

Benedikt Doll: "Keine Ausreißer nach oben"

Der Schießstand in Östersund ist windanfällig, beim Verfolger und Massenstart der Männer blies er so böig, dass kein Starter ohne Schießfehler durchkam. Einerseits. Andererseits ist die Belastung im Biathlon-Weltcup immens: 26 Einzelrennen haben die Biathletinnen und Biathleten in zwölf Wettkampfwochen absolviert, die Staffelwettkämpfe kommen noch obendrauf. Körperlich und geistig eine Grenzerfahrung, vor der man sich anerkennend verbeugen muss.

"Es waren gute und solide Weltcuprennen dabei", sagt Benedikt Doll (SZ Breitnau), "aber nicht die Ausreißer nach oben, die Topleistungen, die ich mir vorgenommen habe. Deshalb kann ich nicht zufrieden sein mit der Saison". Rang vier im Massenstart von Hochfilzen (Österreich), der fünfte Platz beim Verfolger in Kontiolahti (Finnland) und jetzt im Massenstart von Östersund waren seine besten Weltcupresultate. Bei der Weltmeisterschaft schaffte er als Achter des Einzelrennens einmal die Top Ten. Das perfekte Rennen ist dem 30-Jährigen in diesem Winter nicht gelungen.

Zu Beginn des Winters schoss Doll stabil, manchmal war es der Ski, der nicht laufen wollte, und manchmal war es Doll selbst, der nicht schneller laufen konnte, weil seine Form noch nicht bei 100 Prozent war. Er bekam einen neuen, auf ihn zugeschnittenen Ski, seine Laufform wurde besser, nun begann er am Schießstand zu schwächeln. "Irgendwie hat sich immer das eine dem anderen in den Weg gestellt", findet Doll, "manchmal habe ich es beim Schießen einfach nicht mehr hingekriegt." Die Ursache dafür könnte im Herbst liegen, da hat er an seinem Anschlag viel verändert: "Vielleicht hat dadurch ein bisschen die Routine und Leichtigkeit beim Schießen gefehlt. Es ging nicht mehr so einfach von der Hand". Erstmals seit Jahren beendet der Schwarzwälder die Weltcupsaison nicht unter den besten zehn der Gesamtwertung, er wird 14. "Wenn man nicht das Selbstvertrauen und die Leichtigkeit hat, ist es schwierig, die guten Vorsätze im Wettkampf umzusetzen." Spannend: Wie wird Benedikt Doll reagieren? Fühlt er sich herausgefordert? "Ich habe noch Lust und bin motiviert für die nächste Saison", sagt er.

Janina Hettich vom SC Schönwald hat die Weltcupsaison in Östersund mit einem Ausrufezeichen beendet: Rang neun im Massenstart. In einem verrückten Windrennen verfehlte sie nur vier der 20 Scheiben, das war der Bestwert an diesem Tag. Es war ihr drittes Top-Ten-Ergebnis in ihrer ersten kompletten Weltcupsaison. Zuvor hatte sie beim Saisonfinale in Schweden schon mit den Rängen 17 (Sprint) und zwölf (Verfolgung) überzeugt. "Ich bin froh, dass ich hier noch einmal drei gute Rennen zeigen konnte, ich bin sehr zufrieden mit meiner Saison." Mit einer Quote von 89 Prozent zählt sie zu den treffsichersten Biathletinnen im Weltcup. "Es freut mich total, dass ich mich im Schießen verbessern und stabilisieren konnte", sagt sie, "läuferisch ist sicherlich noch Luft nach oben, daran werde ich jetzt im Sommertraining arbeiten". Sie ist erst 24, ihr bietet noch viel Entwicklungspotenzial im Skaten. Den Weltcup hat sie auf Rang 22 beendet.

Roman Rees (SV Schauinsland) ist ebenfalls ein guter Weltcup-Saisonabschluss in Schweden gelungen. Seinen zehnten Platz im Sprint nach tadelloser Schießleistung kommentierte der Mann vom Fernsehen mit den Worten: "Einziger Lichtblick an einem trüben Tag." Zuvor beim Verfolgungsrennen in Nove Mesto lag Rees bei einer Fünferserie im stehenden Anschlag dreimal daneben. "Das ist mir schon lange nicht mehr passiert, deshalb wollte ich hier unbedingt mit einer Null durchkommen." Den Verfolger beendete er auf Rang 20, im Massenstart wurde er 16. Beim Schießen kann er mit den Besten mithalten, lediglich läuferisch klafft eine Lücke. "Wir haben schon darüber diskutiert und wir werden im Training etwas ändern", sagt der 28-Jährige aus Hofsgrund, "mein Ziel ist 20 bis 30 Sekunden schneller im Sprint zu werden, meine Leistungsgrenze weiter rauszuschieben".

Kurz und prägnant beschreibt Rees seine Saison: "guter Einstieg, guter Höhepunkt mit Rang zehn im Einzel bei der WM, gutes Ende. Lediglich die Phasen dazwischen waren nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe."