Eva in Modelpose

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Do, 23. Mai 2019

Kunst

AUSSTELLUNGSRUNDGANG IN FREIBURG: Kleine Formate in der Galerie Meier, mittlere Formate im Kunstraum Foth, große Formate im Atelier 4e.

Hans-Joachim Billib
Kleine Formate in der Galerie Meier. Für den regelmäßigen Besucher der Galerie in Freiburger Zentrumslage ist Hans-Joachim Billib kein Unbekannter. Zuletzt sah man in einer Doppelausstellung mit Christopher Lehmpfuhl Landschaften von ihm: Rapslandschaften zumal, ein Lieblingsmotiv des 2013 verstorbenen Berliners und Schülers von Klaus Fußmann.

Auch unter den jetzt ausgestellten Ölstudien, Holz- und Linolschnitten sind etliche Landschaften mit üppigem Gelb. Der Dreiklang Gelb, Grün, Blau – im Bildvordergrund Rapsfelder; im Mittelgrund grün belaubte Bäume; darüber blauer Himmel – wird öfter um Wolkenweiß ergänzt. In "Erwins Hof" tritt das Rot der tief sich herabziehenden Dächer hinzu. Geradezu signalrot sind die "Liegenden Tulpen" auf weißem Tischtuch vor grauem Hintergrund eines Holzschnitts – eine Technik, die die Schau wie das Genre Stillleben lediglich streift.

Abgewandelte Farbakkorde zeigen noch weitere dieser norddeutschen Landschaften. In den Seestücken dominiert naturgemäß das Blau von Wasser und Himmel. Billib wusste aber auch um den Reiz von Naturansichten bei diesigem Wetter. In den duftig hingesetzten, leicht schwermütigen Naturszenerien wirkt sein Realismus wie imprägniert mit Impressionismus. Einen noch anderen Farbakzent setzen Felder mit Phacelia, landläufig Bienenweide oder Bienenfreund genannt. Den Honig geerntet hat hier sichtlich Heike Endemann, von der – zurückgeblieben von der letzten Ausstellung – die schöne Abstraktion "More than honey" in Lindenholz zu sehen ist.

Alexandra Centmayer
Kleine und mittlere Formate, Malereien in Öl auf Glas oder Acrylglas von Alexandra Centmayer zeigt der Freiburger Kunstraum Foth. Manche Gläser sind auf der Vorder- wie Rückseite bemalt – Hinterglasmalerei also. Auch darin schlägt die Schau einen Bogen von den abstrakten, aus geometrischen Flächenformen sich zusammensetzenden Formgebilden zu Votivbildern in Wallfahrtskirchen der oberbayerischen Provinz. Von ihnen ließ sich die in Freiburg lebende gebürtige Münchnerin inspirieren. Die Dreiecksform als Grundelement dieser Bilder führt sie selbst auf die in den Votivbildern über der Bedrängnisszene schwebenden Heiligenfiguren zurück: Wie Maria häufig in fußlangem Mantel gewandet, bildet die Gestalt des oder der Heiligen meist annäherungsweise eine Dreiecksform. Eine zweite, vielleicht noch wichtigere Inspirationsquelle war die neue Freiburger Universitätsbibliothek. Die zu den Dreiecken hinzutretenden Viereckformen leiten sich eben von den unregelmäßig geschnittenen Fassadenvierecken des avantgardistischen Bauwerks ab.

Und in der Tat zeigen manche der kristallinen Gebilde der Malereien Anklänge an Architektonisches wie Treppe und Turm – zumindest an Plastizität und Dreidimensionalität, wohingegen sich in anderen Arbeiten flächige Elemente überlagern. Und haben einige Bilder ausgediente Offsetplatten als Malgrund, so führt der kleine Raum an der Stirnwand zu einem Wandrelief größeren Formats, in dem die Platten eine Konstruktion bilden, die sich als furiose Schöpfung konkreter Kunst wahrnehmen ließe.

Nelson Leiva Rivera
Kleine, mittlere und große Formate von Nelson Leiva Rivera schließlich bietet das Atelier 4e auf der Freiburger Haid. Das kleinste Exponat, das Aquarell "Tasse" von 1994 misst zehn auf 15 Zentimeter; das Triptychon "La pintura de la pintura" in Öl – eine Hommage des Künstlers an drei Lebensgefährtinnen – dagegen annähernd zwei auf vier Meter. "El pintor", der Maler heißt der 81-jährige chilenischstämmige Künstler, der in jungen Jahren Kunstprofessor in Santiago de Chile war, im Titel der Ausstellung schlicht. Für Heike Clement und Joachim Klar, das Künstler-/Aussteller-Ehepaar, ist der seit drei Jahrzehnten in Freiburg lebende Maler und Zeichner eine Art künstlerische Vaterfigur.

Nachvollziehbar wird die Bewunderung beim Blick auf Gefäßstillleben. Zur Expressivität der meist kleinen Ölgemälde trägt die archaisierende Reduktion in Farbigkeit, Form und Pinselstrich bei: Wie bei Morandi, wenngleich auf ganz andere Weise konstellieren sich die Gefäße zu Ausdrucksfiguren, in denen der Ausdruckswert des Ensembles als ganzen den der Einzelgefäße noch potenziert. Wie in dem nahezu monochromen Stillleben von 2001 mit drei wie an der Perlenschnur aufgereihten Gefäßen.

Die Figurenbilder zeigen neben Porträts und Selbstporträts biblische und mythologische Szenen. Höchst ungewöhnlich nicht zuletzt "Eva I" in Modelpose mit einem preziös vorgezeigten Apfel. Die dramatische Szenerie von "Raub der Sabinerinnen" aus dem Jahr 2017 ist, am Probierstein des barocken Sujets, vor allem eine Demonstration kompositorischen Könnens.

Galerie Meier, Gerberau 4, Freiburg.
Bis 15. Juni, Di bis Fr 12–18.30 Uhr, Sa 11.30–16 Uhr.
Kunstraum Foth, Barbarastr. 4, Freiburg. Bis 18. Juli, Di bis Do 15–18 Uhr.
Atelier 4e, Riegeler Str. 4e, Freiburg.
Bis 15. Juni, Do 9–12 Uhr, 15–19 Uhr, Fr 9–12 Uhr, 15–17 Uhr, Sa 13–16 Uhr.