Geheimnisvolles zweier seelenverwandter Künstlerinnen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 20. Juli 2019

Kunst

Der Kulturraum Rosenhof in Schwand zeigt zu seinem 20-jährigen Bestehen eine Ausstellung von Gabriele Seidel und Kathrin Stalder.

Alles wirkt geheimnisvoll in der Doppelausstellung "Spuren", die anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Kulturraum Rosenhof in Tegernau-Schwand zu sehen ist. Die Fotografin Gabriele Seidel aus Lörrach und die in vielen Medien und Techniken arbeitende Künstlerin Kathrin Stalder, die im Weiler Kesselhaus ihr Atelier hat, haben den Raum mit vieldeutigen Fotoarbeiten, Zeichnungen, Drucken und Objekten bestückt. Bewusst sind die Bilder und Objekte so gehängt und platziert, dass die Betrachter nicht auf Anhieb wissen, welche Arbeit von wem stammt, was sie darstellen und aus welchen Materialien sie bestehen. Ist es fotografiert, gezeichnet, gedruckt, gemalt? Das bleibt rätselhaft und assoziativ in dieser subtilen Spurensuche der beiden Künstlerinnen, die sich als Seelen- und Geistesverwandte erweisen. Denn es ergeben sich erstaunliche Ähnlichkeiten in ihren Arbeiten, obwohl sie mit unterschiedlichen Mitteln entstanden sind. Beide Künstlerinnen reisen viel, sind in vielen Ländern und Kulturen unterwegs, nehmen von dort Inspirationen, Eindrücke, Fundstücke mit und verarbeiten diese in feinsinniger und vielschichtiger Herangehensweise.

Auffallend im Raum ist Kathrin Stalders Schaukel, die ausdrücklich benutzt werden darf. Die Sitzfläche besteht aus Schichten von Plexiglas und Blättern von Papier, auf denen Martin Luther Kings "I have a dream" zitiert ist. Hier der große Traum von Freiheit und Menschenwürde, dort das Symbol der Schaukel, die für Kindheitsträume steht: Das bringt Stalder schön zusammen. Kings Vision einer Welt ohne Rassismus taucht in weiteren Arbeiten Stalders auf, als Textzitat auf verschiedenen Schichten von Papier, in die mit Räucherstäbchen Löcher eingebrannt wurden. 365 kleine Dinge, Alltagsfunde, Zettel, Fotos, Notizen hat Stalder als "Jahrestagebuch" auf ein weißes Spitzenkleid genäht: ein Objekt, das Spuren des täglichen Lebens sinnlich, metaphorisch und sinnbildlich greifbar macht. Andere Spuren in Form von Linien, Wassertropfen, Rissen auf der Straße erscheinen in Tusche gezeichnet, in Drucktechniken mit Wachs, in Zeichnungen auf Japanpapier oder in Würfelformen.

Subtil mit Wahrnehmungen spielt Gabriele Seidel in ihren Fotografien, in denen sie starke Ausschnitte und kleine, oft unscheinbare Dinge, Linien, Spuren, Schatten, Strukturen und Farbnuancen auf wenigen Zentimetern Fläche aufnimmt. Das können Details von Wänden und Böden sein, Blicke in Brunnen, Tropfen, aufgeplatzte Risse, wobei die Bilder ihr Geheimnis nie ganz preisgeben. Nicht das erkennbare Motiv, das genau zu Verortende interessiert die Fotokünstlerin, sondern das Aufspüren von Spuren in aller Welt, von faszinierenden Formen, Linien, Strukturen, die in ihren Fotoarbeiten eine eigene Poesie erhalten und oft malerisch oder wie gezeichnet wirken. Wie gut ihre Art von Kunst miteinander harmoniert, zeigen einige Gemeinschaftswerke, in denen Kathrin Stalder die Fotografien von Gabriele Seidel in Drucken mit Wachs bearbeitet hat.

Ausstellung bis 11. August jeweils Samstag und Sonntag 14 bis 19 Uhr im Kulturraum Rosenhof in Schwand