Musik wie eine Sternenreise auf die Rückseite des Mondes

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Di, 12. Februar 2019

Lahr

Zurück in die Zeit der 1970er Jahre mit den eindrucksvoll unkonventionell interpretierten Eigenkompositionen von Sammelsurium.

OFFENBURG. Seit 1972 besteht die Formation, die sich Sammelsurium nennt und ihr Profil Artrock. Sicherlich gab es seit dem den einen oder anderen Wechsel bei den Bandmitgliedern, und der Name bezieht sich auch eher auf die verschiedenen Musikstile, die bei Sammelsurium zu komplexen und dennoch eingängigen Kompositionen entwickelt werden. Die Anmutung des Bandnamens bleibt allerdings weit hinter dem musikalischen Programm und den hochprofessionellen Musikern zurück. Im Lahrer Stiftsschaffneikeller erwartete das am vergangenen Samstag reichlich erschienene Publikum mit Sicherheit kein zufällig irgendwo "Angesammeltes".

Der Synthesizer ist das Herzstück bei den epischen Stücken, die man vielleicht irgendwo zwischen "Umma Gumma" und den frühen Genesis festmachen könnte, so man denn bei der ganz klar in den 1970ern positionierten Musik einen Identifikationspunkt ausmachen will.

Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt der meisten Stücke bildet der schön ausgebildete Mezzosopran der klassische Sängerin Viola de Galgóczy. "Vio" ist es auch auch, die den Kontakt zum Publikum hält und zum Beispiel Episoden aus der langen Bandgeschichte zum Besten gibt. Ihr erstes Stück "Here & Now" beginnt zunächst mit einem feinen Synthesizer Gespinst, in das Drums und Gitarre zunächst frische und unverbrauchte rockige Attitüde dazugeben. Es darf auch gerne mal ein bisschen Santana-Anklänge von Raimund Göppert geben oder ein sphärisches Bling des Glockenspiels. Spielerisch und verspielt entwerfen Bandgründer Uli Steurer (Drums, Oboe, Flöte) und seine Mitspieler Christian Steurer (Keyboards) sowie Thomas Schwarz (Bass) die breit aufgestellten Kompositionen, die dem Hörer auf angenehmste Art volle Aufmerksamkeit abverlangen. Alle Stücke haben eine Geschichte, eine Idee und Aussage, die gerade durch die komplexe musikalische Schreibweise ganz klar transportiert wird. Zwischen Sternenreise, philosophischen Betrachtungen, Mahnung vor dem Menschen als des Menschen Wolf und Themen aus dem "Herrn der Ringe" bewegen sich Texte und Musikstile, die hier ineinander verwoben werden. Bei Sammelsurium stehen erdige Riffs und berührende Oboenklänge neben sphärischem Kunstklang aus dem elektrischen Piano. Die Stücke dürfen sich auch gerne mal acht Minuten lang entfalten. Jazziges Scatten oder hohe gekreischte Töne von Viola de Galgóczy, wie auf Pink Floyds "Dark Side of the Moon" bauen die Stimmungsbilder mit auf und runden sie ab. Die fünf Musiker bringen es fertig das Publikum, ohne eine einzige gecoverte Tonfolge, sondern mit Innovation und gekonntem Gespür in eine stürmische Zeit ihres eigenen Lebens zu katapultieren und sind dabei frisch und gleichzeitig völlig neu. "Sammelsurium" ist eindeutige ein schöne Untertreibung.