Leserbriefe

Tillmann Hesse, Renate Veselik

Von Tillmann Hesse, Renate Veselik (Vogtsburg)

Sa, 23. Januar 2021

Leserbriefe Breisgau

BREISGAU-S-BAHN
"Wer kann, wird hier zum Bahnflüchter"
Zu "Noch ruckelt es im neuen Fahrplan" in der BZ vom 15. Januar:
"Noch ruckelt es im neuen Fahrplan" ist eine sehr harmlose Umschreibung des DB-Regio-Breisgau-S-Bahn-Desasters. Für was ist fast eine halbe Milliarde Euro ausgegeben worden, wenn das Resultat nach mehr als einem Jahr Entschuldigungen eine dramatische Verschlechterung gegenüber der alten Breisgau-S-Bahn ist? Welcher Optimist hat diese eingleisige Kuppel-und-Flügel-Strecke so geplant, dass sie nicht funktionieren kann? War das der selbe Optimist, der die Züge bestellt hat, ohne mal zu probieren, ob die auch im Regelbetrieb funktionieren?

Jeder Fahrgast und jeder Lokführer der alten Breisgau-S-Bahn hätte sagen können, wo die Tücken der neuen DB-Regio-Strecke sind, und dass der Fahrplan der gesamten Strecke sofort zusammenbricht, wenn nur ein winziges Detail irgendwo nicht funktioniert, weil überhaupt keine Reserven eingeplant sind. Wurde die Expertise dieser Experten an der Basis von dem selben Optimisten übergangen? Fahrgäste und Lokführer können einem jetzt nur noch leid tun.

Wer schon x-mal den Anschluss verpasst hat, um bei Kälte und Dunkelheit eine Ewigkeit auf den nächsten Zug zu warten, wer falsche Auskünfte sieht und hört, wer morgens am Bahnsteig nicht weiß, ob er pünktlich zur Arbeit oder die Verbindung auf dem Rückweg klappt, wer wie ein gehetztes Tier vor und während der Fahrt die Anzeigen bezüglich Verspätung und Ausfall im Blick hat, wer entnervt feststellt, dass zwischen den Zügen der DB-Regio und der SWEG keine Kommunikation stattfindet und es den Betreibern gleichgültig ist, ob Anschlüsse funktionieren, wer dass alles klaglos hinnimmt, ist entweder Schüler oder zu arm für ein Auto oder der allerletzte überzeugte ÖPNV-Nutzer.

Bahnfahren könnte entspannend sein, aber mit der Breisgau-S-Bahn ist es zum Dauerstress geworden. Wer kann, wird zum Bahnflüchter und nimmt das Auto.

Tillmann Hesse, Renate Veselik, Vogtsburg"Eine Schande für die DB-Verantwortlichen"
Die Bahn setzt heute zu Corona -Zeiten skandalös wenig Busse als Ersatz ein. Ein Reisebus alle halbe Stunde, also ein Bus pro Zug! Entsprechend sitze ich gerade mit 50 anderen, kaum ein Platz ist frei, dicht an dicht im SEV. Eine Schande für die DB-Verantwortlichen. Bitte helfen Sie diesen Missstand bekannt zu machen und dadurch zu beseitigen in Zukunft...
Florian Kraemer, Freiburg

"Die Zustände sind unhaltbar"
Von einem "Ruckeln" beim Betrieb zu sprechen, ist völlig daneben. In meiner Wahrnehmung ist es so, dass sich seit Jahresbeginn die vielfältigen Probleme, die es auf dieser Strecke gab, wieder zunehmend zeigen und neue Probleme hinzutreten. Es gelingt momentan nicht, einen für Berufspendler und andere Nutzer des ÖPNV verlässlichen Fahrplan aufrechtzuerhalten. Diese Woche kam es zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen von ganzen Verbindungen. Es gelingt nicht, Züge bereitzustellen, die die Zahl an Fahrgästen, die unterwegs sind, adäquat aufnehmen und befördern. Die Strecke kann mit einem bis zu dreiteiligen Zugsystem befahren werden. Häufig wurde nun auch in Hauptzeiten des Pendlerverkehrs, zwischen 6 und 8 Uhr sowie 16 bis 18 Uhr, lediglich ein Zug mit nur einem Zugteil zur Verfügung gestellt. Es kommt hierdurch zu einer Enge in den Zugabteilen, die jegliche Form von gesamtgesellschaftlicher Bemühung, der Corona-Pandemie Herr zu werden, ad absurdum führt. Auch bestehen weiterhin beim Koppeln der Züge Probleme, die zu Verspätungen, Zugausfällen und zunehmender Enge in den Zugabteilen führt.

Der Wintereinbruch verschlimmert die ohnehin bestehenden Probleme auf der Strecke. Der Umstand, dass in Bereichen des Hochschwarzwalds im Winter Schnee liegt, sorgt nun dafür, dass Pendler aus der Kaiserstuhlregion wegen der allgemeinen Mängel auf der Strecke und wegen des Wintereinbruchs nicht mehr mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren können.

Es gelingt der Deutschen Bahn seit Wochen nicht, am Haltepunkt Freiburg-Klinikum vorgeschriebene Sicherungsmaßnahmen der Verkehrswege am Haltepunkt durchzuführen. Dies führt zu einer gefährlichen Glätte im gesamten Areal. Streumaterial ist nirgends zu erkennen.

Ich sehe die politisch verantwortlichen Entscheidungsträger in der Verantwortung, rasch Lösungen herbeizuführen. Die Zustände sind unhaltbar, ich empfinde es als eine Frechheit den Menschen gegenüber, die für diese Art der Dienstleistung auch noch einen nicht geringen Betrag bezahlen müssen. Durch die beschriebenen Umstände sehe ich meine eigene Gesundheit und die vieler meiner Arbeitskollegen und -kolleginnen am Universitätsklinikum Freiburg sowie die anderer ÖPNV-Nutzer gefährdet. Sowohl was die Expositionsgefahr bezüglich einer eigenen Corona-Infektion, als auch die Verbreitung des Virus betrifft. Nicht zu vergessen die Gefahr, sich beim Ein- und Ausstieg bei bestehender Glätte zu verletzen. Ich möchte darauf hinweisen, dass gerade die Beschäftigten des Universitätsklinikums im Kampf gegen die Pandemie gebraucht werden. Kontaktaufnahmen zur DB Regio habe ich aufgegeben! Es besteht dort keine Bereitschaft, sich mit den ÖPNV-Nutzern auseinanderzusetzen. Anfragen werden nicht beantwortet, Probleme kleingeredet. Mein Wunsch ist, dass die politisch Verantwortlichen endlich handeln und dringend notwendige Veränderungen auf der Strecke herbeiführen. Jürgen Gißler, Ihringen"Es kommt täglich zu Zugausfällen"
Ich benutze die Breisgau-S-Bahn als Pendler unter der Woche täglich zwischen Ihringen und Freiburg. Für diesen Streckenabschnitt kann ich Ihre positive Einschätzung nicht teilen, da es nach wie vor die folgenden Probleme auf dem Streckenabschnitt zwischen Ihringen und Freiburg gibt: Es kommt täglich zu Zugausfällen, so zum Beispiel die S1 um 11.22 Uhr, 12.52 Uhr und 13.22 Uhr nach Freiburg. Die Fahrzeiten werden nicht eingehalten; eine Verspätung von fünf Minuten in Ihringen für den Zug aus Freiburg ist "normal". Das Erreichen des Anschlusses in Gottenheim in Richtung Endingen ist ein Lotteriespiel, wenn man aus Ihringen kommt, da die Unterführung genutzt werden muss und die entsprechenden Zugteile mit maximal möglichen Entfernung an den Bahnsteigen stehen.

Mit dem Schnee kommt die Breisgau-S-Bahn überhaupt nicht zurecht. Am Freitagmorgen fiel zunächst der Zug um 6.17 Uhr ab Ihringen aus. Der nachfolgende Zug um 6.48 Uhr war entsprechende voll. Das Kuppeln in Gottenheim hat nicht funktioniert, so dass nur ein Zugteil von Endingen nach Freiburg weiter fuhr, der dann entsprechend überfüllt war – mit erhöhtem Corona-Ansteckungsrisiko für alle Fahrgäste. Am Freitagnachmittag sind in Kirchzarten die Züge 15.05 Uhr, 15.15 Uhr und 15.35 Uhr in Richtung Freiburg ausgefallen, ohne dass vor Ort oder in der DB-App eine Information erfolgte.

Im Ergebnis muss ich für die Breisgau-S-Bahn auf dem Streckenabschnitt zwischen Ihringen und Freiburg leider feststellen, dass nach wie vor kein zuverlässiger und planbarer Zugbetrieb stattfindet. Es ist morgens wie abends ein Glücksspiel, ob die Züge fahren. Ich weiß nie, wann ich meinen Arbeitsplatz erreiche oder wieder zuhause bin.

In diesem Zustand kann man die Breisgau-S-Bahn nicht nutzen, wenn man Termine einhalten muss. Das ist nach den gemachten Ankündigungen und Versprechungen sehr schade.

Stefan Freitag, Ihringen"War ein Wintereinbruch undenkbar?"
Zu "Gestoppte Züge und gekappter Strom" in der BZ vom 16. Januar:
In diesem Artikel wird die Situation vom Freitag, 15. Januar, beschrieben. Ergänzt werden kann zu Donnerstag, 14. Januar: Um 18 Uhr wird auf dem DB-Navigator angezeigt, dass der Zug um 18.58 Uhr von Neustadt nach Titisee ausfällt. Der Zug, der zuvor von Villingen nach Freiburg fahren soll, endet wegen Streckensperrung auch in Neustadt, wo er gegen 18.45 Uhr eintrifft. Vor Neustadt wird den Reisenden mitgeteilt, dass ein SEV nicht möglich sei, da die Straßen teilweise gesperrt seien. Taxikosten würden an Fahrkartenausgaben ersetzt. Trotz möglicherweise problematischer Straßenverhältnisse warten dann mehr als 20 Menschen auf ein Taxi. Eines fährt mit drei Personen auf den Rücksitzen auf gut hergerichteter Straße nach Freiburg. Der geforderte Abstand zwischen den Reisenden ist illusorisch. Am selben Abend fuhr ich von Hinterzarten um 16.45 Uhr nach Littenweiler und wollte um 18.20 Uhr zurückfahren. Eine Durchsage gab es nur für einen Zug nach Endingen und Breisach, dass er ausfalle. Bis 19 Uhr fuhr weder ein Zug in Richtung Himmelreich, noch gab es eine Durchsage. Auf dem Bahnsteig war es lausig kalt.

Ich sah mich gezwungen, meinen Mann telefonisch zu bitten, mich mit dem Auto abzuholen, das er allerdings erst am Bahnhof Hinterzarten zu Fuß holen musste. Auf der Heimfahrt gegen 20.30 Uhr sahen wir auf der B 31 einen SEV entgegenkommen. Dass es an diesem Tag schneien würde, war bekannt. Seit mindestens 18 Uhr war bekannt, dass ein SEV notwendig sei. Taxen wurden in Neustadt nicht frühzeitig um Hilfe gebeten. Bis Anfang Dezember wurden nachts an der Strecke Sturm-Schäden behoben. War zu der Zeit ein Wintereinbruch undenkbar? Konnten keine prophylaktischen Arbeiten erledigt werden? Bettina Schlüter, Hinterzarten