Riesiges Interesse am Breitbandausbau

Birgit-Cathrin Duval

Von Birgit-Cathrin Duval

Do, 18. Juli 2019

Malsburg-Marzell

In drei Jahren soll ganz Malsburg-Marzell ans Glasfasernetz angeschlossen sein / Wer bis 31. Juli einen Vertrag unterzeichnet, spart.

MALSBURG-MARZELL. Bei der Infoveranstaltung des Zweckverbands Breitbandausbau in Malsburg-Marzell gab’s Leerrohre und Kabel zum Anfassen. Bis in drei Jahren sollen die Glasfaseranschlüsse an jedes Haus verbaut sein. Wer sich bis zum 31. Juli für einen solchen Anschluss entscheidet, kann später hohe Kosten sparen.

"Das ist die erste Infoveranstaltung, in der auch die Plätze in der ersten Reihe besetzt sind", sagte Paul Kempf, Geschäftsführer des Zweckverbands Breitband vom Landkreis, angesichts der aus allen Nähten platzenden Edenbachhalle. Daran sei eins zu eins abzulesen, wie groß die Not sei, was die Internetversorgung anbelangt, meinte Kempf. "Der Starttermin, der uns in eine vernetzte Zukunft bringt, steht", freute sich Bürgermeister Mario Singer.

Der Zweckverband wolle eine Infrastruktur, die zukunftsfähig und nachhaltig sei, betonte Kempf. Denn die derzeit von der Bundesregierung als aktuell geltende Grundversorgung von 50 Mbit/s werde schon in wenigen Jahren überholt sein. Deshalb wolle man auf keine Zwischenlösungen setzen, sondern ein komplett neues Netz bis ans Haus bauen. "Wo wir Verträge herbekommen, werden wir bauen", sagte Kempf und ergänzte: "Wir gehen auch nach Käsacker." Einzig ein Gebäude bleibe derzeit ausgespart: Die Scheune des Blauenhauses, das sich auf Gemeindegemarkung Malsburg-Marzell befindet, was im Publikum Gemurmel auslöste.

40 Kilometer an Leitungen gilt es in der Berggemeinde zu verbauen, bis alle Häuser angeschlossen sind. Im ersten Bauabschnitt werden 14 500 Meter der Hauptleitung verlegt und 150 Hausanschlüsse angebunden. Im zweiten Bauabschnitt sollen 16 000 Meter und 450 Hausanschlüsse fertig gestellt werden.

Am 20. August erfolgt der Spatenstich für den ersten Abschnitt. Gerechnet wird mit 18 Monaten Bauzeit, je nachdem wie der Winter ausfällt. Der zweite Bauabschnitt soll im ersten Quartal des kommenden Jahres starten. Kempf hofft auf mehrere Baukolonnen, die an unterschiedlichen Orten eingesetzt werden können. Hauptziel sei es, dass die Inbetriebnahme des Netzes gemeinsam für die Gesamtgemeinde erfolge.

Die Baukosten bezifferte der Geschäftsführer mit 2,7 Millionen für den ersten und 3,3 Millionen für den zweiten Bauabschnitt. Davon werden 50 Prozent aus Fördermitteln vom Land bezahlt, der Rest soll durch Pachteinnahmen von den Netzbetreibern über 40 Jahre hinweg eingenommen werden. Um in den Genuss der Fördermittel zu kommen, ist ein gewerblicher Bedarf notwendig.

Das umfasst neben Landwirten, Handwerkern, Gewerbetreibenden auch Freiberufler und Angestellte, die im Home-Office arbeiten. Kempf bat, sich in die Listen einzutragen, was nach dem Vortrag auch rege getan wurde.

Die Verträge, die den Bürgern vom Zweckverband zugegangen sind, beziehen sich auf den Hausanschluss und sind bis zum 31. Juli 2019 abzuschließen. Der Preis für den subventionierten Anschluss beträgt 600 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Wer jetzt darauf verzichte und später einen Anschluss wolle, müsse mit den fünf- bis sechsfachen Kosten rechnen, sagte Kempf. Eine Woche vor Baubeginn der Hausanschlüsse würden die Maßnahmen mit den Anliegern abgeklärt.

Viele Fragen gab es zu den Laufmeterpauschalen, also den Kosten, die von der Grundstücksgrenze (dort, wo die Stichleitung letztmals öffentlichen Grund verlässt) bis zum Haus anfallen. Davon sind 15 Meter frei, ab dem 16. Meter wird eine Pauschale von 80 Euro je angefangenem Meter fällig. "Ich will nicht die Katze im Sack kaufen", lautete eine Stimme aus dem Publikum. Bei 80 Prozent der Häuser seien es nicht mehr als 15 Meter, bei drei Vierteln bis 25 Meter, beschwichtigte Kempf. Gleichzeitig versprach er, sich um Lösungen zu bemühen, sollten längere Anschlüsse anfallen. Auch bestehe die Möglichkeit, vorhandene Leerrohre zu nutzen, wobei diese zuvor geprüft werden müssten.

Als Netzbetreiber agieren derzeit die Firmen Pyur aus München und Stiegeler aus Schönau, deren Preise starten bei knapp 40 Euro monatlich. Kempf riet, mit der Kündigung der bestehenden Verträge zu warten und sie durch den neuen Internetanbieter kündigen zu lassen, damit keine Versorgungsunterbrechungen entstehen. Bis die Infrastruktur steht und die Netzbetreiber die Glasfaserleitungen mit dem schnellen Internet versorgen können, wird es allerdings noch rund drei Jahre dauern. Bürgermeister Singer bat um Verständnis, wenn die Bauarbeiten zu Sperrungen und Behinderungen führten. Altbürgermeister Schweinlin drückte Paul Kempf gleich einen unterzeichneten Vertrag in die Hand.