Glosse

Manche Menschen lassen sich schräge Dinge in ihr Haus bauen

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mi, 15. September 2021 um 16:04 Uhr

Kolumnen (Sonstige)

Atombunker, Einkaufszentrum im 60er-Jahre-Stil, Fluchttunnel: Es ist schon sonderbar, was sich einige Häuslebesitzer in ihre vier Wände bauen lassen. Manchmal wird auch ein Flughafen zum Wohnzimmer.

Da war dieser Mann im Schwarzwald-Baar-Kreis, der dem Autor dieser Zeilen einmal voller Stolz den Atombunker unter seinem Anwesen gezeigt hat. Inklusive Wasservorräte und – ganz wichtig – Jodtabletten. Damit hätte er im Ernstfall locker ein paar Wochen länger als die sonstige Nachbarschaft durchhalten können. Doch dann? So ganz durchdacht schien die Strategie nicht.

Ebenfalls im Keller, wenngleich deutlich dem Leben zugewandter, ist das, was sich Hollywood-Legende Barbara Streisand unter ihr Haus bauen ließ: Ein Einkaufszentrum im 60er-Jahre-Stil, samt kleiner Ladengeschäfte und Rundbögen. Zu kaufen gibt es dort nichts, aber sie kann die Unmengen ihrer Kleider gebührend zur Schau stellen.

Eigene Startbahn vor der Haustür

Pragmatisch scheint auch Schauspieler und Hobbypilot John Travolta veranlagt zu sein. Der bezog ein ganzes Flughafenterminal und baute es zum Privatanwesen um. Wo bei anderen die Garagen stehen, sind bei ihm Hangars für seine Flugzeuge und auch die eigene Start- und Landebahn ist nur zwei Gehminuten entfernt.

Am Ende baut sich eben jeder sein Domizil so, wie es zu seinen Leidenschaften, aber auch zu den täglichen Anforderungen passt. Das sieht man etwa am Haus des mexikanischen Drogenbarons El Chapo, der seit zwei Jahren in einem US-Gefängnis einsitzt. Das wird dieser Tage auf ungewöhnliche Weise einen neuen Besitzer finden.

Nachdem die Regierung erfolglos versucht hat, für das bescheidene Häuschen in der Stadt Culiacan einen Käufer zu finden, wird es nun über die nationale Lotterie an den Mann oder die Frau gebracht. Samt aller Extras – von denen aber nur eines für El Chapo von Belang war: Unter der Badewanne gibt es einen Fluchttunnel, der in die Kanalisation führt. Sehr praktisch für jemanden auf der Flucht vor der Polizei. Was der künftige Besitzer damit anstellen will, wird man sehen. Für einen Atombunker wird der Durchgang wohl zu klein sein.