Mann täuscht seinen Tod auf der Ostsee vor

André Klohn

Von André Klohn (dpa)

Di, 19. Mai 2020

Panorama

Aber sein Ehering verrät ihn.

KIEL. Zwei Stunden suchen Polizisten am 7. Mai in einer Stadtvilla im niedersächsischen Schwarmstedt nach einem mutmaßlichen Betrüger. Dann leuchtet ein Beamter auf dem Dachboden mit seiner Taschenlampe herum. "Er hat dabei ein Aufblitzen gesehen", sagt ein Ermittler der Kieler Polizei. "Beim genauen Hinsehen hat der Kollege erkannt, dass es ein Ehering an einer Hand war." Wenige Augenblicke später nehmen Polizisten den 52 Jahre alten Kieler fest. In einer Ecke hockend, hinter Kartons auf dem Dachboden seiner Mutter taucht der Mann sieben Monate nach seinem vermeintlichen Ertrinken in der Ostsee auf.

Die Kieler Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Betrugs. "Bereits 2018 sind für den Beschuldigten gut ein Dutzend Lebens- und Unfallversicherungen bei verschiedenen Versicherungsgesellschaften abgeschlossen worden", sagt Oberstaatsanwalt Axel Bieler. Gesamtsumme: 4,1 Millionen Euro. "Wir waren relativ schnell der Auffassung, dass hier lediglich der Tod vorgetäuscht worden ist, um die Versicherungssumme zu kassieren." Sie sollte im Todesfall an Frau und Mutter ausgezahlt werden.

Parallelen zu einem anderen Kriminalfall von 1994

Rückblende: Am 7. Oktober 2019 bricht der Mann von Kiel mit einem kleinen Motorboot in Richtung Dänemark auf. Drei Tage später meldet seine Frau ihn als vermisst. Eine Suche verläuft ohne Erfolg. Am 11. Oktober entdeckt ein Zeuge das gekenterte Boot vor dem nordöstlich von Kiel gelegenen Ort Schönberg. Die Kieler Polizei stößt bei den Ermittlungen auf Ungereimtheiten und wird skeptisch. Ein Gutachter stellt schließlich Manipulationen am Boot fest. "Der Plan war durchdacht und gut vorbereitet", sagt eine Ermittlerin. Die Polizisten gehen davon aus, dass der Mann, seine Ehefrau und seine 86 Jahre alte Mutter den Plan gemeinsam ausgeheckt haben. Die Ehefrau sitzt seit Ende April in Untersuchungshaft. Ihr Mann schweigt zu den Vorwürfen, seine Mutter ebenfalls.

Der Fall weist Parallelen zu einem Hamburger Verbrechen auf. In der Nacht zum 29. April 1994 zündet der frühere Betreiber eines Tauch- und Segelshops auf der Elbe seinen Kutter an und verschwindet, um seinen Tod vorzutäuschen. Mit Hilfe seiner Ehefrau will er Lebensversicherungen von rund einer Million Mark kassieren. Ohne Erfolg: Er wird nicht für tot erklärt, die Lebensversicherungen zahlen nicht. 1999 wird er in Berlin vor dem Haus seines Vaters gefunden und 2001 vom Landgericht Itzehoe wegen versuchten Betrugs zu 13 Monaten auf Bewährung verurteilt.