UNTERM STRICH: Globalisierte Geisterbeschwörung

Stefan Scholl

Von Stefan Scholl

Mo, 10. Februar 2020

Kolumnen (Sonstige)

Ostsibirische Schamanen treffen westafrikanische Voodoopriester / Von Stefan Scholl.

Die Burjaten sind eine mongolische Ethnie in Sibirien, also eine Bevölkerungsgruppe, die in der Regel nicht in westdeutschen Medien auftaucht. In russischen dagegen schon: Bair Zyrendorschijew, seines Zeichens Burjate und Chef der ostsibirischen Schamanen-Organisation Tengeri, berichtete kürzlich einer Zeitung von seinem Besuch im westafrikanischen Togo. Dort hätten er und seine burjatischen Kollegen im Januar erste Gebete gesprochen, als ein selten kalter Wind aufkam. Das war nach Ansicht der lokalen Zauberer ein Zeichen, dass ihre Gottheiten die Gäste herzlich begrüßten. Danach unterschrieben die Burjaten und togolesische Voodoopriester ein interkonfessionelles Kooperationsabkommen. Alle globalisieren – Fabrikanten und Fußballvereine, warum also nicht auch die Medizinmänner?

Burjatisches Schamanentum und Vodoo seien sehr alt, heißt es jetzt bei der Tengeri, und einander sehr nahe. Sibirische wie afrikanische Geisterbeschwörer wunderheilten und weissagten, sie trommelten, sängen und tanzten, um in Trance in andere, magische, Welten zu gelangen. Logisch, dass auch sie sich austauschen wollen, über handwerkliche Kniffe bestimmter Rituale, womöglich auch darüber, wie viele Hühner, Rubel oder CFA-Franc man für einen kurierten Hexenschuss verlangen kann.

Zwar behaupten sibirische Kritiker, die vaterländischen Schamanen verehrten die Götter des Himmels und Lichtes, die Vodoozauberer dagegen seien finstere Gestalten, die Dämonen der Dunkelheit herbeiriefen und die Seelen ihrer Opfer mittels Nadeln und Stoffpuppen aufspießten. Im Alltag indes scheinen die Voodoo-Anhänger in Togo sehr freundlich zu sein: So haben sie ihren sibirischen Freunden schon Bauland für ein eigenes Schamanenzentrum angeboten. Doch zu einem Umzug nach Afrika habe sich noch keiner entschließen können, erklärt eine Tengeri-Schamanin. Denn man sei an Kälte von minus 20 Grad und mehr gewöhnt. In Togo allerdings herrschen 35 Grad. Plus.