UNTERM STRICH: Lincoln wieder an der Macht

Stefan Hupka

Von Stefan Hupka

Di, 12. März 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wie sich überlastete Rathäuser in Amerikas Provinz behelfen / Von Stefan Hupka.

Das Amt des Bürgermeisters mag manchmal schmücken, oft ist es einfach nur strapaziös – wie fast jeder Amtsinhaber bestätigen kann. Den Gemeinderat bändigen, der nach der nächsten Wahl noch mehr ein Flohzirkus sein wird, als er das jetzt schon ist. Beim Kämmerer betteln, dass er das Gesäß von der Kasse hebt, damit der Chef sich die eine oder andere Wohltat beim Wähler leisten kann, zumal vor Wahlen. Fasnetszünfte versöhnen, die in Eifersucht verhakt sind. Und Hundertjährige beglückwünschen, von denen es heute auch immer mehr gibt. Weil das in der Summe anstrengend ist – tierisch anstrengend –, haben die Bewohner von Fair Haven im nordöstlichen US-Bundesstaat Vermont dies wörtlich genommen und einen Teil der Pflichten an ein Tier delegiert. Nicht das, was man ein hohes Tier nennen würde – bloß eine Ziege. Aber sie hört, sofern eine Ziege überhaupt auf etwas hört, auf den honorigen Namen Lincoln – nach dem berühmten 16. Präsidenten mit Vornamen Abraham.

Lincoln erhielt am Wochenende, bei einer allerdings beklagenswerten Wahlbeteiligung von 53 Wählern bei 2500 Einwohnern, die meisten Stimmen, nämlich 13, und amtiert vom heutigen Dienstag an in Fair Haven als "Bürgermeister". Als solcher soll er dem Stadtmanager bei Repräsentationspflichten zur Hand gehen und beim Fundraising helfen, damit ein neuer Spielplatz gebaut werden kann. Schon jetzt hat er stattliche einhundert Dollar zusammengebracht. Aus dem Feld geschlagen hat Lincoln übrigens Wüstenrennmaus Crystal und diverse Hunde und Katzen. Orientiert habe man sich dabei, berichten die Fair Havener, an der Gemeinde Omena, Michigan, wo seit gut einem halben Jahr die Katze Sweet Tart McKee als Bürgermeisterin amtiert. Ihr Rivale Harvey Jones, ein Ziegenbock, musste verzichten, als herauskam, dass er Geißlein von verschiedenen Partnerinnen hat. Schade für Omena, denn ein Bürgermeister sollte, wie leidgeprüfte Lokal- und Chefredakteure bestätigen können, auch eines beherrschen: das Meckern.