UNTERM STRICH: Obdachlose Einsiedler

Annika Sindlinger

Von Annika Sindlinger

Sa, 21. November 2020

Unterm Strich

Thailänder spenden Schneckenhäuser für heimatlose Krebse / Von Annika Sindlinger.

Eine neue Bleibe zu finden, ist nicht leicht. Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist vielerorts angespannt. Diese Erfahrung mussten auch die Einsiedlerkrebse im thailändischen Mu-Ko-Lanta-Nationalpark bei Krabi machen. Dort sind derzeit massenweise Krebse obdachlos, weil sie keine Schneckenhäuser mehr finden. Ihre Not ist so groß, dass einige bereits in abgebrochene Flaschenhälse, Getränkedosen und Joghurtbecher umziehen.

In diesem Jahr explodierte die Krebspopulation im Süden Thailands. Meeresbiologen vermuten, dass die fehlenden Touristen der Grund dafür sein könnten. Weil in diesem Jahr kaum Reisen nach Asien möglich waren, hatten die Krebse die Strände ganz für sich. Ein Spendenaufruf des Parks in den sozialen Netzwerken konnte aber Abhilfe schaffen: Wie die Bangkok Post berichtet, hat die Bevölkerung fleißig für die obdachlosen Schalentiere gesammelt. Es seien bereits 200 Kilogramm Schneckenhäuser zur Rettung der Tiere eingesendet worden, meldet die thailändische Tageszeitung.

Einsiedlerkrebse ziehen in ihrem Leben mehrfach um. Wenn sie wachsen und ihnen ihr Schneckenhaus zu klein wird, bleibt ihnen keine andere Möglichkeit als ein Umzug. Sie sind auf eine feste Behausung angewiesen, denn ihr Hinterleib ist ungepanzert. Das machte sich vor Jahren eine japanische Immobilienfirma zunutze: Sie verteilte künstliche Gehäuse, bedruckt mit ihrem Firmenlogo, am Strand. Schon kurze Zeit später trugen die Krebse diese umher und warben so für die Firma.

Forscher haben zudem herausgefunden, dass einige Einsiedlerkrebsmännchen überdimensionale Geschlechtsorgane haben. Offensichtlich sind sie Stubenhocker oder haben Angst vor Hausbesetzern. Denn ihre üppige Ausstattung erlaubt es ihnen, sich zu paaren, ohne ihr Zuhause zu verlassen. Weder sie noch das Weibchen müssen dazu vor die Türe. Die Frage "Zu dir oder zu mir?" erübrigt sich da schon mal. Ein größerer Penis bewahrt also vor Obdachlosigkeit. Es kommt manchmal doch auf die Größe an.